Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Ein virtuos sich quälendes Paar“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

  • „Das geliehene Brot der Toten“: Wo Mann und Frau nicht zum Spielen zusammenkommen: In ihrem Roman Weiße Rentierflechte schildert Anna Nerkagi das Leben der Nenzen. „Die Stellung der Autorin als Mittlerin zwischen den Welten bildet sich auch im Roman ab. Sie ist weit entfernt davon, das Nomadenleben zu verklären; den Segen, den die Kolchose „Roter Norden“ für die in der Nähe herumziehenden Nenzen bedeutete, solange die Einrichtung deren traditionelle Lebensweise unterstützte, beschreibt sie ebenso wie die Verheerungen, die sich einstellen, als das nicht mehr der Fall ist.“
    Anna Nerkagi, Weiße Rentierflechte (Verlag Faber & Faber)
  • „Lieben Sie Lermontow?“: Sein Roman Ein Held unserer Zeit ist ein Eckpfeiler der russischen Literatur: Menno Aden jedoch porträtiert den russischen Dichter in dessen Poemen. „Was Menno Aden in die Waagschale werfen kann, ist seine Kenntnis von Lyrik. Andere literarische Formen zitiert er weniger souverän. Der Liebe zur Lyrik gesellt Aden die Vorliebe zum Zitieren aus seinem eigenen Puschkin-Band hinzu, ansonsten verzichtet er weitgehend auf literaturwissenschaftliche Quellen. Ohne Kommentare hätte die Ausgabe also vermutlich gewonnen.“
    Menno Aden, Lermontow – Russlands unvollendeter Dichter (Wbg Academic)
  • „Schreie in die Nacht, in Sturm und Sturzflut“: Illusionslos: Chaim Grades jiddische Geschichten. „Grade schrieb für seine Leute. Es fehlt alles versöhnend Humoristische, das in bekannten ostjüdischen Stoffen wie Tewje der Milchmann von Scholem Alejchem oder in der Komödie Yentl nach einer Erzählung von Isaac Bashevis Singer so stark ist.“
    Chaim Grade, Von Frauen und Rabbinern (Die Andere Bibliothek)

  • „Im Atem Gottes“: Kunstvoll: Der Schwede Johannes Anyuru hat einen Roman über Muslime in Europa geschrieben. „Anyurus raffinierte Schreibpraxis erinnert nicht von ungefähr an das berühmte Abhebespiel, bei dem ein um zwei Hände herum verlaufender Faden immer wieder anders aufgenommen und verschoben wird, sodass neue Muster und Figuren entstehen.“
    Johannes Anyuru, Sie werden in den Tränen ihrer Mütter ertrinken (Luchterhand)
  • „‚Ich leide geduldig'“: Antoine de Saint-Exupéry und seine Frau Consuelo liebten und quälten einander unerbittlich. Jetzt wurden endlich ihre Briefe veröffentlicht. „José Martinez Fructuoso, Consuelos Vertrauensmann und nach ihrem Tod 1979 ihr Erbe, hatte das Material. Die ‚Succession Antoine de Saint-Exupéry‘, ein weltweit tätiges Kleinunternehmen, hatte die Rechte. Nun haben beide Seiten zusammengefunden und eine schmerzliche Lücke des Gedenkens an dieses virtuos sich quälende Paar geschlossen.“
    Antoine de Saint-Exupéry, Consuelo de Saint-Exupéry, Correspondance – 1930-1944 (Gallimard)

  • „In der Zwischenzone“: Die Anthropologin Nastassja Martin reflektiert die Folgen ihres spektakulären Kampfes mit einem Bären. „Auf der Basis ihrer Tagebücher ist Nastassja Martin eine Reflexion gelungen, die beim Lesen unweigerlich dazu führt, auch die eigene Lebensweise zu hinterfragen. Das Raubtier Mensch muss seinen eingeschlagenen Weg korrigieren.“
    Nastassja Martin, An das Wilde glauben (Matthes & Seitz)
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