Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – April 2021

Der Pandemie-April 2021 ist zu Ende; ein Monat, der uns nicht viel Gutes, dafür aber viel Verwirrendes zu bieten hatte. Ich persönlich weiß nicht, wie ich diese seltsame Zeit ohne die Literatur und ohne mein überquellendes Bücherregal überstehen würde. Und durch das Stöbern in der bunten Welt der Literaturblogs sind auch in den letzten vier Wochen wieder etliche Buch- und Lesetipps zusammengekommen.

Im Blog Feiner reiner Buchstoff wird der Roman »Montecrypto« von Tom Hillenbrand vorgestellt, ein Buch, das ich im letzten Monat ebenfalls gelesen habe. Und durch das ich endlich verstanden habe, um was es bei Kryptowährungen oder bei der Blockchain eigentlich geht, wie sie miteinander zusammenhängen und vieles mehr. Und noch ein weiteres Fundstück gab es in diesem Blog (dessen Name ich so wunderbar finde): Eine Besprechung des Buches »Eine Odyssee – Mein Vater, ein Epos und ich« von Daniel Mendelsohn. Dieser autofiktionale Roman ist für mich eine der schönsten Vater-Sohn-Erzählungen der letzten Jahre.

Am 9. April 2021 war der 200. Geburtstag von Charles Baudelaire. Im Blog Aisthesis hat Lars Hartmann eine wunderbare Würdigung dieses skandalumwitterten Dichters und seines Werkes veröffentlicht.

Eines der erfolgreichsten Bücher des Frühjahrs ist »Hard Land« von Benedict Wells. Wer es noch nicht gelesen hat, dürfte dies nach der Besprechung von Pascal Mathéus im Blog Aufklappen baldmöglichst nachholen wollen. Sie beginnt wie ein Verriss – und endet mit einer spannenden, aber recht zutreffenden Prognose.

Der Blog The Daily Frown widmet sich einem ernsten Thema: Der Verdrängung der Kreuzberger Kiezbuchhandlung Kisch & Co. durch einen milliardenschweren Immobilieninvestor – eine Entwicklung, die nicht nur in Berlin die Lebensqualität unserer Städte bedroht. Hier sei unbedingt auf den Roman »Räuber« von Eva Ladipo hingewiesen, der genau diese Entwicklung ausleuchtet. Und dabei von der Wirklichkeit schon beinahe überholt wird.

Kürzlich hatte ich auf Twitter eine unangenehme Diskussion (was allerdings auf gefühlt 99 Prozent der auf dieser Plattform geführten Diskussionen zutrifft). Es ging um die DDR als totalitären Staat und nachdem ich meine Gespächspartnerin auf die vielen Menschen hinwies, die beim Versuch, ihr Land zu verlassen, erschossen wurden, entgegnete sie mir, dass es ja auch Ausreiseanträge gegeben hätte. Bei so viel Pietätlosigkeit und historischer Ignoranz war ich etwas sprachlos – und bin Constanze Matthes umso dankbarer für die Besprechung von Matthias Jüglers Roman »Die Verlassenen« in ihrem Blog Zeichen & Zeiten. Ein Roman, der sich authentisch mit den gnadenlosen Machenschaften der Stasi auseinandersetzt, deren zerstörerische Wirkung sich bis weit nach dem Ende der DDR entfaltete. Und der ein wichtiges Werk gegen die Verklärung der sozialistischen Diktatur darstellt.

Und ebenfalls im Blog Zeichen & Zeiten habe ich einen Beitrag über den Roman »Männer in meiner Lage« von Per Petterson gefunden. Die melancholischen Bücher dieses Autors schätze ich sehr und freue mich schon darauf, dieses zu lesen.

Marius Müller stellt in seinem Blog Buch-Haltung den Roman »Die Toten vom Gare d’Austerlitz« von Chris Lloyd vor. Es ist der Auftakt einer neuen Krimireihe, die 1940 im von der Wehrmacht besetzten Paris spielt. Seit ich vor vielen Jahren die »Berlin-Trilogie« von Philip Kerr in die Hände bekam, habe ich ein Faible für historische Kriminalromane und nach der Besprechung war ich sehr gespannt auf das Buch. Allerdings muss ich gestehen, das der Funke nicht so richtig überspringen wollte. Auf jeden Fall ein interessantes Setting.

Im Blog Bücheratlas schreibt Martin Oehlen – der 25 Jahre lang das Kulturressort des Kölner Stadt-Anzeigers leitete – über den neuen, interaktiven Stadtplan des LiK-Archivs. LiK steht für »Literatur in Köln« und mit den kartographierten Literaturorten erfahren die Nutzer auch viele spannende Details; etwa über das Praktikum von Anna Seghers im Museum für Ostasiatische Kunst, über den Besuch George Orwells im Alllianz-Gebäude, über die Wohnung von Dieter Kühn am Wiener Platz und vieles mehr.

Von Köln geht es in die Partnerstadt Barcelona. Dort lebt seit einem Dreivierteljahr Isabella Caldart, deren Literaturblog novellieren ich sehr schätze und mag. Und in dem sie einen Zwischenstandsbericht über die letzten Monate zu uns schickt.

Mit diesem Gruß aus der Ferne verabschiede auch ich mich und schließe den Netzrückblick mit den üblich gewordenen letzten Worten:

Passen Sie auf sich auf.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag in Köln. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

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