Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Nicht weniger als ein intellektuell inspirierendes und sprachlich brillantes Stück Literatur“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Orpheus springt auf die Straßenbahn“: Eine Auswahl von Gedichten der legendären Petersburger Poetin Jelena Schwarz in einer Neuübersetzung. „Mit spielerischer Leichtigkeit eignet sie sich biblische und historische Stoffe, antike Mythen und chinesische Legenden an, um sie in eigene, klingende Gebilde umzuformen.“
    Jelena Schwarz, Buch auf der Fensterbank und andere Gedichte (hrsg. und aus dem Russischen von Daniel Jurjew; Matthes & Seitz)
  • „Der Prozess tanzt“: Die polnische Schoa-Überlebende Seweryna Szmaglewskas erinnert sich in Die Unschuldigen von Nürnberg eindringlich an die deutschen Kriegsverbrecher. „Die Unschuldigen von Nürnberg ist zweifellos ein wichtiges Zeitdokument. Es ist aber auch, man darf es nicht verschweigen, ein Buch mit vielen Weitschweifigkeiten und manchen weniger überzeugenden Passagen.“
    Seweryna Szmaglewska, Die Unschuldigen in Nürnberg (aus dem Polnischen von Marta Kijowska; Schöffling & Co.)
  • „Dieses nachschlagaffine Flimmern“: Paul-Henri Campbell rückt in seinem Gedichtband Innere organe dem Körper auf die Haut. “ Mit sicheren Strichen ziehen Campbells Gedichte direkte Traditionslinien von den bildgebenden Verfahren der Tätowierung zu Techniken wie dem Fresko, aber auch zu Holz- und sakralen Goldarbeiten.“
    Paul-Henri Campbell, innere organe. Gedichte (Wunderhorn Verlag)

  • „Traurigkeit im Nudelwasser“: Ihr Erzählungsband Schlachtensee beweist, dass Helene Hegemann die kurze Form beherrscht wie die lange. Und die Oden an das gemischte Gefühl. „Ihre Messung der Durchschnittsamplitude von Ekstasen nimmt die inzwischen dreißigjährige Helene Hegemann auf die ihr eigene Art vor: Kühl bis zur Kälte, anekdotisch, mit exaktem Blick für die Codes, den Habitus, die déformation professionelle der Wohlstandsverwahrlosten und der Armgebliebenen.“
    Helene Hegemann, Schlachtensee. Stories (Kiepenheuer & Witsch)
  • „Ein Haiku zur Beruhigung“: Kann Japans Landschaft Traumata bewältigen? Catherine Meurisses Graphic Novel Nami und das Meer. „Zwar gibt es auch in Nami und das Meer die obligatorischen Jokes einer Westeuropäerin, allen voran die Überforderung bei der Bedienung einer vollautomatischen Toilette, die hier im versehentlich ausgelösten Tsunami-Alarm gipfelt. Doch solche Witzchen sind selten. Vielmehr interessiert Meurisse der Umgang der Japaner mit der Natur ihres Landes, der von einem enormen Zwiespalt geprägt ist: Denn während die Natur einerseits essentieller Teil der Identität, Kultur und Religion Japans ist, festgehalten vor allem in den weltbekannten Holzschnitten diverser Künstlergenerationen, muss die Natur hier andererseits fortwährend gewaltsam im Zaum gehalten werden, damit im Land der Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche ein (Über-)Leben überhaupt möglich ist.“

    Catherine Meurisse, Nami und das Meer. Graphic Novel (koloriert von Isabelle Merlet; aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock; Carlsen)

  • „Der Preis der Nostalgie“: Enid Blytons Abenteuer-Reihe wird neu aufgelegt. Sind alle rassistischen Klischees nun getilgt? „Dass die Werke der 1968 verstorbenen britischen Autorin bereits zu Lebzeiten als trivial und klischeebeladen kritisiert wurden, hat ihrer Popularität nicht geschadet. Jetzt legt der Bocola Verlag die Abenteuer-Reihe neu auf – und wirbt mit den Illustrationen von Stuart Tresilian aus der englischen Originalausgabe, erschienen 1944 im Londoner Macmillan Verlag. Im gerade veröffentlichten ersten Band sieht man auf fünf von insgesamt 41 Zeichnungen, teilweise in deutscher Erstveröffentlichung: einen Schwarzen Mann mit weit aufgerissenen Augen, wulstigen Lippen und einem affenähnlichen Profil. Es handelt sich um Joe, den Bösewicht in Insel der Abenteuer.“
    Enid Blyton, Insel der Abenteuer (Bocola Verlag)

 

  • „Wunschtraum und Wahn“: Judenhass, mittelalterliche Aufklärung, Traumdeutung: Der staunenswerte Roman der jüdischen Autorin R.B. Bardi ist wiederzuentdecken. „Berdachs einziger Roman Der Kaiser/die Weisen und der Tod handelt von Gesprächen, Debatten und oft strittigen Beziehungen zwischen jüdischen, muslimischen und christlichen Gelehrten an Friedrichs Hof und stellt nicht weniger als ein intellektuell inspirierendes und sprachlich brillantes Stück Literatur dar; ein Stück Literatur, das den finsteren Zeiten der 1930er Jahre die Utopie einer kosmopolitischen Gesellschaft entgegenhielt – sich dabei aber keineswegs mit einer Kritik von christlichem Judenhass zurückhielt.“
    R.B. Bardi, Der Kaiser / die Weisen und der Tod (hg. v. Peter Moses-Krause u. Irene Tobben; Das Arsenal)
Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.