Beobachtungen und Anmerkungen zur CoronaKrise aus dem Maschinenraum einer unabhängigen Buchhandlung in Köln „Welt, bleib wach!“

Jens Bartsch: „‚Geht nicht‘ ist einfach, ‚geht doch‘ wäre kreativ gewesen, wenn doch schon die halbe Branche vormachte, wie es gehen kann“

Jens Bartsch aus der Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln hat im aktuellen August-BuchMarkt (ab Seite 32) seine Perspektive zur Corona-Krise (aus dem Maschinenraum einer unabhängigen Buchhandlung in Köln) erläutert, hier ein kleiner Auszug:

„Welt, bleib wach!“

Mit einer Mail vom 17. März 2020 setzte Amazon seine Handelspartner davon in Kenntnis, dass man den Einkauf stoppe und eine Anlieferung erst zum 5. April wieder möglich sei. „Wir verzeichnen derzeit mehr Online-Einkäufe und daher sind Produkte wie Haushaltswaren und Sanitärsartikel nicht lieferbar. Aus diesem Grund priorisieren wir vorübergehend Haushaltswaren, Sanitätsartikel und andere Produkte mit hoher Nachfrage, die in unseren Logistikzentren eingehen“, hieß es seinerseits gewohnt lakonisch aus Bad Hersfeld. Im Klartext: Gerade in den Zeiten der Schließung stationärer Geschäfte für den Präsenzverkauf war der Global Player des Internets von heute auf morgen zu großen Teilen raus aus dem Geschäft mit Büchern.

Einige Vertriebler in den Verlagen dürften jetzt schon heftig geschluckt haben, die Schnappatmung stand aber erst noch bevor, denn es kam noch schlimmer: Mit der Schließverordnung entdeckte man zum Beispiel beim großen Filialisten Thalia Mayersche das Wort „Kurzarbeit“ , schloss die Geschäfte und setzte fortan auf das Online-Geschäft, welches man ja schon seit langer Zeit recht gut forciert zu haben glaubte. Aus dem seit mehreren Jahren lautstark propagierten Omnichannel wurde somit ganz schnell ein einziger Channel, nämlich der eigene Webshop. Wenn man Michael Buschs Aussagen beim Digital-Publishing-Summit-2020 glauben darf, dann scheinen allerdings auch einige tagesaktuelle Umsatzsteigerungen von 500 Prozent im Webshop nicht gereicht zu haben, um die Umsatzverluste direkt vor Ort ausgleichen zu können.

Die kleinste Pfeife

Man muss sich übrigens gerade diesen Beitrag im Netz auf www.edrlab.org/events/digital-publishing-summit-2020/ in der Tat mal komplett anschauen, um begreifen zu können, wie hier unser „Marktführer des Sortimentsbuchhandels“ (sic!) in Form seines offiziellen Gesichts das eigene jahrelange Versagen nonchalant auf Seite wischt, um weiterhin munter und vollmundig neue und sehr mutige Strategien für die Zukunft des „ganzen“ deutschsprachigen Buchhandels zu verkünden.

Omnichannel immer wieder als Strategie laut herauszuposaunen ist das Eine, erfordert aber neben dem Spiel auf der Posaune ein Minimum an gleichwertigem Spiel auf den diversen anderen Instrumenten des Orchesters. Dumm gelaufen ist es hingegen, wenn im entscheidenden Augenblick die Luft fast komplett versagt und man nur noch auf der kleinsten Pfeife spielen kann. Omnichannel praktisch in die Tat umzusetzen, dies ist halt das Andere.

Und so kommt zwingend die Frage auf, was Thalia eigentlich davon abgehalten hat, die besonders durch das Agieren Amazons entstandenen scheunentorgroßen Freiräume sofort selbst füllen und selbst besetzen zu können. Botendienste, gemietete Fahrradkuriere vor Ort, Kampagnen im Sinne von  „Wir kommen zu Ihnen“ – viele wilde Ideen hätte Thalia denken und gerade aufgrund seiner Größe und Flächendeckung ganz im eigenen Sinne und ganz im Sinne des gesamten Buchhandels, der Verlage und der Sichtbarkeit des Produktes Buch einfallsreich und professionell ausformen und umsetzen können. (…)

… Lesen Sie den kompletten Artikel in unserem E-Paper ab Seite 32.

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