Max Annas auf Platz 1 der KrimiZeit-Bestenliste im August – hier zum Ausdrucken

An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste August 2016 finden Sie weiter auf Platz 1: Die Mauer von Max Annas. Der 1963 geborene Max Annas hat etliche Jahre in Südafrika verbracht und dort zur Geschichte des südafrikanischen Jazz geforscht. dort hat er auch die Stoffe für seine bisher zwei Kriminalromane gefunden.

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Für Die Farm wurde er 2014 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.Sein neuer Roman Die Mauer ähnelt in der action- und zeitverknappten Erzählweise und im Setting an den Erstling. Auch hier konzentriert sich die Handlung auf einen engen, überschaubaren Raum. Doch es ist keine belagerte Farm. Der Kreis ist quasi umgekehrt geschlossen. Auf der Suche nach einem Kommilitonen, der ihm bei einer Autopanne helfen soll, gerät Moses in die Falle einer ummauerten Gated Community, übrigens in East London, wo Annas gelebt hat. Seine Suche nach Hilfe führt zur Kettenexplosion der sozialen Kräfte und Widersprüche Südafrikas: Zwei weiße Wachleute, weitere Security, Polizei, ein Diebespärchen, etliche Einwohner und zwei Mörder beschießen sich im Hexenkessel der Wohlanständigkeit. Mein möglicherweise ungenauer bodycount: 12 Tote und ein Hund.

„Max Annas Thriller ist hinreißend elegant konstruiert und leichtfüßig, aber nicht leichtgewichtig, ist lakonisch erzählt, ein bisschen sarkastisch. An keiner Stelle macht Annas den Rassismus, der eigentlich ja die fatalen Verwicklungen in Gang setzt, mit erhobenem Zeigefinger zum Thema – und doch ist eben dieser Rassismus durchgängig das Thema. Bis zum überraschenden, furiosen Showdown, bei dem die Hautfarbe alles entscheidet.“ (Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau)

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste August finden Sie weitere drei Titel: Insgesamt sind es diesmal 1 dänischer, 1 brasilianischer und 1 amerikanischer mit insgesamt 1136 Seiten.
Neu sind:

Auf Platz 6: Bedrängnis von Jesper Stein
„Mich hat es gelockt, diesen Mann bis ganz nach unten zu treiben, bis zu dem Punkt, an dem die Leser ihm nicht mehr folgen und ihn als Helden fallen lassen.“ Jesper Stein über seinen Protagonisten Axel Steen, mit dem er ein bisschen seelen- und ein bisschen namensverwandt zu sein scheint. Im dritten Roman des 1965 geborenen ehemaligen Kriegsberichterstatters und Kulturjournalisten ist Axel beinahe am Ende: einsam, sexbesessen, gedemütigt, voller Sehnsucht nach einer Tochter, die er durch jede Line, die er sich reinzieht, weiter zu verlieren droht. Nur seine Wut auf die Verbrecher, in diesem Fall Drogenboss Moussa und seine Hintermänner, lässt ihn Verrat und Demütigung ertragen. Harter Stoff.
Historischer Hintergrund sind die Bandenkämpfe zwischen Bikergangs, Russen und Nordafrikanern; der unübersetzbare dänische Titel „Akrash“ ist arabisch beeinflusster Slang für „Bullen/Cops“.

„Nirgends wird die soziale Entwicklung eines Stadtviertel (Steins eigener, von der Gentrifizierung überholter Kiez um den Blågårds Plads), die psychologische Entwicklung eines Charakters und die Explosion der kriminellen Energie in einer Gesellschaft so eng geführt wie in den Steen-Fällen. Zehrt gewaltig an den Nerven. Raubt einem die Luft. Lässt einen ziemlich kalt. Zuviel Blut tut auch nicht gut.“ (Elmar Krekeler, DIE WELT)
Ein Porträt von Jesper Stein gibt es hier: www.recoil.togohlis.de/jesper-stein-bedraengnis

Auf Platz 7: Trügerisches Licht von Patrícia Melo
Mehrdeutig spielt der portugiesische Titel des zehnten Kriminalromans von Patrícia Melo – wörtlich: „Irrlicht“ – auf den gleichnamigen Roman Drieu la Rochelles und die Welt von Glamour und Reality-Shows an, in der das Ex-Margarine-Model Fábbio Cássio und sein gieriger weiblicher Anhang auf- und untergehen. Der Fall ist klassischer Whodunnit: Erstmals am Ziel seiner Wünsche, dem Theater, erschießt sich Fábbio auf offener Bühne und löst eine verzwickte Suche nach den Mördern und Motiven aus. Zentrale Ermittlerin ist die Kriminaltechnikerin Azucena Gobbi, die dem moralischen Zerfall um sie herum (betrügerischer Ehemann, Inkompetenz, Unterschleif, anwachsendes Verbrechen etc.) ihren professionellen Moralismus entgegenstellt. Erstaunlicherweise erfolgreich. Melo hat ihren ersten „echten Kriminalroman“ (Selbstauskunft) so angelegt, dass die Heldin zur Serienfigur werden kann.

Auf Platz 10: Die himmlische Tafel von Donald Ray Pollock
Auf der Welle hervorragender amerikanischer Romane, die die gewalttätige Vergangenheit der USA thematisieren, schwimmt Pollocks himmlische Tafel in jeder Hinsicht oben: Witzig, tiefgründig, anspielungsreich, mehrdeutig und erbarmungslos, wie das Leben in Armut, Bigotterie und Unbildung, das er darstellt. Amerika kurz vor Eintritt in den Ersten Weltkrieg: Kaum jemand weiß, wo dieses Deutschland überhaupt liegt, aber Krauts oder solche, deren Namen nur nach Kraut klingen, werden zusammengeschlagen und müssen echten Amerikanern die Stiefel lecken. Vordergründig eine traditionelle Westernstory von drei Brüdern, die durch die Umstände zu gejagten Gangstern werden, ist Die himmlische Tafel eine erschütternde, komische Sammlung von Porträts – den Fotografien Walker Evans aus der Depression vergleichbar – von Armen, Geschundenen, Verrannten, Spinnern und Mördern. Und, wie ein amerikanischer Kritiker feststellte, ein literarischer Diskurs darüber, was relevante Literatur ist. Er verglich Pollocks historische all american novel zu Recht mit Huckleberry Finn.
„Gespickt mit Wissen um menschliche Sehnsucht, voll bitterer Komik und getragen von einer skeptischen Moralität, die beim Fressen beginnt.“ (Tobias Gohlis, DIE ZEIT)

Unser Dauerchampion: Zum dritten Mal steht Olen Steinhauer mit Der Anruf auf der KrimiZEIT-Bestenliste.

Die KrimiZEIT-Bestenliste Juli wird am 4.8.2016 in der Wochenzeitung DIE ZEIT, auf ZEITonline unter www.zeit.de/krimizeit-bestenliste und im Nordwestradio veröffentlicht, am Donnerstag, den 4.8.2016 gegen 9.20 live mit Tobias Gohlis und in den Sendungen der „Buchpiloten“, nachzuhören unter www.radiobremen.de/nordwestradio/serien/krimizeit/bestenliste100.html

Die aktuelle KrimiZEIT-Bestenliste finden Sie als Download unter http://www.togohlis.de/download/KrimiZEIT_Bestenliste_August_2016.pdf

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