Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Eine leise Sensation“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Mehr Vorstellung als Wille“: Helmut Walser Smiths neues Buch Deutschland und die Frage, was es heißt, deutsche Geschichte zu schreiben. “

    Dies ist ein Buch, das sich leicht und schön liest, aus dem man aber nicht leicht klug wird. Es ist voller anschaulicher Schilderungen und entzückender Details, aber man kann lange rätseln, wofür genau sie da sind und was sie zeigen sollen.“

    Helmut Walser Smith, Deutschland. Geschichte einer Nation (aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn; Verlag C.H. Beck)
  • „Gier nach Nähe“: Nutznießer der Einsamkeit: Colin Niels Krimi Nur die Tiere. „Die Kunst dieses Autors ist es, die Bekenntnisse seiner fünf Erzählerfiguren nicht im Widerspruch zu ihrer Wortkargheit stehen zu lassen, zu ihrer Verschrobenheit, zu ihrer Unkenntnis dessen, was außerhalb ihres eigenen engen Blickfeldes vor sich geht.“

    Colin Niel, Nur die Tiere (aus dem Französischen von Anne Thomas; Lenos Verlag)

  • „Revolution aus der Zukunft“: Husch Josten erzählt in Eine redliche Lüge wie aus sozialen Brüchen nach Jahrzehnten Legenden, Romane und Filme werden. „Der Traum ist die Realität, heißt es zu Beginn des Buches. Nicht dieses Buches, des Romans von Husch Josten, Eine redliche Lüge, sondern des Buchs, um das dieser Roman kreist. (…) Der deutsche Franzose heißt das Buch im Buch. Es war das erste der französischen Erfolgsautorin Margaux Leclerc, und es war ganz anders als all ihre weiteren.“

    Husch Josten, Eine redliche Lüge (Berlin Verlag)

 

  • „Vom Aufhören“: Der Soziologe Harald Welzer erklärt im Nachruf auf mich selbst, warum die Tatsache der individuellen und globalen Endlichkeit
    dringend in die gesellschaftspolitische Debatte gehört. „Offensichtlich hat dem Soziologen Welzer das eigene Studium die Lust genommen, auch gesellschaftliche Strukturen in den Blick zu nehmen. (…) Den „Nachruf
    auf mich selbst“ zu lesen, lohnt sich trotzdem. Denn nicht nur, was drin steht, regt zum Weiterdenken an. Sondern sogar auch das, was fehlt.“
    Harald Welzer, Nachruf auf mich selbst (S. Fischer)

 

  • „Erklär uns die jungen Kollegen“: Zwischen Lebenden und Toten: In ihrem Roman Weiße Nacht schickt die südkoreanische Autorin Bae Suah eine Studentin durch die kafkaeske Stadt Seoul. „Der Roman mutet wie ein verschriftlichtes Gemälde Salvador Dalís an. Am Anfang ist der Leser noch versucht, sich an bestimmten Orten und Protagonisten festzuhalten. Doch immer dann, wenn man denkt, endlich wieder in der linearen Erzählung angekommen zu sein, zerschlägt Bae die Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Realität und Gedankenwelt.“
    Bae Suah, Weiße Nacht (aus dem Koreanischen von Sebastian Bring; Suhrkamp Verlag)
  • „Diese Frau war alles andere als hilflos und verzweifelt“: Von wegen Haushaltslieschen und Dienstmagd: Eberhard Spree sichtet historische Quellen und legt eine erhellende Biographie über Anna Magdalena Bach vor. „Dass Sprees Darstellung etwas spröde daherkommt, macht der Autor durch die vorsichtige Argumentation wieder wett, die allein die Quellen sprechen lässt. Und wo diese nichts zu sagen haben, schweigt auch er sich aus und hält sich mit Spekulationen zurück. Sein Buch ist daher eine leise Sensation, aber wie auch in der Musik sind es oft die leisen Töne, die am meisten bewegen.“
    Eberhard Spree, Die Frau Capellmeisterin Anna Magdalena Bach. Ein Zeitbild (Kamprad Verlag)
  • „Als Einsamkeit noch keine Schande war“: Olivier Rolins Port Sudan erinnert an die Zeit, in der Frankreich seine Macht den Kaufleuten übergab. „Doppelbödige Erzählhaltungen und die Kontextualisierung des eigentlichen Schreibvorgangs sind für Rolin seit jeher literarische Spielbälle, mit denen er akrobatisch zu jonglieren versteht.“
    Olivier Rolin, Port Sudan (aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller; Liebeskind Verlag)
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