Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: Amüsante Liedtextsammlung mit subtilem Charme

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Wenn im Körper Chaos herrscht“: Bettina Wilpert geht mit ihrem Roman Herumtreiberinnen ein heißes Eisen literarisch an: Die Zwangseinweisung von Frauen in DDR-Kliniken wegen angeblicher Geschlechtskrankheiten. „Ihr Roman holt die Demütigungen und Traumatisierungen, die Frauen und Mädchen in der DDR durch ein politisch in Dienst genommenes ‚Gesundheitswesen‘ zugefügt wurden, aus der Schweigezone. Eine geglückte literarische Bearbeitung dieses Komplexes steht noch aus.“
    Bettina Wilpert, Herumtreiberinnen (Verbrecher Verlag)
  • „Die Diktatur der Beleidigten“: Die Kritiker von Salman Rushdie berufen sich auf die Verletzung ihrer religiösen Gefühle. Das ist aber nur ein Deckmantel für ihre eigenen Herrschaftsinteressen. „In den meisten mehrheitlich islamischen Ländern wird die Einhaltung islamischer Regeln entweder gesetzlich vorgeschrieben oder für so selbstverständlich gehalten, dass sozialer Druck ihre Einhaltung erzwingt. Dieser Entwicklung in demokratischen pluralistischen Ländern in ihren Anfängen entgegenzutreten erscheint heute als eine der dringenden Aufgaben. Fanatiker haben es an sich, die Grenzen immer weiter nach vorn zu schieben, wenn wir diese nicht verteidigen.“
  • „Rund um die Uhr gegen die Arbeitsagentur“: Carsten Friedrich legt eine amüsante Sammlung von Liedtexten vor: Später kommen, früher gehen. „‚Später kommen, früher gehen‘ dürfte Friedrichs der Unsterblichkeit kaum sonderlich nä­herbringen, entwickelt aber durchaus subtilen Charme. Das liegt allerdings weniger an den mitunter arg ka­lauernden, auf eng­lische Lieblingssongs referierenden Liedtexten. Sondern mehr an den kurzen Kommentaren und längeren Geschichten, die Friedrichs seinen Lyrics beigefügt hat.“
    Carsten Friedrichs, Später kommen, früher gehen. Ausgewählte Songtexte (Ventil Verlag)
  • „Unterm Pflaster ruht der Bagger“: Caroline Knowles hat einen Stadtführer durch die Londoner Welt der Superreichen geschrieben. „Knowles analysiert wenig, sie erwähnt nebenbei, dass alles 1986 mit dem sogenannten Big Bang begann, als Margaret Thatcher den Finanzmarkt deregulierte. Auch die kurzen Erläuterungen, welche Rolle die Entstehung von Hedge Fonds, Private Equity Firmen und deren Algorithmen in der zunehmend ungleichen Verteilung von Reichtum spielten, bleiben vage.“
    Caroline Knowles, Serious Money. Walking Plutocratic London (Allen Lane/Penguin Books)

  • „‚Es war ein traumatisches Ereignis'“: Die deutschen Verlage und die Fatwa. „Als der iranische Ayatollah Chomeini 1989 eine Fatwa gegen Salman Rushdie aussprach, die auch alle betraf, die an der Verbreitung der Satanischen Verse beteiligt waren, bereiteten sich auch Buchverlage in aller Welt auf das Schlimmste vor. Helge Malchow war zu dieser Zeit Lektor bei Kiepenheuer & Witsch, bevor er den Verlag von 2002 bis 2018 leitete. Heute ist er dort Editor-at-Large.“
  • „Der sanfte Förderer“: Salman Rushdie kennt immer die richtigen Zaubersprüche – gegen Verlegenheit, gegen Furcht, gegen Schreibkrisen. Er muss sein Leben in Sicherheit zurückbekommen. Von A. L. Kennedy. „Zuletzt traf ich Salman vor einer Veranstaltung. Er kam mir tief entspannt vor. Während wir an diesem angenehmen Ort warteten und ein höfliches Publikum sich einfand, fragte ich ihn nach seinem Leben. Seine Antwort war pragmatisch und voller Widerstandskraft, aber mit einem Schatten von Trauer – als ob er ein glückliches Land gekannt hätte, das er verlassen musste. Als ob er vielleicht einmal unschuldig gewesen sei.“
  • „Zu nah“: Ist es schon Zeit für die künstlerische Verarbeitung der Pandemie? „Das Problem des Romans ist, dass sich Autorin und Verlag zu sehr auf die Wirkkraft des einst neuen Phänomens Pandemie verlassen, das inzwischen allen zum Hals raushängt. Darüber hinaus wurde vom Lektorat recht großzügig darüber hinweggesehen, dass Ruth Herzberg jenseits ihrer zweifellos oft pointierten Beobachtungen in Die aktuelle Situation überhaupt keine Geschichte zu erzählen hat.“

    Ruth Herzberg, Die aktuelle Situation (Mikrotext)

 

  • heute nichts
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