Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Eine moderne deutsche Geschichte aus jüdischer Sicht“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Destruktive Turbukenzen“: Khaled Khalifa erzählt in seinem Roman Keiner betetet an ihren Gräbern die jüngere Geschichte Aleppos. „Es mag an der Vielzahl der Roman­figuren liegen, an den häufigen biographischen Brüchen und auch an der großen Zeitspanne, die Khalifa abzudecken versucht, dass die psychologische Aus­gestaltung der Hauptprotagonisten nicht immer ganz gelingt. Als buntes Panorama der untergegangenen vielschichtigen Gesellschaft Aleppos beeindruckt dieser lesenswerte Roman aber allemal.“
    Khaled Khalifa, Keiner betete an ihren Gräbern (aus dem Arabischen von Larissa Bender; Rowohlt Verlag)
  • „Hiob als Schlüsselfigur“: Theodizee-Versuch angesichts der Schoah: Margarete Susmans Buch von 1946 in einer neuen Ausgabe. „Die zentrale Frage von Susmans Hiob jedoch ist und bleibt unlösbar. Seinen historischen Rang hat das Buch als ein früher, vollkommen ungeschützter Versuch, sich der Jahrhundertkata­strophe zu stellen, ohne einzuwilligen in den Verlust des eigenen Glaubens. Bei aller Problematik ist dieser Versuch einzigartig.“
    Margarete Susman, Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes (mit einem Nachwort von Elisa Klapheck; Jüdischer Verlag)
  • „Ich könnte mich nur dem Messer überlassen“: Weiblich ihrer selbst bewusst: Die syrische Schriftstellerin Shahla Ujayli versucht sich an einem in der arabischen Literatur seltenen Frauenporträt. „Der Roman Unser Haus dem Himmel so nah ist lang, zu lang. Voller Passagen, in denen Dinge ausformuliert werden, die Shahla Ujayli besser der Vorstellungskraft ihrer Leser überlassen hätte. Voller Dialoge, die unter der Last der Exkurse in die jüngere und ältere Vergangenheit Syriens jede Spontaneität verlieren und zusammenbrechen.“
    Shahla Ujayli, Unser Haus dem Himmel so nah (aus dem Arabischen von Christine Battermann; Kupido Literaturverlag)

  • „Rechte und Bringschulden“: Enormer Faktenreichtum, kluge Beispiele, elegante Knappheit: Shulamit Volkov hat endlich eine moderne deutsche Geschichte aus jüdischer Sicht geschrieben. „Volkovs Buch vertreibt alle Feierlichkeit aus der nationalen Selbstbetrachtung ohne ins Gegenteil umzuschlagen, eine unterschiedslose apokalyptische Anklage. Der trockene Wind, der hier weht, ist die wahre Luft der Aufklärung.“
    Shulamit Volkov, Deutschland aus jüdischer Sicht. Eine andere Geschichte. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (aus dem Englischen von Ulla Höber; Verlag C.H. Beck)
  • „Das eine große Ding“: Denis Pfabes rasanter neuer Roman Simonelli. „Der Wirbel um die Pistole mit dem Sweetheart-Griff (…) dreht sich unmerklich, bis Pfabe ihn effektvoll beschleunigt. Geschickt splittet er die Handlung in Rückblenden und Parallelmontagen auf und schafft es, sein Personal trotz mancher Klischees glaubhaft zu charakterisieren (…).“
    Denis Pfabe, Simonelli (Rowohlt Berlin)

  • „Der kurze Weg von der Witzfigur zum Genie“: Männlich, weiß und heterosexuell: Annekathrin Kohut entwickelt eine facettenreiche Genealogie des Nerds. „Annekathrin Kohut zeigt in ihrem hochinteressanten Buch, wie popkulturelle Identitätsschablonen die Realität beeinflussen und wie die Realität diese Identitätsschablonen beeinflusst. Sie führt vor, wie eine Sozialfigur über die Jahrzehnte charakteristische Facetten hinzugewinnt, ablegt und sich immer wieder erneuert. Und sie zeigt, wie viel es über den Rest der Gesellschaft aussagt, wenn diese eine Sozialfigur wie den Nerd braucht.“
    Annekathrin Kohut, Nerds. Eine Popkulturgeschichte (C.H. Beck)
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