Beckmann kommtiert Die neue Bloomsbury Strategie wertet Deutschland auf

Im Bereich der Publikumsverlage stellt das vor 21 Jahren (1986) von Nigel Newton und Liz Calder gegründete Unternehmen Bloomsbury eine einzigartige Erfolgsstory dar. Das entscheidende Moment des spektakulären Wachstums ist mit dem Namen einer Autorin verbunden: J.K. Rowling.

Es war die Entscheidung (1996) das erste Manuskript der damals arbeitslosen 31jährigen Lehrerin und alleinerziehenden Mutter zu verlegen, welche Βloomsbury den beispiellosen Erfolg bescherte – einen Erfolg, der alles andere als vorprogrammiert war. Der erste Harry Potter-Roman war von englischen Kinderbuchverlagen reihum abgewiesen worden, übrigens auch von Liz Calder und Nigel Newton, die eben erst ein Kinder-und Jugendbuchprogramm aufbauten. Sie haben dann, was eher ungewöhnlich ist, ihren negativen Beschluss noch einmal überdacht und revidiert, allerdings ohne große kommerzielle Erwartungen. Der erste Harry Potter kam vor zehn Jahren (1997) in einer Erstauflage von lediglich 500 Exemplaren heraus. Die weitere Entwicklung ist allen hinlänglich bekannt.

Erfolgreich und expansiv war Bloomsbury freilich schon vorher gewesen. Deshalb ging man 1995 an die Börse. Dank J.K. Rowling und der ‚garantierten’ sieben HP-Bände stieg der Kurswert dieser Aktie bis auf 972 Pence. Anfang 2007 fiel er auf rund 260 Pence – ein Wert, der sich im Laufe des Jahres nahezu halbierte, als bekannt wurde, dass es nach dem siebenten band keine weiteren Harry Potter-Romane mehr geben wird. Nigel Newton muss also eine skeptische Londoner City überzeugen, dass Bloomsbury auch ohne Harry Potter auf Wachstumskurs bleibt, um den Börsenwert des Unternehmens zu stabilisieren..

Die immensen Gewinne hat Bloomsbury bereits laufend gut investiert – durch die Übernahme u.a. von „Whitakers Almanack“ wie von A.C. Black (2000) und dem Berlin Verlag (2003), ein eigenes Taschenbuchprogramm und die Gründung von Bloomsbury-Zweigen in den USA und in Deutschland.

Und nun wird’s hochinteressant. Für eine weitere Expansion setzt Nigel Newton nämlich vor allem auf den deutschen Buchmarkt, auch weil Bloomsbury Berlin hier die Umsätze in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 36 Prozent zu steigern vermochte.

Zur Begründung gibt die für Deutschland verantwortliche Bloomsbury-Direktorin Kathy Rooney laut dem „Guardian“ vom 28. Dezember an: die Stärke des unabhängigen deutschen Buchhandels, die längere Lebensdauer von Hardcover-Titeln und die Buchpreisbindung in Deutschland.

Als Kernrezept der Erfolge betrachtet Newton die wöchentliche Telefonkonferenz der Bloomsbury-Lektoren in London, New York und Berlin über vielversprechende neue Buchprojekte – so hat beispielsweise Bloomsbury Berlin sofort zugegriffen, als man aus London von Khaled Housseinis neuen Roman hörte, der gegenwärtig hoch oben auf den deutschen Bestsellerlisten rangiert.

Bislang ist solcher Informationsaustausch der Lektorate angelsächsischen Autoren zugute gekommen. Ein Hauptziel für die nahe Zukunft: Einen deutschen Autor zu finden, den Bloomsbury auch auf dem englischsprachigen Weltmarkt durchsetzen kann.

Gerhard Beckmann freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

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