Beckmann kommtiert Der Ausstieg des Sponsors als Chance für die Zukunft eines Literaturpreises: Neues vom Orange Prize for Fiction

Wieder einmal hat nun ein ambitionierter Literaturpreis (s)einen großen Sponsor verloren: so jetzt der jährlich in London vergebene internationale Orange Prize für Fiction, der exklusiv der Prämierung und öffentlichen Durchsetzung literarischer Belletristik von Frauen gewidmet ist.

Vor zehn Jahren war es dem Booker Prize so ergangen, als der gleichnamige alte britische Handelskonzern ausstieg, nachdem er in die Hände eines ausländischen Mega-Unternehmens übergangen war.

Eine britische Firma war 1996 bei der Gründung des nach ihr benannten Preises auch die Orange plc gewesen. Sie hat jedoch ihre Selbstständigkeit schon seit längerem aufgegeben, wurde zunächst Teil von Mannesmann, dann von France Telecom, wo sie zu einer führenden globalen Marke der Telekommunikationsbranche herangewachsen ist. Warum dann also das Ende des Engagements für Literatur? Gibt der Konzern dem gedruckten Buch und seiner öffentlichen Wirkung keine Zukunft mehr? Und: Bedeutet dieses nun wiederum das Aus für den bedeutenden Literaturpreis?

Für die Gründe des Ausstiegs von Orange gibt es konkret keine Anhaltspunkte. Eben deshalb sollten wir kulturpessimistische Spekulationen lassen und annehmen, dass sie firmenintern sind (und uns darum eigentlich nichts angehen).

Zweitens: Es geht offenbar keineswegs nur um Geld. In ihrer gestrigen Bekanntgabe hebt die Schriftstellerin Kate Moss – Mitbegründerin und Ehrenpräsidentin des Orange Prize for Fiction – hervor, „wie viel harte Arbeit Unternehmensmitarbeiter in Vergangenheit und Gegenwart, wie viel Leidenschaft, persönliche Unterstützung und endlose Begeisterung“ sie außer finanziellen Mitteln zum Gelingen des Preises beigetragen haben. Kate Moss bekennt, dass „dies ehrgeizige Unterfangen nur mit Hilfe von (dem Unternehmen) Orange möglich gewesen ist, das gleich die Bedeutung unseres Anliegens verstand und sich als titelgebender Sponsor und als Partnerverpflichtete“

Drittens. In diesem Sinne ist der Ausstieg von Orange lediglich das „Ende einer Ära“, eine Zäsur, mit der für den Preis eine Weiterentwicklung möglich wird; denn von einem neuen Sponsor, der ja wiederum auch als Partner gedacht ist, werden neue Anregungen und Anstöße erwartet. Dementsprechende Gespräche sind Kate Moss zufolge bereits in einem fortgeschrittenen Zustand.

Hehre Worte, heiße Rhetorik, um (potentiellen) Geldgebern Lust zum Einstieg zu machen? Klar, zum Geschäft mit Sponsoren gehört überall ein gewisses Maß an Lobhudelei. Doch die beiden hier genannten Preise haben die Literatur- und Buchlandschaft verändert – über England hinaus. Und beim Booker Prize ist der Übergang vom Erst- zum Zweitsponsor voll gelungen. Dieser Literaturpreis heißt deshalb heute „Man Booker“.

Übrigens: Auf der Shortlist für den diesjährigen Orange Prize of Fiction stehen die Kanadierin Esi Edugyan, die Irin Anne Anright, die Engländerin Georgina Harding sowie die amerikanischen Autorinnen Madeline Miller, Cynthia Ozick und Ann Pratchett. Die Preisverleihung findet am 30. Mai statt.

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