Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Sein schlimmstes Buch, niederziehend bis dorthinaus“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Spaßbremse im noblen Zwirn“: Dieser Zauberberg liegt am flachen Strand: Heinz Strunks grandios gelungener Roman Ein Sommer in Niendorf. „Hatte Hans Castorp in der Schweizer Höhenluft eine spektakuläre Steigerung seines von Haus aus eher schlichten Wesens erfahren, so lässt Strunk seinen aktuellen Protagonisten das Gegenteil davon erleiden: einen Abstieg, wie er trostloser kaum vorstellbar scheint. Es ist, in diesem hoffentlich wohlverstandenen Sinne, sein schlimmstes Buch, niederziehend bis dorthinaus.“
    Heinz Strunk, Ein Sommer in Niendorf (Rowohlt)
  • „Die Mücke im Auge“: Loblieder auf die Natur: Zu ihrem hundertsten Geburtstag erscheint eine große Auswahl der Gedichte von Erika Burkart. „In Burkarts lyrischer „Welt der Bilder und Gefühle“, wie Peter von Matt das Werk einmal charakterisierte, nehmen Tiere und Pflanzen aus ihrer nächsten Lebensumgebung besonders viel Raum ein. Die Kategorie Natur­lyrik greift indes zu kurz, selbst wenn die Anfänge in den Fünfzigern eine Orientierung an Gedichten Annette von Droste-Hülshoffs nicht verbergen.“
    Erika Burkart, Spiegelschrift. Gedichte – Die große Auswahl (hrsg. und Vorwort von Ernst Halter; Limmat Verlag)
  • „Gespaltene Seelen“: Er war zusammen mit Amos Oz der bedeutendste israelische Schriftsteller der Gründerjahre. Nun ist Abraham B. Jehoschua im Alter von 85 Jahren gestorben. „Als sein Hauptwerk sah Jehoschua den Roman „Die Manis“ (1990) an, eine rückwärts erzählte Familienchronik, die im Li­banonkrieg beginnt und im neunzehnten Jahrhundert endet. (…) Abraham, Joseph, Moses: Es sind die mythischen Namen der biblischen Heilsgeschichte. Im Roman aber kehrt sie sich in eine Geschichte des Unheils um, aus der die Juden sich bis heute nicht befreit haben. Am gestrigen Dienstag ist Abraham B. Jehoschua im Alter von fünfundachtzig Jahren gestorben.“
  • „Blick auf eine kaputte Zivilisation“: Im Herbst wird The Waste Land hundert Jahre alt. Die Literaturzeitschrift „Schreibheft“ widmet T. S. Eliots Klassiker ein wunderbares Dossier.

  • „Kopfabreißen mit Stil“: Ted Hughes’ Gedichte über das Wunder des Lebens und des Todes kommen neu übersetzt von dem Naturdichter Jan Wagner zu ganzer Kraft. „Hughes integriert mühelos das Alltägliche und das Banale in seine Lyrik. Niemals neigt er dazu, zu blenden oder aufzuschneiden oder mit Bildung zu protzen. Keines seiner Tiere wird dazu erniedrigt, Symbol für was auch immer sein zu müssen. Sie verweisen auf nichts als sich selbst und vielleicht aufeinander, weil sie in der Summe diesen lyrischen, aber eben auch belebten Kosmos ausmachen.“
    Ted Hughes, Wodwo. Ausgewählte Gedichte (ausgewählt und aus dem Englischen übersetzt von Jan Wagner; Hanser Berlin)
  • „Liebhaber aller Widersprüche“: Konflikte hat er niemals gescheut: Der israelische Schriftsteller Abraham B. Yehoshua ist gestorben. „In der Literatur, in der Politik und im Leben hielt Abraham B. Yehoshua nichts von Feigheit und von faulen Kompromissen, und in Israel wurde er dafür hoch geschätzt – als Künstler und politisch-moralische Instanz. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben, und das Land trauert um einen der großen Schriftsteller der Gegenwart.“
  • „Was lesen Sie gerade … Robert Seethaler?“: „Ich lese Der Ackermann und der Tod von Johannes von Saaz. Ein einfacher Bauer klagt den Tod an, weil der ihm seine Frau genommen hat. Im Streitgespräch durchlebt der Ackermann alle Phasen von Trauer, Wut und Verzweiflung, während der Tod ihm mit natürlich unwiderlegbaren Argumenten antwortet. Das Buch ist 600 Jahre alt und schafft es immer noch, mich zu berühren. Das letzte Wort hat übrigens Gott. Aber das habe ich noch vor mir.“

 

  • „Alles ist nicht wie immer“: Anne Tylers behutsamer Familienroman Eine gemeinsame Sache. „Manchmal ist Anne Tyler eine Spur boshaft – aber bösartig ist sie nie. Und da sie auch diskret ist, könnten ihre Familien auch nebenan wohnen. Hin und wieder würden wir sie durchs Fenster beobachten, plötzlich verstehen, was da passiert, über anderes rätseln. Entspannt erzählt die amerikanische Schriftstellerin vom ganz normalen, durchschnittlichen Leben in einem wohlhabenden westlichen Land.“

    Anne Tyler, Eine gemeinsame Sache (a. d. Engl. von Michaela Grabinger; Kein & Aber)

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