Der neueste Marketing-Trend: das Cross-Over von Erwachsenen- und Kinderbuchliteratur. Im nächsten Jahr wird James Bond als Held im Teenageralter auftreten

Natürlich hat mit Harry Potter nicht alles angefangen. In Deutschland muss man sich ja bloß einmal an Michael Endes „Unendliche Geschichte“ und „Momos“ in den 1970/80er Jahren oder an Jostein Gaarders „Sofies Welt“ Anfang der 90er erinnern – Titel, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihren Bann zogen und auf den Bestsellerlisten Platz Eins eroberten. Doch seit J.K. Rowling wird in den Verlagen, im Buchhandel wie in den Medien so etwas wie eine Bewusstseinsveränderung spürbar, zu der, im Angelsächsischen mehr als bei uns, in jüngster Zeit Cornelia Funke gehörig beigetragen hat. Seit J.K. Rowling hat modernes Verlagsmarketing die Kinder- und Jugendbuchliteratur entdeckt.

Kinderbuch-Autoren „erfreuen sich großer Verkaufserfolge, die in diesem Genre bis vor wenigen Jahren selten gewesen sind“, hat Nicholas Clee, Chefredakteur der britischen Branchenzeitschrift The Bookseller in der Londoner Tageszeitung The Guardian festgehalten. Anlass war der Roman „Scorpia“ von Anthony Horowitz – sein fünfter mit dem jugendlichen Spion Alex Rider im Mittelpunkt. „Scorpia“ hatte im April binnen zwei Wochen 50.000 Käufer gefunden und den vierten Rang der Belletristik-Bestsellercharts erklommen.

Ein Kinderbuch besonderer Art ist auch der (wohl dank Elke Heidenreich) gegenwärtige Hardcover-Bestseller Nummer Eins „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ (Blessing) von Mark Haddon. Auf den britischen Charts ist dieser Titel seit einiger Zeit im Taschenbuch gleich doppelt führend vertreten, unter zwei verschiedenen Verlagslabels, mit zwei unterschiedlichen Schutzumschlägen – einmal für junge, zum zweiten für erwachsene Leser.

Wird er hier zu Lande im Taschenbuch ebenfalls zweifach herauskommen: bei btb oder Goldmann und bei Omnibus (wie Blessing Verlage unter dem Dach von Random House Deutschland)? Oder ticken deutsche Programm/Marketing-Strategen anders als ihre britischen Kollegen? Herrschen hier andere Voraussetzungen?

Könnte sich solche Praxis vielleicht gar als Sackgasse erweisen?

Auf jeden Fall ist da etwas in Bewegung gekommen.

Müsste die bisher scharfe Trennung von Belletristik für Erwachsene und Kinder/Jugendbuch eventuell grundsätzlich überdacht werden, weil sie längst überholt ist? Wird sie dem heutigen Kauf- und Leseverhalten noch gerecht? Wirkt sie Absatz mindernd? Und warum tauchen, im Gegensatz etwa zu Großbritannien, in unseren Erfolgsrankings Kinder- und Jugendbücher so selten auf? Wird von ihnen hier zu Lande etwa weniger verkauft?

Cross-Over scheinen allgemein zuzunehmend, im Trend zu liegen.

Wie soeben bekannt wird, hat die Nachlassverwaltung von Ian Fleming dem Schriftsteller Charlie Higson die Genehmigung für zwei Werke erteilt, die 007 im Teenage-Alter schildern. Das erste soll im März 2005 herauskommen (bei Puffin) und James Bond als 13jährigen zeigen, der unmittelbar vor seinem Eintritt ins englische Elite-Internat Eton in ein Abenteuer hineingezogen wird, bei dem ein altes Schloss in Schottland sowie ein undurchsichtiger Amerikaner eine zentrale Rolle spielen.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

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