Beckmann kommtiert Der Internationale Impac Literaturpreis zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus

Immer wieder macht der Internationale Impac Literaturpreis Dublin von sich reden. Nicht nur, weil er mit 100.000 Euro ungewöhnlich hoch dotiert ist. Bei der eben veröffentlichten Shortlist dieses Jahres fällt zweierlei auf: Zum einen sind unter diesen nur acht Titeln nur zwei Autoren aus den englisch sprechenden Literaturländern – Australien und Irland – vertreten; die übrigen stammen aus Algerien, Israel, dem Libanon, Russland, Spanien und Sri Lanka. Zum andern fehlen große Namen, die man eigentlich erwartet hätte, Namen wie etwa Margaret Atwood, Cormac McCarthy, Thomas Pynchon oder Philip Roth. Anders gesagt: Hier tauchen diesmal keine Schriftsteller auf, die bereits mit anderen großen Preisen geehrt wurden. Das ist mutig.

Es mag mit der Zusammensetzung der Jury zusammenhängen. Ihr gehören unter dem Vorsitz des früheren vorsitzenden Richters am amerikanischen Court of Appeals, Eugene R. Sullivan, Vertreter aus fünf Nationen an: die aus Jamaica gebürtige Literaturwissenschaftlerin und Romanautorin Patricia Duncker – in deutscher Übersetzung beim Berlin Verlag; die in Großbritannien tätige Literaturdozentin und Essayistin Eiblhin Evans; der nigerianische Lyriker und Romanautor Helon Habila und der pakistanische Schriftsteller Aamer Hussein, der am New Yorker Bard College Creative Writing lehrt. (Unter ihnen, auffälligerweise, nicht ein einziger Promi des Literaturbetriebs, kein Feuilleton- bzw. Literaturredakteur; auch kein regulärer Literaturkritiker.)

Einzigartig ist auch die Art und Weise, wie die Longlist – mit jetzt 137 Titeln – zustande kommt: durch Nominierungen von – diesmal – 161 öffentlichen Bibliotheken in 161 Städten aus Australien, Finnland, Frankreich, Irland, Kanada, dem Libanon, Sri Lanka und den Vereinigten Staaten. (Notabene: Großbritannien fehlt. Will man sich bewusst von London und seinen Preisen absetzen?)

Eine – hierzulande vielleicht nachahmenswerte – Besonderheit des Impac Literaturpreises: Falls er einem Autor für ein – ins Englische – übersetztes Werk zugesprochen wird, erhält der Übersetzer ein Viertel des Preisgeldes.

Die Autoren der diesjährigen Shortlist sind: der Spanier Javier Cercas, Yasmine Gooneratne aus Sri Lanka, der Libanese Rawi Hage, die Australierin Gail Jones, Sayed Kashua aus Israel, Yasmina Khadre aus Algerien, der Ire Patrick McCabe und André Makine aus Russland.

(Im vergangenen Jahr ist mit dem Impac geehrt worden der schwedische Schriftsteller Per Petterson für seinen Roman Pferde stehlen, deutsch bei Hanser.

Gerhard Beckmann freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

(Die vorige Kolumne finden Sie hier [mehr…]. Weitere Beiträge der Kolumne „Beckmann kommentiert“ im Archiv unter dem Stichwort: „beckkomm“.)

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