Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Die Kunst der Modellierung von Sprache, der Charakterisierung der Figuren durch die Tonlagen ihres Erzählens“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „In einem anderen Dort“: Von fünf- und sechszackigen Sternen und siebenarmigen Leuchter: Leonid Zypkins Erzählung über sowjetischen Antisemitismus. „In atemlosen, gleichsam fieberhaft angetriebenen Sätzen vermischen sich im Buch kafkaeske Erlebnisse aus dem grotesken kommunistischen Alltag und dem unerfüllbaren Wunsch, ihm zu entkommen, mit einer großen Erzählung über die Verfolgung und Ermordung von Juden und Armeniern.“
    Leonid Zypkin, Die Winde des Ararat (aus dem Russischen von Susanne Rödel; Aufbau)
  • „Im Alleinsein sind wir nicht allein“: Reisen zu den Scheitelpunkten des Glücks: Keiichirō Hirano führt mit seinem Roman Das Leben eines Anderen ins Labyrinth der japanischen Gegenwartsgesellschaft. „Der in Japan 2018 erschienene Roman Das Leben eines Anderen von Keiichirō Hirano erzählt vom Menschheitstraum, die eigene leidige Existenz gegen ein besseres Ich einzutauschen. Er erzählt auch von Ideen der Selbstoptimierung, von Schein und Schizophrenien im modernen Alltag. Und von der Suche nach Blaupausen des Glücks.“
    Keiichirō Hirano, Das Leben eines Anderen. Roman (aus dem Japanischen von Nora Bierich; Suhrkamp)
  • „Wie man sich vor Nasenbluten und Maulwürfen schützt“: Guter Rat ist magisch: Johann Wallbergs Sammlung natürlicher Zauberkünste erscheint in einer neuen Edition. „Wallbergs Buch ist anarchisch. Ständig oszilliert es zwischen Quacksalberei und der Vermittlung von tatsächlich nützlichem Wissen. Es ist ohne System und schwergängig in seiner Sprache. Wer sich darauf einlässt – und sei es bloß durch zielloses Blättern und Stöbern in den meist kurzen Texten –, wird gleichwohl belohnt.“
    „Johann Wallbergens Sammlung Natürlicher Zauberkünste“ (hrsg. von Christoph Döring; Die Andere Bibliothek)

  • „Rosen für den Weltfrieden“: Zum ersten Mal erscheint eines ihrer Bücher auf Deutsch: Andrea Tompas großer Roman Omertà über Liebe, Schweigen und Opportunismus in der rumänischen Parteidiktatur. Eine staunenswerte Entdeckung. „Bei fortschreitender Lektüre wird klar, dass dieser polyphone Roman nicht nur aus vier Stimmen besteht, sondern vor allem aus dem Schweigen einer fünften, der Erzählerstimme eines zeithistorischen Romans. Es gibt sie hier nicht, es gibt nur die Stimmen der Ich-Erzähler, die sich wechselseitig beleuchten, aber mit sich allein sind, während sie erzählen.  (…) Die große Kunst von Andrea Tompa besteht darin, dass diese Figuren viel mehr über sich und ihre Welt preisgeben, als sie wollen und wissen. Es ist die Kunst der Modellierung von Sprache, der Charakterisierung der Figuren durch die Tonlagen ihres Erzählens.“

    Andrea Tompa, Omertà. Buch des Schweigens (aus dem Ungarischen von Terézia Mora; Suhrkamp)

    („Andrea Tompa und Terézia Mora als Übersetzerin sind mit Omertà für den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt nominiert, dem interessantesten deutschen Literaturpreis. Auf der Shortlist stehen sechs Romane, darunter Can Xues Liebe im neuen Jahrtausend und Adania Shiblis Eine Nebensache. Der Preis wird am Mittwoch, dem 22. Juni, in Berlin verliehen.“)

 

  • „Schäm dich!, ruft die Gegenwart“: Robert Pfallers Zwei Enthüllungen über die Scham geht mit unserer Empfindlichkeit und Ich-Bezogenheit ins Gericht. „Pfaller liefert mit diesen Analysen einen die Augen öffnenden Blick auf die heutige Debattenkultur und die Cancel Culture sowie deren exzessiv moralisierenden, anklagenden und verletzten Unterton. Alleine mit der Betonung des Opferseins, mit dem Beschämen anderer oder mit dem starren Beharren auf einem vermeintlich authentischen und verletzten Ich sind demnach keine emanzipatorischen Erfolge auf so wichtigen Gebieten wie Antirassismus oder Feminismus zu erzielen.“
    Robert Pfaller, Zwei Enthüllungen über die Scham (S. Fischer)
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