Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Ein Parforceritt also durch mehrere Kontinente“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Zum höheren Lob des Alphabets“: Was es heißt, sich in Büchern zu orientieren: Dennis Duncan schreibt eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Geschichte der Register. „Duncans Buch ist keine wissenschaftliche Darstellung, sondern eine unterhaltsame und anregende Plauderei anhand einiger Beispiele aus dem Reservoir der englischen Literatur- und Gesellschaftsgeschichte. Leichthin navigiert er von Samuel Richardson zu Arthur Conan Doyle und von Vladimir Nabokov zu Lewis Carroll.“

  • Dennis Duncan, Index, eine Geschichte des. Vom Suchen und Finden (aus dem Englischen von Ursel Schäfer; Antje Kunstmann Verlag)

„Darin steckt auch Beifall fürs Taschenbuch“: Man muss schon wissen, warum man darauf besteht, einige grundlegende Dinge nicht zu wissen: Eine kleine Schrift Voltaires in einer neuen deutschen Übersetzung. „‚Wer bist du? Woher kommst du? Was tust du? Was wird einmal aus dir?‘ Diesen Fragen wird sich niemand verschließen können. Voltaire stellt sie an den Beginn einer kleinen philosophischen Untersuchung, um den Leser für sich zu gewinnen, der den Gedanken an seine Herkunft mit dem ganzen Lebensvollzug und seiner Endlichkeit in Verbindung bringen will.“

  • Voltaire, Der unwissende Philosoph (aus dem Französischen von Ulrich Bossier, Nachwort von Tobias Roth; Reclam Verlag)

„Eine Schule der Kritik“: Mitteleuropäische Eleganz trifft amerikanischen Individualismus: Peter Demetz’ literarische Essays. „In stilistischen Fragen – des Formulierens, Denkens und Argumentierens – erweist sich Demetz als Skeptiker reinsten Wassers. Wo er einen literaturkritischen ‚Schwell-Stil‘ ausmacht, setzt er umstandslos die Nadel an.“

  • Peter Demetz, Was wir wiederlesen wollen. Literarische Essays 1960–2010. (hrsg. von Meike G. Werner; Wallstein Verlag)

„Solche Geschichten kennen wir“: Michael Uhls brillante Biografie von Betty Rosenfeld. „Michael Uhl hat mehr getan, als Betty Rosenfeld und ihren ermordeten Verwandten und Freunden ein Denkmal zu setzen. Er hat uns noch einmal die ganze gottverdammte jüdisch-europäisch-linksradikale Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor Augen geführt – und deshalb lohnt es sich, alle 600 Seiten zu lesen, in aller Detailfreude und Kleinteiligkeit: Denn danach hat man noch einmal besser verstanden, was man eigentlich schon längst zu wissen glaubte.“

  • Michael Uhl, Betty Rosenfeld. Zwischen Davidstern und roter Fahne. Biografie (Schmetterling-Verlag)

„Wut und Fürsorge“:Die Härten der Sorgearbeit: In Maren Wursters Roman Eine beiläufige Entscheidung scheitert eine Frau an ihrer Mutterrolle. „Eine beiläufige Entscheidung gehört zu einer Literatur der Sorge, die in den vergangenen Jahren hervorgetreten ist und deren Vertreterinnen (nein, keine Vertreter) sich unter anderem in dem Kollektiv writing with care/rage zusammengeschlossen haben.“

  • Maren Wurster, Eine beiläufige Entscheidung. Roman. (Hanser Berlin)

„Sie sind mit ihrem Überleben beschäftigt“: Abdulrazak Gurnah erzählt in seinem jüngsten Roman Nachleben erneut vom deutschen Kolonialregime in Ostafrika. „Abdulrazak Gurnahs Romane öffnen Türen in eine Vergangenheit, mit der sich alle einstigen Kolonialisten-Länder noch kaum auseinandergesetzt haben. Sie sind, wie gesagt, dabei erstaunlich nüchtern im Stil. Aber auch – gerade durch ihre Nüchternheit – das, was man zugänglich nennt. Und reduzieren trotzdem nicht die gesellschaftliche und politische Komplexität dieser Welt.“

  • Abdulrazak Gurnah, Nachleben. Roman. (a. d. Engl. von Eva Bonné; Penguin Verlag)

„Raus hier, egal wie“: Maggie Shipstead entwirft in Kreiseziehen die packenden Biografien zweier Frauen, die unbedingt ihre Freiheit wollen. „Kreiseziehen, das im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den Booker Prize und in diesem auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction stand, ist das dritte Buch der US-Autorin, ein knapp 900 Seiten starkes, aus wechselnden Perspektiven erzähltes Werk, so bunt und üppig wie ein Blumengarten. Maggie Shipsteads Fabulierlust entführt uns nach Montana, nach Hollywood, in die Eiswüsten der Antarktis, nach Alaska, Hawaii und nach Großbritannien, wo Marian während des Zweiten Weltkriegs für die britische Air Transport Auxiliary Kampflugzeuge fliegt. Ein Parforceritt also durch mehrere Kontinente.“

  • Maggie Shipstead, Kreiseziehen. Roman. (a. d. Engl. v. Harriet Fricke, Susanna Goga-Klinkenberg, Sylvia Spatz; dtv)
Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.