Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Schlagt auf, wo ihr wollt, ihr stößt auf Sätze, die das unangenehme Gefühl des Neids erwecken“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Topograph der horizontalen Höllenstürze“: Nicht lieb-, aber häufig leblos: Sven Hanuscheks fast tausendseitige Biographie des Schriftstellers Arno Schmidt. „Neue Gesichtspunkte zum Werk von Arno Schmidt liefert Hanuschek nicht, wenn man von seiner arg ermüdenden Nutzung des modisch gewordenen Metalepse-Begriffs absieht. Man möchte übers Lektorat dieses Buchs nicht zu viel spekulieren, aber es ist auffällig, dass sich Passagen zur Metalepse wie auch zu anderem mit einigen hundert Seiten Ab­stand beinahe wortwörtlich wiederholen – Zeichen der Resignation vor bloßer Materialfülle?“
    Sven Hanuschek, Arno Schmidt. Biographie (Hanser Verlag)
    Friedhelm Rathjen (Hrsg.), Arno Schmidt im Literaturbetrieb der frühen Jahre. Aufsätze und ein Gespräch aus dem „Bargfelder Boten“ (Edition Text + Kritik)
  • „Den im Dunkel sieht man nicht“: Marie Malcovati erzählt in ihrem Roman Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus baut von drei Frauen auf der Suche nach einem Mann, der sie verbindet. „Manchmal mutet der Roman wie ein Märchen an, dann wieder glaubt man sich in einem Gruselkabinett. Dennoch ist der Erzählton ganz realistisch, nüchtern. In einer klaren, un­aufgeregten Sprache passiert eine Absonderlichkeit nach der anderen. Darin besteht das Raffinement des Romans.“
    Marie Malcovati, Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus baut. Roman (Edition Nautilus)
  • „Ein stadtbekannter Sonderling“: Man schimpfte ihn „Kohlrabiapostel“: Felix Kucher erzählt in seinem Roman Vergarianer vom Leben des Reformers Karl Wilhelm Diefenbach. „Ganz wird man freilich den Eindruck nicht los, dass der aus Kärnten stammende Autor seinen Romanhelden nie ganz ernst nimmt, sich gar, trotz gewissen Respekts für manche der Überzeugungen Diefenbachs, über ihn lustig macht. Das geht allerdings schon in Ordnung so und macht die Lektüre, trotz einiger Lücken in der Schilderung jener Jahre, durchaus unterhaltsam.“
    Felix Kucher, Vegetarianer. Roman (Picus Verlag)

Bildband

„Der Krieg war immer da: Was macht ein schwelender Konflikt mit den Dörfern, mit den Menschen? Bereits im vergangenen Oktober erschien ein Band des Fotografen Florian Bachmeier, der die Ukraine seit Jahren bereist. Seine Fotos zeigen, dass nichts an diesem Krieg überraschend ist.“
Florian Bachmeier: In Limbo (
Verlag Buchkunst Berlin)

 

Reisebücher für Kinder

  • „Wiedersehen mit der Endzeit“
    Joan Negrescolor: Die Stadt der Tiere. Bilderbuch (Midas)
  • „Reich mal den Zwölferschlüssel“
    Stephan Martin Meyer und Thilo Krapp, In 80 Tagen von Peking nach Paris – Das abenteuerlichste Autorennen der Welt, Kinderbuch (Gerstenberg)
  • „So schön kann Urlaub sein“
    Catharina Valckx, Emmi macht Urlaub (Moritz Verlag)
  • „Krack! Krack! Krack!“
    Ness Knight (Texte) und Qu Lan (Illustrationen), Gute Nacht, Abenteurer (Prestel)
  • „Kein Mensch braucht Kalle“
    Hamburg kunterbunt – Der Kinderreiseführer für Hamburg und Umgebung (Scio Verlag)

  • „Kampf der Verbiesterung“: Peter Sloterdijk hat eine Meditation über die Farbe Grau geschrieben. Ließe sich ein obskureres Thema finden? Zum Glück nicht. „Sloterdijk ist ein Sprachspieler mit Freude an blitzenden (seine Kritiker meinen: blenderischen) Formulierungen. Schlagt auf, wo ihr wollt, ihr stößt auf Sätze, die das unangenehme Gefühl des Neids erwecken. Als Stilist ist Sloterdijk, bei aller Neigung zur Hyperbel, unerreicht.“

    Peter Sloterdijk, Wer noch kein Grau gedacht hat. Eine Farbenlehre (Suhrkamp)

  • „Er dichtet im Rückwärtsloop“: Mit seinem Debütroman wurde Ocean Vuong ein internationaler Literaturstar. In seinem zweiten Gedichtband kehren hochtourige Gefühlsmomente wieder. „Noch mehr als im früheren Werk spricht aus diesen lyrischen Momentaufnahmen Vuongs die Absicht, einen surrealistisch imprägnierten Blick auf das Allerkleinste der Dinge zu richten, auf das Wenige und Flüchtige, was sich ‚zwischen Daumen & Zeigefinger‘ gerade noch einfangen lässt.“

    Ocean Vuong, Zeit ist eine Mutter (aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag; Hanser)

  • „Oh, wie schön ist Xanadu“: Der Kulturforscher Elmar Schenkel hat ein Buch geschrieben über die Träume und Trugbilder der abendländischen Faszination für den Fernen Osten. „Von Marco Polo, dem ersten China-Besucher aus dem Westen, bis zum indischen Popguru Baghwan lässt Elmar Schenkel einen schillernden Reigen von Persönlichkeiten antanzen, die vom regen, manchmal überraschenden, manchmal befremdenden, immer aber hochinteressanten und erhellenden Austausch zwischen Fernost und dem Okzident zeugen.“
    Elmar Schenkel, Unterwegs nach Xanadu – Begegnungen zwischen Ost und West (S. Fischer)

  • „Ellis ohne Wunderland“: Selene Marianis zarter und sorgfältiger Debütroman Ellis. „Ellis ist ein Buch über große Gefühle, aber so wie der zeitliche Bogen subjektiv gigantisch und objektiv überschaubar wirkt, sind die emotionalen Ausschläge wie gedämpft. Sie drängen sich nicht auf. Umso mehr kann man sich dafür interessieren. Umso beunruhigender wirken sie auch.“
    Selene Mariani, Ellis. Roman (Wallstein)
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