Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Dieses Buch wirkt wie aus der Zeit gefallen, dennoch nimmt man es mit Freude in die Hand und liest darin, allerdings mit wachsender Wehmut“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Die ganze Frida“: Endlich ein Band mit allen Gemälden der mexikanischen Künstlerin. „Was dieses monumentale Buch besonders auszeichnet, ist das – zum ersten Mal, soweit jedenfalls ersichtlich – vollständige Verzeichnis der Gemälde. Darin sind auch die verlorenen Bilder dokumentiert in Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Jedes der insgesamt 152 Werke ist mit einer ausführlichen Beschreibung versehen und in den Schaffenszusammenhang eingeordnet. Dieser Katalog ist außerordentlich verdienstvoll.“
    Luis-Martín Lozano (Hrsg.), Frida Kahlo: Sämtliche Gemälde (Texte von Andrea Kettenmann und Marina Vázquez Ramos; Taschen Verlag)
  • „Da bleibt keiner dem anderen fremd“: Weichgezeichnet in aufklärerischer Absicht: Bijan Moini wirbt eindringlich für das deutsche Rechtssystem. „Einführungen in das deutsche Recht gibt es viele. Keine aber ist so begeistert von ihrem Gegenstand wie das Buch des Juristen und Politologen Bijan Moini. Es ist keine bloße Darstellung unseres Rechtssystems, sondern eine Werbung, mitunter nahezu eine Liebeserklärung.“
    Bijan Moini, Unser gutes Recht. Was hinter den Gesetzen steckt (Hoffmann und Campe Verlag)
  • „Imperiales Handeln“: Hartwin Brandt über die römische Kaiserzeit. „Die Einleitung pflegt innerfachliche Nabelschau und dürfte manche Leser ratlos zurücklassen. Anstatt die welthistorische Stellung der römischen Kaiserzeit zu umreißen, die nach einem Wort von Ludwig Curtius wie ein riesiger Klotz, an dem niemand vorbeikommt, mitten in der Geschichte steht, oder auch die strittigen Akzentuierungen des postkolonialen Ansatzes aufzugreifen, bewegt sich Brandt im Kreis althistorischer Fachdebatten und sucht die in der deutschen Forschung zuletzt prominenten Deutungsmuster madig zu machen.“
    Hartwin Brandt, Die Kaiserzeit. Römische Geschichte von Octavian bis Diocletian (C. H. Beck Verlag)
  • „Schwierige Urteile“: Florian Steger präsentiert antike Texte zur Medizin. „Für Grundsätze ausgewogener Lebensführung, gesunder Mischernährung und Wahrung des psychosomatischen Gleichgewichtes bedarf es keiner modischen Naturheilkunde. In der antiken Humoralpathologie und Temperamentenlehre seit dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert ist längst festgehalten, was für die Balancierung des Lebens durch Licht und Luft, Speise und Trank, Arbeit und Ruhe, Wachen und Schlafen, Aufnahme und Ausscheidung, Anregung und Zerstreuung des Gemüts notwendig ist.“
    Florian Steger, Antike Medizin. Einführung und Quellensammlung (Anton Hiersemann Verlag)

  • „Bleierne deutsche Zeit“: Hari Kunzrus und Jonathan Lethems neue Thriller haben etwas gemeinsam: den Wannsee. „Lethems Anatomie eines Spielers ist eine seiner leicht absurd turbulenten Geschichten, wie Motherless Brooklyn eine war oder Die Festung der Einsamkeit, die sich dieses Mal aus Berlin über Singapur und Kalifornien in eine weltgewandte Action-Fabel über die Farce jeder Flucht vor sich selbst katapultiert. Kunzrus „Red Pill“ fügt sich wiederum in die Reihe seiner Bücher wie White Tears und Götter ohne Menschen, die zeitgenössische Sozialkritik in einen magischen Realismus packen, mit dem er die Leitartikel-Halbwertszeit so vieler politischer Romane vermeidet.“

    Hari Kunrzu, Red Pill (aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence; Liebeskind Verlag)

    Jonathan Lethem, Anatomie eines Spielers (aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach; Tropen)

  • „Warmherzige Gelehrsamkeit“: Suhrkamp hat die große Jesus-Biografie des jüdischen Gelehrten Joseph Klausner neu aufgelegt. „Dieses Buch wirkt wie aus der Zeit gefallen, dennoch nimmt man es mit Freude in die Hand und liest darin, allerdings mit wachsender Wehmut.“
    Joseph Klausner, Jesus von Nazareth. Seine Zeit, sein Leben und seine Lehre (Hrsg. von Christian Wiese; Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag)

  • „Die Worte aus dem Mund ziehen“: Dilek Güngör misst ihren Abstand zur Generation der Gastarbeiter. „Es gibt eine wachsende Gruppe deutschsprachiger Erzählerinnen und Erzähler, die mit ihren literarischen Arbeiten stückweise die vielfältige Realität des Einwanderungslandes Deutschland zusammensetzen. Das ist schön, denn Literatur wird zwar individuell erlebt, kann beim Lesen zusammenbringen.“
    Dilek Güngör, Vater und ich. Roman (Verbrecher)
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