Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: Zwei Bücher, „zu den großen Besonderheiten dieses Jahres“ gehören

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

 

„Der Muskelkater des Lebens“: Schönheit im Slum: David Chariandy erzählt in seinem Roman Francis von einer Bruderliebe in der zweiten Einwanderergeneration am Ontariosee. „Wie nahe einem die Brüder rücken, ist geradezu unheimlich, und wenn am Ende in einem Nebensatz die homosexuelle Orientierung von Francis zur Sprache kommt, ist das kein Knalleffekt, sondern so etwas wie die ganz selbstverständliche Erkenntnis eines ­Faktums, das immer klar war, aber nie thematisiert oder gar reflektiert zu werden brauchte, weil man sich ja so gut kennt.“
David Chariandy, Francis (aus dem Englischen von Thomas Brovot; Claassen Verlag)

„Wir schätzen beide das Alltägliche nicht“: Nur keine Tragödien: Eine Auswahl der Briefe, die zwischen Ernst und Gretha Jünger gewechselt wurden. „Unter den vielen, dank Philologenwerk heute zugänglichen Briefwerken berühmter Schriftsteller zeichnet der Ernst Jüngers mit seiner Ehefrau sich durch elaborierte Ödnis aus.“
Gretha und Ernst Jünger, Einer der Spiegel des anderen. Briefwechsel (hrsg. von Anja Keith und Detlev Schöttker; Klett-Cotta Verlag)

„Wenn ich einmal Macht bekäme“: Lieder und Gedichte des späten Andreas Reimann. „Reimann entlastet sich. Der alternde Dichter endet mit den Themen des Alters. Dem Wein, der Liebe, dem Tod. Die Gedichte werden milder und resignativer, oft auch besser.“
Andreas Reimann, Der Plunderhund im Lande Wunderbunt. Gedichte und Lieder (Connewitzer Verlagsbuchhandlung)

„Stirn an Stirn mit der Welt“: Man vergisst oft, was es bedeutet, zu übersetzen. Kate Briggs und Uljana Wolf denken zum Glück trotzdem darüber nach. Ihre Bücher gehören zu den großen Besonderheiten dieses Jahres. „Beide, Kate Briggs und Uljana Wolf, befragen die Bedingungen der Sprach- und Subjektwerdung auf eine Weise, dass man plötzlich zuversichtlich meint: Es wäre gar nicht so schwierig, sich gemeinsam neu zu denken. Mit Ungenauigkeit, Subjektivismus oder Qualitätsverlusten hat das rein gar nichts zu tun. Das Gegenteil ist der Fall, versteht man nach der Lektüre dieser beiden Bücher: ‚Let’s dance!‘.“
Kate Briggs, This Little Art. Essay (aus dem Englischen von Sabine Voß; Ink Press)
Uljana Wolf, Etymologischer Gossip. Essays und Reden (Kookbooks Verlag)

„Was kann man sagen oder tun, wenn die Worte fehlen?“: Michael Ignatieff hat ein Buch über das Trösten geschrieben, das ganz anders ist als die übliche Ratgeberliteratur. „Auch das vorliegende Buch über den Trost macht vieles richtig: Die wichtigen Personen kommen vor, Ignatieff bemüht sich um Ausgewogenheit, einen humanistischen Liberalismus und hegt stets die allerbesten Absichten – aber ehrlich gesagt liest sich das Kompendium letztlich auch ein bisschen langweilig.“
Michael Ignatieff, Über den Trost in dunklen Zeiten (Ullstein)

Krimikolumne:

Karen Slaughter, Die falsche Zeugin (HarperCollins)
Arttu Tuominen, Was wir verschweigen (Lübbe)
Elizabeth Wetmore, Wir sind dieser Staub (Eichborn)

 

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