Der Förderpreis INPUNCTO BUCH setzt neue Maßstäbe – zum Nutzen von Autoren, Lektoren, Verlagen, Buchhandel und Publikum

Ein wirklich innovativer Drive, etwas Wegweisendes zur Förderung des Verlegens von wichtigen Büchern ist in Gang gebracht worden. Die bedeutsamen Faktoren:

1. die außergewöhnlich hohe Dotierung des Preises.

Der neue Förderpreis INPUNCTO BUCH [mehr…]soll die Publikation eines wichtigen Werkes möglich machen, das ohne ihn wohl nicht herauskommen würde. Dafür ist er mit 30.000 Euro dotiert. So viel Geld steht sonst selten an.
Das ist schon mal sehr gut.

2. ein sensationeller neuer Weg in der Vergabe von Preisgeldern.

Dieses Preisgeld wird nun aber nicht, wie üblich in Deutschland (meist für wissenschaftliche Werke), wie in Österreich dank etlicher Bundes- und Landesbehörden und in der Schweiz insbesondere von der Stiftung Pro Helvetia generell als Druckkostenzuschuss einfach ins Geldsäckel eines Verlages fließen.
Der Initiator des Förderpreises, der in diesem Jahr erstmals ausgeschrieben wird, die INPUNCTO BUCH-Arbeitsgemeinschaft für den gesamten Publishing Workflow vom Manuskript bis zum fertigen Buch – hat sich nämlich etwas Besonderes ausgedacht, und dafür deshalb auch Unterstützung von Sponsoren gewinnen können – das Marktforschungsunternehmen Innofact AG, die Leipziger Buchmesse, das Hochschulportal uni-online.de und die Branchenzeitschrift BuchMarkt (Betreiber dieser Homepage).
Das Geld des Förderpreises INPUNCTO BUCH wird dem Verlag, der das prämierte Werk konzipiert, nämlich nicht als Cash zur Verfügung gestellt.
Hier geht es also nicht, wie gewöhnlich, bloß um finanzielle Geburtshilfe für einen Titel, der sonst höchstwahrscheinlich nie das Licht der Welt erblicken würde.
Die Ausrichter des Preises, also die Partner von INPUNCTO BUCH – ein Verlagsdienstleister, eine Setzerei, ein Repro- und Digitaldruckspezialist, eine Druckerei, ein auf Informationssysteme spezialisiertes Unternehmen sowie eine Werbeagentur – liefern stattdessen Know-how und Leistungenim Wert von 30.000 Euro.

Warum diese Innovation im Bereich von Buchpreisen so bedeutsam ist:

Natürlich wird da für die Veranstalter – wie für die Sponsoren – des Preises auch das Motiv der Eigenwerbung eine Rolle spielen. Doch wo gilt das nicht? Entscheidend ist die Frage: Hat er eine darüber hinausgehende Wirkung? Und: Bietet sie mehr als die gewöhnliche Form der Überweisung eines Zuschusses, die lediglich die Publikation eines Werkes an sich fördert?

Ja. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Förderpreises INPUNCTO BUCH.

1. Er leistet eben nicht nur finanzielle Geburtshilfe für den einen Titel. Dem Kleinst- oder Kleinverlag, der ihn gewinnen sollte, fehlt es – bei aller Bewunderung für seine Ambitionen, seine Ideen und seinen Idealismus – oft ja nicht nur an dem nötigen Kapital, sondern auch am nötigen fachlichen Rundumwissen. Ihm würde dieser Preis – außer der Publikation eines sonst nicht realisierbaren Buchplans auch die Chance bieten, insgesamt, als Verlag, besser und schneller Laufen zu lernen.

2. Das mag selbst auf mittlere Verlage zutreffen. Für sie – wie noch mehr für größere unabhängige Häuser, vor allem jedoch wohl für konzerngebundene Verlage – gilt aber noch etwas anderes: Sie sind oft so strukturiert, durch Ertragsziele und Teamhierarchien, und eine kaufmännische Schere im Programmkopf inzwischen schon so orientiert, dass für ein mit besonderem Risiko verbundenes persönliches Engagement und Querdenken kein Raum mehr geblieben ist. Ihnen könnte dieser Preis die Möglichkeit bieten, aus dem normal gewordenen Gang auszuscheren, um wieder kreativ zu werden. Anders gesagt: einer besonders kreativen Lektorin, einem mutigen Lektor die Chance zu eröffnen, ein Werk zu lancieren, von dem er – vielleicht nur er – mit Herz und Verstand überzeugt ist. Die Kauf- und Vertriebsleute haben es ja leichter, den Lektoraten immer wieder vorzuführen, dass sie mit ihren Vorstellungen recht haben, als umgekehrt; und ihr Wort hat gewöhnlich mehr – nicht selten zu großes – Gewicht. Der Förderpreis INPUNCTO BUCH ist ein Preis zur Unterstützung eines – zum Schaden aller hier und da leider untergegangenen – freien Lektorendenkens. Deshalb sollten in mittleren, in größeren und konzernanten Verlagen LektorInnen (vielleicht sogar im internen Wettbewerb) ihre Vorschläge einreichen dürfen – und dazu gar ermutigt werden.

3. Literaturpreise subventionieren in der Regel Autoren, damit sie schreiben können oder als Künstler öffentlich Anerkennung finden. Druckkostenzuschüsse, die verlagsintern verwaltet werden, dienen dazu, dass ein Buch überhaupt erscheint. Beides ist schön und gut – greift aber viel zu kurz; denn ein Buch, das nicht bekannt gemacht wird, ist bloß ein physischer Gegenstand. Seinen Sinn findet es erst, wenn es einem Publikum zugänglich gemacht wird. Das zu erreichen, fehlt es kleinen Verlagen meist personell wie finanziell an Ressourcen – und je größer ein Verlag, umso mehr sind die Vertriebs- und Werbeabteilungen auf den Mainstream eingeschworen, so dass es ihnen häufig an Zeit (wenn nicht bereits an Fähigkeit) mangelt, um sich wirksam für etwas vermeintlich Abseitiges einzusetzen.

Im Förderpreis INPUNCTO BUCH aber sind Marketing- und Werbeleistungen enthalten im Wert von 10.000 Euro. Damit wird der prämierte Titel (wesentlich) besser ausgestattet als der Grossteil des normalen Programms.

Der Förderpreis INPUNCTO BUCH ist der seltene Fall eines Preises, der von vornherein so angelegt ist, dass er dem Autor, dem Buch, dem Verlag – und dem lesenden Publikum zugute kommt.

Ich kann allen Lektoren, Verlagsleitern und Verlegern deshalb nur empfehlen, ein wichtiges Projekt einzureichen, das sie sonst nicht zu realisieren vermöchten – an dem sich im übrigen beweisen könnte, dass verlegerisches Risiko lohnt. Ich bin sicher, dass die Jury eine Entscheidung treffen wird, die alle Gesichtspunkte im Auge hat. Und dass die Vorstellung des preisgekrönten Titels auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr des nächsten Jahres dann auch Aufsehen erregen wird.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

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