Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „… einer der wichtigsten Romane dieser Jahre, herausragend in seiner Relevanz und literarischen Qualität“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Pensionsfragen im Granathagel“: Serhij Zhadans wichtiger Vorkriegsroman Internat über die Ostukraine von 2018 liegt jetzt als Hörbuchfassung vor. „Der 1974 in Luhansk geborene, heute in Charkiw lebende Schriftsteller Serhij Zhadan, der im Oktober mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird, ist eine der engagiertesten Stimmen seines Landes. (…) Das Hörbuch profitiert von der präzisen und dunkel-poetischen Übersetzung von Juri Durkot und Sabine Stöhr, die 2018 mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet wurde. So deprimierend das Thema ist – es macht Vergnügen, dieser wirklichkeitsmächtigen Sprache zuzuhören. Allerdings hat der Roman Längen; die Motive wiederholen sich, sodass man als Hörer irgendwann kriegsmüde wird. Eine wohldosierte Kürzung hätte der Audiofassung nicht ge­schadet, sondern die Wirkung verstärkt. Denn zweifellos ist Internat einer der wichtigsten Romane dieser Jahre, herausragend in seiner Relevanz und literarischen Qualität.“

  • Serhij Zhadan, Internat (ungekürzte Lesung mit Frank Arnold; Audiobuch/Steinbach sprechende Bücher)

„Der Puffboss als die belesenste Gestalt im Kiez“: Klaus Sanders Projekt einer ethnologischen Erforschung von Außenseitern setzt er mit Wolli Köhler grandios fort. „Klaus Sander setzt Hubert Fichtes Projekt einer ethnologischen Erforschung von Außenseitern fort. Man hat das einmal eine ‚Archäologie menschlicher Verhaltensweisen‘ genannt, die mit stetigem Interesse ins innere Bergwerk der Psyche vordringt.“

  • Wolli Iserbrook. Klaus Sander zu Besuch bei Wolfgang Köhler (Supposé Verlag)
  • Hubert Fichte. St. Pauli Interviews. (Originalaufnahme Hamburg 1969; Supposé Verlag)

„Frauen und Fragen“: Was sagt uns Françoise Sagans Skandalroman Bonjour tristesse heute? Ein Hörspiel gibt die Antwort. „Es ist eine Stärke der Bearbeitung, dass sie die Divergenzen als Zeichen der Zeit in Sagans Vorlage nicht kaschiert. Damit mag sie feministischen Ansprüchen von heute nicht mehr genügen, dafür lässt es dem Material die Streitbarkeit, die auch Sagan zeitlebens an ihrem Werk duldete.“

  • Françoise Sagan, Bonjour tristesse (Hörspiel; DAV)

„Ich, Julia Engelmann“: Wie ist populäre Poesie eigentlich gemacht? „So fungiert das Hörbuch als Medium der Konzentration und Einfachheit: keine Klangatmosphären, keine musikalische Untermalung, keine Einspieler, nicht einmal inszenierte Dialoge: eine Stunde, dreiundzwanzig Minuten lang Julia Engelmanns Stimme pur: leicht angeraut, ernster Ton, fokussiert lesend. (…) Diese klug in Szene gesetzte Intimität verbindet sich mit dem Anspruch, in einfachen Worten sagen zu können, was den anderen auf den Herzen und Lippen liege, wofür sie aber keine Sprache finden können.“

  • Julia Engelmann, Die Welt mit deinen Augen. Gedichte (gelesen von der Autorin; Hörverlag)

„Der Kontrakt des Dichters“: Er „gibt uns keine Karikaturen, er gibt uns Vollplastiken“: Eine Laudatio von Michael Maar auf Jonathan Franzen zur Verleihung des Thomas-Mann-Preises in Lübeck. „Er hat die simple Grundregel der Literatur verinnerlicht: Schreibe jeden Satz so, daß man den nächsten weiterlesen will. Auch wenn man sich nicht die Bohne interessiert für die moralischen Konflikte einer protestantisch geprägten Pfarrersfamilie in der amerikanischen Provinz der siebziger Jahre.“

Das Politische Buch

„Prophet einer neuen Linken“: Chiara Valentinis Biografie über Enrico Berlinguer spendet Trost kurz vor der Parlamentswahl in Italien. „Das dicht recherchierte und lebendig geschriebene Buch über den legendären KPI-Chef und engagierten Europäer aus der Feder der renommierten italienischen Journalistin Chiara Valentini (Espresso, Panorama) erzählt sehr detailreich die faszinierende Geschichte eines aristokratischen Kommunisten und charismatischen Demokraten (…)“

  • Chiara Valentini, Der eigenartige Genosse Enrico Berlinguer. Kommunist und Demokrat im Nachkriegseuropa (aus dem Italienischen von Klaus Pumberger, Cristiana Dondi und Andrea Bertazzoni; JHW Dietz)

„Augenzeuge des Grauens in der Ukraine“: Der britische Journalist Gareth Jones machte 1933 das Holodomor-Verbrechen Stalins öffentlich. Nun zeichnet eine Biografie sein kurzes Leben nach. „Der 27-jährige Waliser enthüllte das ganze Ausmaß der Katastrophe noch im gleichen Jahr. Das kurze, bewegte Leben des Gareth Jones, Chronist der Hungersnot in der Ukraine, der einen Tag vor seinem 30. Geburtstag wahrscheinlich vom sowjetischen Geheimdienst ermordet wurde, hat der polnische Autor Mirosław Wlekły nachgezeichnet.

  • Mirosław Wlekły, Gareth Jones. Chronist der Hungersnot in der Ukraine 1932-1933 (aus dem Polnischen von Benjamin Voelkel; Osburg-Verlag)

„Das Boot und die große Schuld“: Volker Brauns Gedichtzyklus Luf-Passion bringt die Vielstimmigkeit in Stellung – gegen die Verdrängung des deutschen Kolonialismus. „Noch mehr als die anderen Gattungen ist die Dichtung jedoch dazu imstande, der Vielstimmigkeit auf konzentrierte Weise Raum zu geben. Dem lauten Sprechen einer westlichen Übermacht stellt sie die leise Rede der Ausgelieferten entgegen. Diese poetische Gerechtigkeit wird auch illustrativ unterstützt: Den Text, der in dem Band auf Deutsch und Englisch (Übersetzung: Ann Cotten) vorliegt, ergänzen Bilder der Indigenen, die teils mit roten, blutig anmutenden Pinselstrichen übermalt sind.“

  • Volker Braun, Luf-Passion. Ein Gedichtzyklus (Faber und Faber)
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