Der Messe-Mayer Donnerstag: Menschen, Muscheln, Morgenlicht

Liebe Freunde,

das war ein sehr, sehr schöner Auftakttag. Ich hatte viel zu tun, viel zu essen und viel zu lachen. Auch etwa in dieser Reihenfolge. Das Wetter war herrlich, die Hallen voll, Zille kann zufrieden sein.
Interessanterweise spreche ich immer von Herrn Boos, aber den Zille nenne ich immer Zille. Das ist auf keinen Fall despektierlich gemeint, sondern eher zutraulich. Sie sind halt der Zille!

Eine Messe für die ganze Familie!
Sieht geil aus, ist aber ein verdammtes Treibhaus

Leipziger Lesekompass

Ich hatte die große Ehre, eine der Eröffnungsveranstaltungen zu moderieren! Die Stiftung Lesen und die Leipziger Messe haben zusammen den ersten Leipziger Lesekompass herausgebracht, und der wurde in einem einstündigen Programm vorgestellt. Kompass heißt das, weil er in Richtung Lesespaß zeigt: Eine sorgfältige und vergnügliche Auswahl von 30 Kinder- und Jugendbüchern, die den Lesern gefallen sollen – und nicht vorrangig den Eltern.

Aber zuerst mal gab es ein gemeinsames Frühstück mit den beteiligten Schülern und Juroren. Die Morgenandacht hielt Dr. Dirk Zorn.

Kaffee-Katechet

Ich wollte aber nichts essen. Ich will morgens nur einen Kaffee und eine Zigarette, und darob entbrannte eine Debatte, wie man das nennt: Pariser Frühstück oder New Yorker Frühstück? Eine der Schülerinnen, sie mag 14 gewesen sein, behauptete, dass sie das unter einem ganz anderen Namen kennen würde, aber dass sie das nicht laut sagen würde.
Das hat sie zweimal kess wiederholt, so dass ich sie bat, das Wort in mein Notizbuch zu schreiben. Hauptgeschäftsführer Dr. Jörg Maas wollte das Wort nun auch wissen. Ich sagte ihm, das könne er nur auf www.buchmarkt.de nachlesen.

So, Stiftung Lesen: Die Veranstaltung war ein schöner Erfolg, sie war gut besucht und hatte einen Leporello mit 30 lesenswerten Büchern für junge und kindischgebliebene Menschen zum Ergebnis. Kein Wunder, dass ich das moderieren sollte.

Aber die waren allesamt noch viel besser.

…und nicht zu vergessen das neue Wort, das ich heute gelernt habe.

Phänomene

Aber ich habe noch mehr gelernt. Zum Beispiel dass die Kreativwut von Maskottchenkostümdesignern so recht eigentlich gar keine Grenzen kennt.

Ich glaube, der arme Mensch soll eine App sein

Ich habe gelernt, dass man bei einem Brand…

…immer schön die Türem schließen soll!

Doch, doch, die Türem!

Denn Sicherheit wird auf dieser Messe schließlich groß geschrieben.

Das sieht die Versicherung sicher nicht so eng.

Stellen Sie sich vor: Der Deutsche Bundestag hatte zum ersten Mal einen eigenen Messestand! Nicht zu fassen, wer heutzutage alles mit einem Stand auf so eine Messe will! Warum nicht gleich noch Ikea und den ADAC? Und dann hauen die da so eine Steampunk-Kuppel hin, dass es eine Pracht ist.

Macht allerdings Eindruck, das gebe ich zu.

Vor dem Stand wurden Spiele für Jugendliche angeboten – und zwar Brettspiele! Das wiederum finde ich sehr lobenswert.

Ein Brettspiel! Analog!

Und die Jungs lernen schnell: Irgendwer hat dem Bundestag wohl geflüstert, dass man auf der Buchmesse unverzichtbar eines tun muss – Taschen verschenken.

Aber doch nicht so hässliche!

Muscheln

Aber nun genug der Berichterstattung, jetzt habe ich mir erst mal ein Mittagessen verdient. Ein Highlight der Leipziger Messe ist nämlich jedesmal das exklusive Mittagsmahl des Frankfurter Messestandes. Die rühren schon mal kräftig die Werbetrommel für Neuseeland im Herbst und kredenzen daher eine köstliche neuseelänische Muschelsuppe mit Kichererbsen. Ich stelle mich vorsorglich schon mal an, obwohl das Essen erst in anderthalb Stunden fertig ist.

