Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Poesie, Prosa, feinster Humor, schönster Quatsch“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Wie obskur ist das?“: Drei Versionen dieses Romans existieren nebeneinander: Percival Everetts meisterhafte Erschütterung erzählt von elterlicher Hilflosigkeit angesichts einer tödlichen Krankheit der Tochter. „Es sind scheinbar nur kleine Verschiebungen, die alle mit dem Plot zu tun haben, allerdings in ganz entscheidendem Ma­ße, weil Zach unterschiedliche Entscheidungen trifft und die Geschehnisse sich jeweils unterschiedlich entwickeln, was zu unterschiedlichen Schlüssen des Romans führt, je nachdem, welche Version man vor sich hat. Man muss das nicht wissen und auch nicht alle drei Romane mit demselben Titel lesen, was auch weder Autor noch Verlag intendiert. Es gibt in den Büchern nur einen ganz versteckten Hinweis auf die Existenz der drei Versionen (ein kleiner Punkt, oder zwei oder drei, im Impressum). Und wie bei der amerikanischen Originalausgabe weiß auch der deutsche Leser nicht, wie sich das Buch, das er in der Hand hält, von den anderen beiden unterscheidet.“
    Percival Everett, Erschütterung (aus dem Englischen von Nikolaus Stingl; Hanser Verlag)

  • „Was für ein Glück“: Der Dramatiker Wolfram Lotz hat ein Jahr lang „alles“ aufgeschrieben – und den Text dann gelöscht. Nun wurde er doch gedruckt, als Heilige Schrift I. „Was auf den 912 Seiten passiert, ist Poesie, Prosa, feinster Humor, schönster Quatsch.“
    Wolfram Lotz, Heilige Schrift I. (S. Fischer)
  • „Wenn die Fabrik die Kundschaft produziert“: Der für seine Romane aus der Wirtschaftswelt gefeierte Schriftsteller Ernst-Wilhelm Händler versucht sich an einer Gesellschaftstheorie von allem. „Die Folgen sind offensichtlich: Händlers Werk besitzt einen überschaubaren Umfang von knapp 300 Seiten. Aber darin wird an landläufig bekannten Theorien so gut wie alles angesprochen, was Rang und Namen hat (…)“

    Ernst-Wilhelm Händler, Die Produktion von Gesellschaft (S. Fischer Verlag)

  • „Böser Onkel“: Die Wurzel für sein Verständnis liegt im „Dritten Reich“: Bodo V. Hechelhammer schreibt die erste Biographie des Comicverlegers Rolf Kauka. „Hechelhammer, obwohl laut Klappentext „Comicliebhaber“, interessiert sich nicht für die Comics von Kauka, sondern für dessen biographische und ökonomische Winkelzüge, inklusive eines rasanten Frauenverschleißes. (…) Hechelhammer setzt denn auch immer wieder moralische Differenzakzente zur Abgrenzung von seinem Gegenstand, aber die Faszination für die Nachtseiten dieses schillernden Lebens ist unübersehbar – böser Onkel Rolf. Diese erste Biographie des Comic-Verlegers sollte nicht die letzte bleiben.“
    Bodo V. Hechelhammer, Fürst der Füchse. Das Leben des Rolf Kauka (Langen Müller Verlag)
  • „Halte die Spannung bis zum nächsten Impuls“: „Material? Das bin auch immer ich selber“: Eleonore Büning legt eine Biographie von Wolfgang Rihm vor, Lotte Thaler einen Band mit Gesprächen mit dem Komponisten. „Tatsächlich kann man sie als Kompendium der Neuen Musik der letzten fünfzig Jahre lesen. Vorneweg geht Büning auf Rihms Verhältnis zur Religion ein. Folgt man ihr dann aufmerksam durch ihre Erzählung von Rihms Werkgruppen wie dem ‚Chiffre‘-Zyklus, den ‚Séraphin‘-Mutationen oder den ‚Symphonie fleuve‘-Fortschreibungen, entsteht ein großformatiges Panorama europäischen Musiklebens. Das Personenregister ist denn auch ein ‚Who’s who‘.“
    Eleonore Büning, Wolfgang Rihm. Über die Linie. Die Biographie (Benevento Verlag)
    Lotte Thaler, Alles kommt ans Licht. Gespräche mit Wolfgang Rihm (Wolke Verlag)

  • „Schaden für die Seele?“: Drop it like it’s hot erzählt von Vielschichtigkeit und überraschenden Referenzen im Pop. „Die Autorinnen und Autoren begeistern sich für ganz unterschiedliche Spielarten des Genres. Sie mögen Punk oder Discomusik, Reinhard Mey oder Nick Cave und stellen in kurzen Kapiteln ihre Favoriten vor. Das geht nicht ohne Anekdoten ab, was die Texte charmant macht. Auch weil man hier manches wiederentdeckt, an das man schon lange nicht mehr gedacht hat.“
    Uwe Ebbinghaus, Jan Wiele (Hrsg.), Drop It Like It’s Hot. 33 (fast) perfekte Popsongs (Reclam)
Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.