Umgeblättert Umgeblättert heute: „Die Geschichte der kunsthistorischen Populärliteratur“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Ein getuschtes Leben“: Am Sonntag wäre Tomi Ungerer 90 Jahre alt geworden. Sein lebenssattes Werk ist jetzt in einer Hamburger Ausstellung zu sehen: Sie lässt ahnen, welche Schätze sein Nachlass noch birgt.
  • „Die Arbeit der Dinge am Menschen“: Der Kulturhistoriker Wolfgang Schivelbusch wird 80. „Schivelbusch, der heute 80 Jahre alt wird, bekleidete nie akademische Positionen, sondern finanzierte sein Privatgelehrtentum ausschließlich mit Stipendien, Projektförderungen und auch Unternehmensaufträgen. So liegt auf seinen glänzend geschriebenen Büchern nicht der Mehltau der universitären Beamtenwissenschaft.“

 

  • „Die Technik und die Geister des Jahres 2040“: Alain Damasios ausufernder Roman Die Flüchtigen blickt in die nahe Zukunft einer ‚liberrepressiven Gesellschaft‘. „Stellenweise liest sich das zäh, ein ermüdendes Klein-Klein von technischen Details und strategischen Winkelzügen in spröder Ausführlichkeit. Eine erhebliche Straffung der sich einfach nicht rechtfertigenden 800 Seiten hätte diesem Brocken, zu dessen formalen Mitteln auch die fiktive ‚Dokumentation‘ von Fernsehkommentaren und Zeitungsberichten gehört, zum Besseren gereicht.“
    Alain Damasio, Die Flüchtigen (aus dem Französischen von Milena Adam; Matthes & Seitz)

 

  • „Die fetten Jahre sind vorbei“: Monika Grütters geht, die Grünen bekommen das Amt der Kulturstaatsministerin. Was bedeutet das für die Kulturpolitik? „Weniger vielversprechend ist die Aussicht auf eine parteipo­litische Kluft zwischen Kanzler und Kulturressort. Grütters konnte sich im Zweifelsfall immer auf die Rückendeckung von Angela Merkel verlassen. Die neue Kraft wird dagegen nicht mehr automatisch mit der Unterstützung ihres Chefs rechnen können.“
  • „In Farbe für das große Publikum“: Was Panofsky kaum, doch Rilke sehr gefiel: Friederike Kitschen dokumentiert die Geschichte der kunsthistorischen Populärliteratur. „Einerseits wird plakativ, mitunter auch umgangssprachlich formuliert (’neue Stars in Farbe‘, ‚verrückt nach Biographien‘), andererseits rechnet das Buch mit Leserinnen und Lesern, die dem Gegenstand in großer Detailauflösung folgen wollen und auch Zitate aus dem Französischen pro­blemlos im Original lesen.“
    Friederike Kitschen, Als Kunstgeschichte populär wurde. Illustrierte Kunstbuch-serien 1860–1960 und der Kanon der westlichen Kunst (Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft)
  • „Auch in Zweibrücken rief der sozialrevolutionäre Kampf“: Zwischen Kaserne und Campus: Pablo Schmelzer untersucht die Beziehungen der 68er-Bewegung zur Black Panther Party. „Schmelzers Sprache allerdings durchkreuzt die guten Absichten, eine Erfahrungsgeschichte zu schreiben, die sich aus dem Alltag und der Lebenswelt der Akteure speist. Sie verdichtet sich in Aussagen wie, dass diskursiv erzeugte Narrative und narrativ entstandene Diskurse in Strategien und Reflexionen eingeschrieben sind, die Protestdynamiken synchronisieren und Aushandlungsprozesse zwischen transnationalen Räumen strukturieren. “
    Pablo Schmelzer, Black and White, unite and fight. Die deutsche 68er-Bewegung und die Black Panther Party (Hamburger Edition)
  • „Verlusterfahrungen des Fortschritts“: Reaktionär ehrenhalber: Wolfgang Schivelbusch lässt sich zu seiner intellektuellen Biographie befragen. „„Die andere Seite“ ist ein in vieler Hinsicht nostalgisches Buch, allerdings weniger in dem Sinne, dass sich darin durchweg eine Sehnsucht nach guten alten Zeiten Bahn brechen würde. Manchmal ist das schlichte Gegenteil der Fall, zumindest wenn es Schivelbusch um seine persönliche Geschichte geht.“
    Wolfgang Schivelbusch, Die andere Seite. Leben und ­Forschen zwischen New York und Berlin (Rowohlt Verlag)
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