…und bin vor der Suppe da. Wo ist denn die Suppe?

Also da ist schon mal das Frankfurter Messemanagement, Gabi Rauch-Kneer und Juergen Boos. Da kann doch die Suppe eigentlich nicht weit sein.

Das ist aber mehr Schlussfolgerung als Assoziation.

Bis es soweit ist, habe ich wieder das große Vergnügen, die fabelhafte Maren Ongsiek zu treffen. Bei meinem Faible für Besenkammern ist es ein besonderes Glück, dass Frau Ongsiek immer Zutritt zu allen Kabuffs hat. Aber ich hoffe, dass das jetzt nicht zweideutig klingt.

Die holt da nämlich Geschenke raus für mich.

Und zwar diese: Einen Backhandschuh und die neue Messe-Tassen-Edition!

Braucht man von so einem Handschuh nicht zwei?

Endlich lerne ich Anne Eckert kennen, und das wurde ja auch mal Zeit. Anne Eckert ist nämlich Bloggerin der Frankfurter Buchmesse, also fast wie ich, nur in gut.

Hier versuchen wir gerade, eine loriotgerechte Ehe-Atmosphäre zu erschweigen.

Ich möchte einfach nur hier sitzen.

Und das darf ich ja auch, denn meine Muschelsuppe ist fertig:

…und wird prompt serviert.

Ich bekomme sie aber nur unter der Bedingung, dass ich sie zu einem frankfurtlastigen Stilleben anordne.

Und jetzt her mit dem Löffel, oder ich trinke aus dem Topfhandschuh.

Mit solcherlei Köstlichkeit im Magen kann ich auch den Rest des Tages stemmen. Also zuerst mal schauen, wo ich nach dem tollen Essen einen Kaffee herkriege. Bzw. da muss ich nicht lang schauen, da gehe ich einfach mal zu ars Edition, wo zwei freundliche Damen schon mal einen Sonnenstrahl zu meiner Begrüßung ausgerollt haben.

schöner kann man schlechte Fotografie nicht rechtfertigen.

Leider wird Tamara Laske von Kundschaft abgelenkt, so dass ich ihren Espresso irgendwie vorm Kaltwerden bewahren muss. Ich habe ihn dann getrunken, so bleibt er sicher am längsten warm.

Solchermaßen beflügelt schnappschieße ich zwischendrin dtv-Bestseller-Autorin und treue Messe-Rauchpausen-Partnerin Dora Heldt und an anderer Stelle den ewigbeschäftigten Synchron- und Hörspielstar Oliver Rohrbeck. Frau Heldt war gerade erst angekommen, also wirklich gerade eben erst. Sie war erst zehn Minuten und einen cm Kaffee lang hier.

da würde ich auch erholt aussehen und nicht reserviert

Und den Rohrbeck bringe ich auch auf jeder zweiten Messe, ich weiß. Die laden halt immer dieselben ein. Nächste Messe bringe ich dann wieder den Brückner.

Ben Stiller, Justus Jonas und Grisu, der kleine Drache

Am Nachmittag hatte ich bei Südwest ein Interview mit Michaela Merten und Pierre Franckh, Schauspieler-, Autoren- und Heilsbringer-Ehepaar in Sachen Glücklichsein. Also genau die Art Literatur, mit der ich nix anfangen kann.

Sieht harmlos aus. Isses aber nicht.

Viel habe ich also ohnehin nicht erwartet von diesem Gespräch. Und dann wurde es so gut, dass ich es nun nicht drucken kann. Aber das hat eher technische Gründe. Erstens mal sind Michaela Merten und Pierre Franckh keine weichgespülten Langweiler, sondern beide völlig durchgeknallt. Das stellt noch Hademar Bankhofer in den Schatten, und den vergöttere ich ja bereits.
Hier z.B. duellieren sich Frau Merten und ich um unsere Mikrofongrößen.

Und sie gewinnt.

Und hier gibt es ein kleines Oooooooh.

Und so ging das pausenlos.

