Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Keine Zeile zu viel, keine zu wenig“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Von der Ablösung eines Veteranen“: Bukarests Schicksal wird am Beispiel eines Bauwerks erzählt: Catalin Dorian Florescus Roman Der Feuerturm. „Drei Jahre lang hat Florescu in Bukarest für diesen Roman Material gesammelt und recherchiert. In allen Facetten wollte er die Farben und das Leben der Stadt einfangen. Besonders eindrucksvoll ist, wie er den Untergang der jüdischen Gemeinde in der Stadt sichtbar macht.“
    Catalin Dorian Florescu, Der Feuerturm (C. H. Beck)
  • „Wer singt denn da?“: Walter Zimmermann zieht aus dem Werk Ludwig Wittgensteins Betrachtungen zur Musik. „Natürlich stößt man später auch auf die Aufzeichnungen, die als ‚Betrachtungen zur Musik‘ gelten können, etwa unter den Namen von Komponisten. Das ist ein Weg, dem Musikverständnis eines Philosophen auf die Spur zu kommen, der durchtränkt war von der Wiener musikalischen Kultur am Anfang des vorigen Jahrhunderts; nicht philosophisch relevant in direktem Sinn, aber vielleicht bestimmte ästhetische Prägungen erhellend. Doch in der vorliegenden Anthologie machen sie nur einen bescheidenen Teil aus. Sie stolpert über die Idee einer am Leitfaden der Lemmata hergestellten Vollständigkeit.“
    Ludwig Wittgenstein, Betrachtungen zur Musik (aus dem Nachlass zusammengestellt von Walter Zimmermann; Suhrkamp)
  • „Wen man zum Fressen gern hat“: Senthuran Varatharajahs provozierend brillanter Roman Rot (Hunger) erzählt von Liebe und Kannibalismus. „Die fatale, mitunter kaum zu ertragende ‚menschliche Mechanik‘ geht bei Varatharajah mit einer hochpräzisen Mechanik des Erzählens einher. In diesem Roman herrscht größtmögliche und zudem symmetrische Ordnung. Aus zwei Hälften (A und B) besteht die Erzählung, in jeweils vierzehn Kapitel unterteilt, jedes exakt vier Druckseiten lang. Keine Zeile zu viel, keine zu wenig.“
    Senthuran Varatharajah, Rot (Hunger) (S. Fischer)
  • „Die Kunst der Puppenspielerin“: Mit ihrer Romantrilogie über den Renaissance-Machtmenschen Thomas Cromwell wurde Hilary Mantel weltberühmt. Heute feiert die englische Schriftstellerin ihren siebzigsten Geburtstag.

  • „Wer eine Wahrheit verschläft“: Sätze, die benennen, was ist. Und zwar so, wie man es noch nicht gelesen hat: Mary Ruefle ist die Königin der kurzen und kuriosen Literatur. „Und so könnte man weiter zitieren, immer begeisterter von diesen erst so unscheinbaren Sätzen, die benennen, was ist. Und zwar so, wie man es noch nicht gelesen hat.“
    Mary Ruefle, Mein Privatbesitz (aus dem Englischen von Esther Kinsky; Suhrkamp)
  • „In den Abgründen der Autofiktion“: Von den Tagebüchern seines Mentors Michael Rutschky fühlte sich Marc Degens tief gekränkt. Dann schrieb er ein Buch darüber. „Das schmale Buch, das er nun geschrieben hat, ist aus dem Kränkungspotenzial dieser wenigen Seiten hervorgegangen. Es ist selbst Autofiktion, entlanggeschrieben am Leben des Gekränkten.“
    Marc Degens, Selfie ohne Selbst (Berenberg)
  • „Kritischer Ehrgeiz“: Jacques Berndorf, Pionier des deutschen Regionalkrimis, ist tot. „Berndorf schrieb Regionalkrimis, bevor das Genre seinen Namen hatte und wurde damit zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren. Die Gesamtauflage seiner Bücher soll bei mehr als sechs Millionen liegen.“

 

  • „Die heiße Nadel im Wachs“: Fast nackt, die letzten Texte des Regisseurs Hans Neuenfels, sind in vielfältiger Weise bewegend. „Am 6. Februar 2022 ist der Regisseur, der Theatergeschichte schrieb, in Berlin gestorben. Jetzt erscheinen im kleinen Eisele Verlag letzte Texte von ihm unter dem Titel Fast nackt. In vielfältiger Weise bewegend.“
    Hans Neuenfels, Fast nackt. Letzte Texte (Eisele)
Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.