Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Habermas’ kleiner Text ist ein großes Lehrstück“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Chinas Wege der Schriftrevolution“: Jing Tsu verbindet Technologie- und Mediengeschichte, Linguistik und biographische Skizzen zu einer Darstellung der Entwicklung des Chinesischen seit dem neunzehnten Jahrhundert. „Bei ihrem Durchgang durch die Etappen der Schriftrevolution zeigt Jing Tsu immer wieder Verbindungen zum wechselhaften Schicksal Chinas im zwanzigsten Jahrhundert, das von militärischer Gewalt, Hungerkrisen, Verfolgung und Flucht geprägt war.“

  • Jing Tsu, Kingdom of Characters. The Language Revolution that Made China Modern (Riverhead Books)

„Statt fester Punkte“: Wolfram Hogrebe spürt in seinem neuen Essaybändchen Ligaturen informellen Bindungen nach. „Der Autor, der die Abschweifung ebenso pflegt wie die assoziative Abkürzung, bezeichnet, was ihn interessiert, auch als ‚Protonormativität‘: Verbindungen und Verbindlichkeiten, die sich gleichsam unterhalb von Recht, Gesetz und institutionellen Regelungen, aber auch von strikt moralischen oder ethischen Verpflichtungen ergeben. In diesem Unterbau des Miteinanders sollen etwa Stimmigkeit, Nachsichtigkeit, Takt, Rücksichtnahme, sogar Zärtlichkeit zu Hause sein.“

  • Wolfram Hogrebe, Ligaturen (Vittorio Klostermann Verlag)

„Und lernte ihn nicht Camilla nach dem Polospiel kennen?“: Ein Biograph mit viel Sinn für Dramatik: Christoph Ribbat schreibt die Lebensgeschichte der Ilse Groß alias Kathrine Talbot. „Dass Ilse Groß alias Kathrine Talbot ein Denkmal gebührt, steht gewiss außer Frage; dass es nicht unbedingt das biographische Subgenre ‚Kompensatorische Huldigung mit künstlerischem Anspruch‘ hätte sein müssen, ebenso.“

  • Christoph Ribbat, Wie die Queen. Die deutsch-jüdische Geschichte einer sehrbritischen Schriftstellerin (Insel Verlag)

heute nichts

„Die neue, erst noch entstehende Öffentlichkeit“: Zu Ein neuer Strukturwandel von Jürgen Habermas. „Habermas’ kleiner Text ist ein großes Lehrstück. Er möchte uns etwas klar machen und konzentriert sich dabei ganz auf dieses eine Problem. Er fokussiert sich also auf die Frage nach den Folgen des neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit für die Demokratie, für die Anstrengung also, möglichst viele Bürger:innen einzubeziehen in den politischen Entscheidungsprozess. Er macht das ganz naiv. So als wisse er nicht, dass, wer fokussiert, die Umwelt aus den Augen verliert. So funktioniert der Wissenschaftsbetrieb. So funktioniert aber die Welt nicht.“

  • Jürgen Habermas, Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik (Suhrkamp)

„Männer, mächtig“: Unter Politikern: Christoph Peters stellt Wolfgang Koeppens Treibhaus nun einen Sandkasten gegenüber. „„Der Sandkasten“ heißt der neue Roman von Christoph Peters, und unübersehbar sind die Anleihen, die der 55-jährige Schriftsteller bei Koeppen nimmt. Seine Figuren sind in Teilen eins zu eins der Realität nachempfunden. Der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist ebenso zu identifizieren wie sein Nachfolger Karl Lauterbach (SPD). Mit dabei sind ferner der FDP-Vorsitzende Christian Lindner und sein Stellvertreter Wolfgang Kubicki. Alle vier bekommen in diesem flüssig dargebotenen Remake ihr Fett weg.“

  • Christoph Peters, Der Sandkasten. Roman (Luchterhand)
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