Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Nichts Geringeres als ein literarisches Phänomen“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Bleichmittel auf die Brustspitzen“: Mieko Kawakamis Brüste und Eier steht symptomatisch für eine ganze Reihe von Romanen, die ungeschminkt darüber Auskunft geben, wie japanische Frauen ihr Liebesleben sehen. „In ihren verblüffend kühnen Texten zur weiblichen Sexualität, Mutterschaft und zum Verhältnis der Geschlechter werden due Erwartungen an männliche Partner ausgesprochen niedrig angesetzt.“
    Mieko Kawakami, Brüste und Eier (DuMont)
  • „Herr, Tier und Sklave“: Bei Samanta Schweblin werden Plüschtier-Roboter, gesteuert von Fremden, zum neuesten Techniktrend. „Schweblin nutzt für ihren Roman das Phänomen, dass Menschen Smartphones und andere Geräte, vor allem deren Kameralinsen, leichtfertig in ihr Heim und Leben lassen.“
    Samanta Schweblin, Hundert Augen (Suhrkamp)
  • „Aufsteigerinnen sind nicht erwünscht?“: Anna Mayr empört sich über Arbeitslosigkeit und Armut in Deutschland. „Mayr ist keine zerrissene Person, sondern eine junge Autorin mit Mut zur Selbstentblößung. Die ist subtil, im eigentlichen Sinne radikal. Sie nimmt den Leser für Mayr ein. Nur wütend macht sie nicht.“
    Anna Mayr, Die Elenden. Warum unsere Gesellschaft Arbeitslose verachtet und sie dennoch braucht (Hanser Berlin)

  • „Nicht einer dieser Männer werden“: Ben Lerner über die großen Symptome der amerikanischen Gegenwart. „Wenn der Roman en détail von der fundamentalen Orientierungslosigkeit erzählt, die weiße, privilegierte Jungs in den Neunzigern in abgrundtiefe Krisen stößt, ist er nichts Geringeres als ein literarisches Phänomen.“
    Ben Lerner, Die Topeka-Schule (Suhrkamp)
  • „Lichtblicke, meist realistisch“: Die Longlist des Deutschen Buchpreises steht fest (hier). Die Beschäftigung mit den eingereichten Titeln habe, wie die Sprecherin der Jury, Hanna Engelmeier sagte, „vielfältige Lichtblicke“ geboten; ein „Panorama von überwiegend realistisch angelegten Romanen“.

  • „‚Wir haben ihn tatsächlich gewählt'“: Richard Russo hat offenbar keine Lust mehr, um das Debakel der aktuellen US-Präsidentschaft herumzureden. „Sh*tshow ist dabei ein schlicht und rasch erzähltes, ostentativ an der Oberfläche bleibendes Buch. Russo verweigert geradezu Raffinesse und Analyse. Vielleicht macht das der Schnellschuss. Eher aber wächst der Eindruck von Seite zu Seite, dass mehr dazu nicht zu sagen ist. Es ist eine Sh*tshow.“
    Richard Russo, Sh*tshow (DuMont)
  • „Ausgeglichen“: Die Longlist für den Deutschen Buchpreis. „Verlagsdominanzen waren schon auffälliger, die Ausgeglichenheit wirkt wie immer im Leben nicht kühn, aber respektabel.“
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