Ein Plädoyer für die neue große Büchersendung des ZDF

Das Editorial der Zeitschrift Literaturen – deren eben erschienenes Septemberheft übrigens ganz besonders informativ, aufschlussreich und anregend ist – mokiert sich über die ZDF-Bücherschau zum 1. Oktober mit dem Titel „Unsere Besten. Das grosse Lesen“. Mit dieser Sendung, so befürchtet das Redaktionsteam von Literaturen, ziele das ZDF „auf eine massentaugliche Ranking-Show wie schon bei Die großen Deutschen.

Herrjemine – muss denn das Fernsehen nicht, auch bei Büchern, ein „massentaugliches“ Format anstreben? Es ist schließlich ein Massenmedium, und wenn seine Programm-Macher etwas bewirken wollen, wie hier für Bücher und für das Lesen, muss die Sache schließlich auch massentauglich sein!

Die bisherigen deutschen TV-Literatursendungen – ausgenommen vielleicht „Das literarische Quartett“ in seinen Anfängen und gewiss Elke Heidenreichs „Lesen!“; die von der Zunft der Literaten und Kritiker jedoch weithin auch schon als des literarischen Geschäfts unwürdig abgekanzelt wurden – sind, was Einschaltquoten angeht, Rohrkrepierer gewesen. Sie waren und sind eher „fernsehuntauglich“. So kann der Bildungsauftrag , der von unseren Kultureliten stets vehement eingefordert wird, wohl kaum wahrgenommen werden. Der Bildungsauftrag wird schließlich nur dann erfüllt, wenn solche Programme das fernsehende Publikums weitmöglichst erreichen und ihm zugleich Literatur vermitteln.

Das ZDF versucht es zumindest mal. Schon das verdient Lob. Ob es die Sendung im einzelnen optimal gestaltet, ist dann eine andere Sache. Und was ist eigentlich dagegen zu sagen, dass hier – wie schon bei dem britischen Originalformat der BBC mit singulärer positiver Einwirkung auf die breite Lektüre gerade auch guter Bücher – nun erhoben und präsentiert wird, was die lesende Bevölkerung (so weit sie sich denn an der Abstimmung beteiligt) mehrheitlich als ihre Lieblingslektüren, als die für sie bleibenden, erinnerungswerten Bücher empfindet? Etwa nur der Einwand, das laienhafte Votum der vox populi decke sich nicht mit dem kanonischen Urteilen von Literaten und Kritikern? Widerspräche so etwas vielleicht dem Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens?

Das ZDF gibt freilich selbst Anlass zu einem Missverständnis. Dieses aufzuspießen hat die Literaturen-Redaktion völlig Recht.: Denn „das Lieblingsbuch ist nicht identisch mit dem besten“ – was immer „das Beste“ sein mag. Insofern ist die ZDF-Büchersendung mit dem Titel „Unsere Besten“ tatsächlich ein „Etikettenschwindel“ – oder zeigt sich darin nicht vielmehr ein typisch deutsches Missverständnis? Beim Vorbildformat der BBC nämlich wurde die britische Bevölkerung lediglich nach den „best belovedo novels“ befragt. Hier zu Lande aber traut man den Lesern offenbar nicht, schlicht und einfach ihre beliebtesten Bücher zu nennen. Glaubt man wieder einmal, die Leselust der Bevölkerung könne nur und müsse pädagogisch legitimiert werden?

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.