Dreimal hoch: BILD „macht“ nicht nur „Becker“- und „Bohlen“-Bücher

Die Bildzeitung macht Bücher zu Bestsellern. Und serialisiert keineswegs nur, wie naserümpfend gern kritisiert wird, Bücher von Promis, Stars und Sternchen wie Becker, Bohlen und Uschi Glas.

Ein Beispiel dafür war die Serie der vergangenen Woche aus Joachim Fests ausgezeichnetem seriösem zeithistorischen Sachbuch Der Untergang – ein Beispiel, das noch etwas anderes deutlich macht. Der Titel ist bereits 2003 erschienen: Bild hat also, mit Bernd Eichingers aufsehenerregenden gleichnamigen Film als Anlass, einem „alten“, einem Backlist-Titel publikumswirksam neue Aktualität gebracht – was sich natürlich anbot: Denn Fests Sachbuch Der Untergang bildet ja die Vorlage des Films.

Aber geht es Bild bei den Autoren letztlich nicht immer nur um „große Namen“ – zu denen schließlich auch Joachim Fest zählt? Eben nicht unbedingt. Das zeigt die Serialisierung dieser Woche: Bomben. Trümmer. Lucky Strikes. Die Stunde Null in bisher unbekannten Manuskripten , dessen Herausgeber, der Historiker Peter Kruse, kaum einer kennt. [mehr…] Ebensowenig kommt das Buch, wie Bild gern unterstellt wird, aus einem Groß- oder Konzernverlag. Es erscheint nämlich am 16. September im ersten Programm eines Kleinverlags namens wjs, von dem bislang kaum einer gehört hat, wurde er doch erst vor kurzem erste Wolf Jobst Siedler jr. in Berlin gegründet. Bild bedient das durch den Eichinger-Film ausgelöste, anhaltende breite öffentliche Interesse am Zusammenbruch des Dritten Reiches und der Zeit in Deutschland unmittelbar danach mit dem Stoff eines weiteren seriösen Sachbuches.

Das auflagenstarke Boulevardblatt wird seit einiger Zeit zum zunehmend stärkeren Absatz fördernden Faktor auf dem Buchmarkt. Die Buchhändler (und die Titel gebenden) Verlage kann es nur freuen. Die Sache hat jedoch einen weitergehenden, vielleicht noch wichtigeren Aspekt: Indem die Bildzeitung nach ihren Wirkungskriterien, den Kriterien eines Massenmediums, Bücher herausstellt und breiten Bevölkerungsteilen näherbringt, trägt sie dazu bei, das Buch wieder in seiner Bedeutung als ein gesellschaftliches Leitmedium sichtbar zu machen.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.