Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: Sally Rooney verbietet hebräische Übersetzung

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Ist der gut?“: Abdulrazak Gurnah mit dem Literatur-Nobelpreis auszuzeichnen, ist mal eine Idee. Wenn man ihn gelesen hat, muss man sagen: Schade, dass das Komitee die Idee nicht besser begründet. „Man kann aber auch endlich die Frage beantworten: Ist Abdulrazak Gurnah gut? Ja. Das ist er. Und überraschender: Er ist gut nach europäischen Kriterien. Ehrlich gesagt, für jemanden, der zwar kaum panafrikanische Kriterienkompetenz besitzt, dafür aber England kennt bis zur stiff upper lip: Gurnah ist gut wie ein guter Brite.“
  • „Nicht in Israel“: Die irische Starautorin Sally Rooney verbietet die hebräische Übersetzung ihres Bestsellers. „‚Die Rechte für die hebräische Übersetzung meines Romans sind immer noch frei‘, schreibt Rooney, und auch, dass es sie freuen würde, einen Verlag für ihr Buch zu finden. Wäre es aber nur darum gegangen, hätte es die große Symbolpolitik des Sprachboykotts nicht gebraucht. Auch in Israel finden sich Verlage am linken Rand des politischen Spektrums.“
  • „Der Unerschrockene“: Die Bücher des Literaturwissenschaftlers Jost Hermand waren so barrierefrei geschrieben, dass selbst Teenager sich in eine exotische, unheilschwangere Welt versenken konnten. Ein Nachruf.
  • „Übers Verlieren“: J. K. Rowling wollten viele in der Verbannung sehen. Ihr neues Kinderbuch ist ein Bestseller. Zu Recht. „Rowling ist einfallsreich und fantasievoll, sie balanciert gern am Rande des Sentimentalen, ohne jemals abzurutschen, und sie kann damit sogar Erwachsenen das Wasser in die Augen treiben.“

    J. K. Rowling, Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein (illustriert von Jim Field; Carlsen Verlag)

  • „Hau drauf“: Der Aktivist und Hochschullehrer Andreas Malm plädiert für „kontrollierte politische Gewalt“ gegen Klimasünder. Nur wem helfen zerstörte SUVs wirklich? „Wer ein Menschheitsanliegen zu vertreten meint, das so unabweisbar ist, dass man nicht einmal genau hingucken muss, um schon im Recht zu sein, dem erscheint jeder Vorbehalt als ‚pathologische menschliche Irrationalität‘.“

    Andreas Malm, Wie man eine Pipeline in die Luft jagt. Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen (aus dem Englischen von David Frühauf; Verlag Matthes & Seitz)
    Andreas Malm, The Zetkin Collective: White Skin, Black Fuel. On the Danger of Fossil Fascism (Verso Books)

 

  • „Bewegung zwischen den Kampflinien“: Während der Philosoph Pascal Bruckner Auswüchse der Identitätspolitik attackiert, versuchen sich Jan Feddersen und Philipp Gessler an der Rettung linker Ideale. „Gegen die zersetzende Kraft ubiquitär ausbrechender Debatten um Worte, Farben und Sonderzeichen, die oft in Gestalt possierlicher Spielchen um Ambivalenzen mit ernstem Anliegen daherkommen, versuchen sich Feddersen und Gessler an einer Rückbesinnung auf linke Ideale und der Rettung universalistischer Prinzipien.“
    Jan Feddersen/ Philipp Gessler, Kampf der Identitäten. Für eine Rückbesinnung auf linke Ideale (Ch. Links)
    Pascal Bruckner, Ein nahezu perfekter Täter. Die Konstruktion des weißen Sündenbocks (aus dem Französischen von Mark Feldon; Edition Tiamat)
  • „Plastikcowboy“: „Mit seinem 400 Seiten dicken Buchv Dinge (erschienen bei FOTOHOF edition, 30 Euro) hat Johannes Gramm (Jahrgang 1964) eine Autobiografie anhand von 302 fotografierten Gegenständen verfasst. Zu jedem Foto erzählt er eine kurze Geschichte, kleine Erinnerungen an Momente oder Episoden wie sie so oder so ähnlich unser aller Leben prägen. Eine charmante Zeitreise voller Witz und Poesie.“

 

  • „Zu Lasten ihrer Leser“: Sally Rooney verweigert ihrem israelischen Verlag die Übersetzungsrechte. „Dem „Guardian“ gegenüber sagte Sally Rooney am Dienstag, sie sei stolz gewesen, das ihre früheren Bücher ins Hebräische übersetzt worden seien, doch habe sie einstweilen entschieden, die ihres jüngsten Buches Rechte nicht an einen in Israel ansässigen Verlag zu verkaufen, der die von den Vereinten Nationen festgelegten Rechte der Palästinenser nicht unterstütze.“
  • „Wilde Ideen in freier Luft“: Erholung vom städtischen Leben: Andreas Schwab erkundet die Atmosphären zehn europäischer Künstlerkolonien. „Zehn europäische Künstlerkolonien erkundet Andreas Schwab, und er greift dabei auf Quellen wie Tagebücher, Briefe, Gemälde, Romane und Reisebroschüren zurück. Von Barbizon geht die collagenhafte Reise nach Skagen am nördlichen Zipfel Jütlands, zum Alpendorf Altaussee und nach Capri, über Taormina, Tanger bis hin zum Berg der Wahrheit, dem Monte Verità in Ascona. Keine ‚umfassende Darstellung der jeweiligen Schauplätze‘ ist das erklärte Ziel des Autors, sondern das Spürbarmachen ihrer spezifischen Atmosphären.“
    Andreas Schwab, Zeit der Aussteiger. Eine Reise zu den Künstlerkolonien von Barbizon bis Monte Verità (C. H. Beck Verlag)
  • „Gibt es also neoliberalen Sex?“: Eva Illouz und Dana Kaplan spekulieren über Wirkungen eines entspannten Liebeslebens auf Berufsaussichten. „Zwar versteigen sich die beiden Autorinnen zu der These, dass sich Sadomasochismus bereits als „Mittelklassehobby“ beschreiben ließe, pflegen selbst aber eher eine recht biedere Mittelklasse-Vorstellung von Sex. Irgendwo in der wenig einzigartigen Mitte zwischen Stressabbau, Achtsamkeit und Gesundheitssport liegend, hat er auf jeden Fall überwiegend ein Ergebnis: Entspannung.“
    Eva Illouz und Dana Kaplan, Was ist sexuelles Kapital? (aus dem Englischen von Michael Adrian; Suhrkamp Verlag)
  • „Abfallende Selbstkritik überführt er in Zeitkritik“: Erniedrigt und beleidigt: Maxim Billers neuer Roman. „Auch dieser mit erfrischender Direktheit erzählte, witzig-unterhaltsame und trotz seiner Kürze auf mehreren Zeitebenen spielende Roman ist ein Spiegelkabinett, aus dem es kein Entrinnen gibt, in dem jede Verbindung, jede Anspielung denkbar ist.“
    Maxim Biller, Der falsche Gruß (Kiepenheuer & Witsch)
  • „Die Achse des Scheiterns“: „Rainer Hermann, Redakteur im Politikressort der F.A.Z., zieht in seinem Buch Die Achse des Scheiterns Bilanz nach drei Jahrzehnten Berichterstattung über die arabische Welt.
    Rainer Hermann, Die Achse des Scheiterns. Wie sich die arabischen Staaten zugrunde richten (Klett-Cotta Verlag)

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