Zweitens wurde und wurde das einfach kein Interview. Ich habe zwar über eine halbe Stunde Material auf Band, aber glauben Sie nicht, dass da ein diszipliniertes, informatives Gespräch stattgefunden hätte. Das war mehr ein wilder Ritt durch das Dickicht der Schlagabtäusche. Irgendwann saß ein Messegast zwischen uns und lachte und plauderte mit, weil er dachte, hier sei einfach eine lustige Runde. Wir waren laut und lustig, aber es sah weißgott nicht aus wie ein Interview.

Und wir haben es gefilmt.

Das heißt für diesen Messe-Mayer-Beitrag zweierlei: Sie werden hier und heute nichts über unser Derwisch-Gespräch lesen. Außer dass es keines war. Und Sie werden dieses Glanzstückchen heiterster Messezeitvergeudung als Video nachgereicht bekommen. Freuen Sie sich drauf.

Bis dahin begnügen Sie sich mit den Fotos, die suggerieren sollen, hier hätte ein Interview stattgefunden und nicht eine Kegelrunde.
Wo holt Südwest-Goldnase Daniela Völker nur immer wieder diese Typen her?

Vielen Dank für das Dings.
Gespräch.

Ach ja, das Buch heißt Nicht ohne meinen Rettungsring.

Ich will zu Kein & Aber und Alexander Elspas fragen, warum er Sascha heißt. Wahrscheinlich hat er diese Frage schon öfter beantwortet als ich sie je fragen konnte. Sascha ist die russische Koseform von Alexander.
Dieser Elspas! Ein so erstklassiger Networker, dass sogar seine Vornamen ein Netzwerk bilden.

Meisterhaftes Foto: Drei Leute, und keinen erkennt man.

Dort lerne ich auch endlich mal Dirk Rumberg kennen, Erfinder der berühmten SZ-Bibliothek und nebenbei mit Rumbergs Randnotiz auch Glossistenkollege beim BuchMarkt. Und das merkt man: Wenn dieser Mann in Fahrt ist, dann regt er sich druckreif auf. Ein Virtuose des gerechten Ennui, der wenigstens einen Fachbesuchertag erbittet.

Ich glaube, ich gehe dann zur Happy Hour der Frankfurter Messe. Da wird es exquisite neuseeländische Weine geben, und ich versprach Ihnen ja gestern einen Grund, den Leipziger Messepreis wieder zu verpassen.

Es ist aber auch immer wieder voll dort!

Und das sind nur die nominierten Autoren!

Voll, und überall im Gebüsch verbirgt sich auch noch Security.

Also lieber neuseeländischer Weißwein statt Zimmerpalmen-Söldner.

Ich denke doch, dass die Happy-Hour-Entscheidung gerechtfertigt ist.

Auf dem Heimweg treffe ich am Taxi-Stand Denis Scheck in der Warteschlange und frage ihn, wann er denn mal Zeit für ein Interview habe.
Er sagte, jetzt passe es ihm gerade.

I walk the line

Das Lustige an diesem Foto ist ja nicht Denis Scheck, sondern dass ganz hinten Chefredakteur Christian von Zittwitz steht und ich mein Taxi noch vor ihm bekomme.

(Grüße an Mischa an dieser Stelle.)

Ich habe nur eine einzige Frage an Denis Scheck: Ich will wissen, ob es für Scheck schwierig ist, einen netten Autor zu interviewen, wenn er ein schlechtes Buch geschrieben hat.

Das sei immer sehr schwierig, so der Literaturdifferenzialdiagnostiger. Das sei noch schwieriger als wenn furchtbar unfreundliche Autoren sehr gute Bücher schreiben. Denis Scheck rät mir zu zweierlei: Objektivierung oder Schöntrinken. Oder war das Schönlesen?

Naja, das ist für uns Journalisten eh dasselbe.

Falls Sie mich noch immer nicht für einen Journalisten halten (was sehr für Ihr Urteilsvermögen spräche), dann sehen Sie sich einfach meinen letzten Job für die Zeit an:

engere Wahl beim Maskottchen-Casting

Ich wünsche Ihnen einen schönen Messe-Freitag!
Herzlichst,

Ihr
Matthias Mayer

herrmayer@hotmail.com
www.herrmayer.com

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.