Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: Javier Marías im Alter von 70 Jahren gestorben

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Sein Herz so weiß“: Er machte die tiefe, reflektierende Literatur bestsellerfähig: Zum Tod des spanischen Schriftstellers Javier Marías. „Der Erfolg in Deutschland – einem Land, in dem seine beiden zuvor veröffentlichten Romane kaum beachtet worden waren – verlieh seiner Karriere Flügel und schuf für eine Zeit lang eine literarische Mode, die man sich heute kaum noch vorstellen kann: Plötzlich las alle Welt komplexe Romane voller literarischer Anspielungen, düsterer Reflexionen und kühner Gedankenabenteuer, in denen es um alte Rechnungen, tote Frauen und immer wieder um klingende Shakespeare-Zeilen ging.“

„Die Motive unserer Zeit“: Dirk von Petersdorffs virtuose Novelle Gewittergäste. „Dirk von Petersdorff ist ein meisterhafter Stimmungsmacher, ein Lyriker, der weiß, wie man die Anbahnung einer Katastrophe mit aufziehenden Wolken und im Wind schwankenden Bäumen vorbereitet.“

  • Dirk von Petersdorff, Gewittergäste. Novelle. (C.H. Beck)

Javier Marías gestorben“: Der spanische Schriftsteller wurde 70 Jahre alt. „Weltweit hat Marías mehr als neun Millionen Bücher verkauft, seine Werke wurden in 46 Sprachen übersetzt. Vor allem in Deutschland war der Madrilene beliebt. Dabei galt der unbequeme Denker lange als schwer verkäuflich, auch in Deutschland. Bis Mein Herz so weiß im Sommer 1996 – rund vier Jahre nach dem Erscheinen der spanischen Fassung – in der TV-Sendung ‚Das literarische Quartett‘ unisono mit Lob überschüttet wurde.“

„Die Verteidigung der Impulsivität“: Manches, was einst skandalös und reaktionär erschien, liest sich heute entspannter: Die Aphorismen von Nicolás Gómez Dávila. „Dass die neue Edition der Notizen des kolumbianischen Schriftstellers Nicolás Gómez Dávila (1913–1994) eine weitere Auseinandersetzung mit dessen Denken ermöglicht, ist sehr zu begrüßen. Aber es gibt dabei auch einen Wermutstropfen. Der Verlag hat es sich leicht gemacht und nochmals das Vorwort von Martin Mosebach aus dem Jahr 2005 sowie das Nachwort von Franco Volpi nachgedruckt, eines Philosophen, der bereits 2009 verstorben war. Stellungnahmen von Schriftstellern und Schriftstellerinnen des Jahres 2022 hätten Gómez Dávila aber eher aus der bleiernen, mittlerweile verstaubten Verehrung herausholen können, die dieser unbedachten Reprise anhaftet und mit der seinem Werk kein Gefallen getan ist.“

  • Nicolás Gómez Dávila, Notas. Unzeitgemäße Gedanken. (a. d. Span. v. Ulrich Kunzmann; Matthes & Seitz)
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