Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Juni 2021

Uwe Kalkowski

Es macht mir ohnehin großen Spaß, Monat für Monat zu lesen, was meine Bloggerkolleginnen und -kollegen veröffentlicht haben und Beiträge herauszusuchen, die ich hier vorstellen möchte. Dabei ist der Text über den Roman »Identitti« von Mithu Sanyal auf Bookster HRO ein ganz besonderes Lesevergnügen. Denn Literaturblogger Stefan Härtel hat damit in meinen Augen eine der besten und auf jeden Fall die originellste Buchvorstellung dieses vielbesprochenen Werkes verfasst. Unbedingt lesen.

Im Blog AISTHESIS bespricht Lars Hartmann das Buch »Romantik – Eine Einführung« von Dirk von Petersdorff. Ein sehr lesenswerter Text mit zahlreichen Verweisen auf andere Bücher zu diesem kulturgeschichtlichen Thema.

Im Juni wurde der Deutsche Sachbuchpreis verliehen. Gewonnen hat ihn Jürgen Kaube mit seinem Werk »Hegels Welt«. Bloggerin und Buchhändlerin Petra Wiemann gehörte zum Team der Sachbuchpreisblogger, die das Procedere auf ihren Plattformen begleitet haben. In ihrem Blog Elementares Lesen schreibt sie über die Preisvergabe. Blogger Stefan Diezmann war der Buchpate des Gewinnertitels und hatte ihn bereits im Mai ausführlich auf Poesierausch vorgestellt.

Um beim Thema Preise zu bleiben: Ebenfalls im Juni wurde bekannt gegeben, dass die simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. Im Blog intellectures interviewt Thomas Hummitzsch die Verlegerin Annette Michael, in deren Orlanda-Verlag das Werk Dangarembgas in deutscher Übersetzung erscheint. Ein weiteres sehr lesenswertes Fundstück in diesem Blog ist die grandiose Besprechung des Romans »Der Krieg der Armen« von Éric Vuillard, in dem es um das Leben des frühen Sozialrevolutionärs Thomas Müntzer geht. Große Leseempfehlung, Blogbeitrag wie Buch, das von Nicola Denis ins Deutsche übertragen wurde.

Die Kopenhagen-Trilogie der dänischen Autorin Tove Ditlevsen war im Frühjahr in aller Munde. Stellvertretend für die zahlreichen Besprechungen möchte ich hier den Beitrag im Blog Zeichen & Zeiten von Constanze Matthes nennen, der die Faszination der drei schmalen Bücher gut auf den Punkt bringt.

Im Blog Nur Lesen ist schöner berichtet Stephanie Sack von einer ganz besonderen Aktion. Im von der Münchner Glockenbach-Buchhandlung gemeinsam mit AstroLibrium-Blogger Arndt Stroscher und ihr initiierten Podcast »Glockenbachwelle« ging es in der neuen Folge um drei Kinderbücher aus dem Mixtvision-Verlag, um die Bedeutung von Büchern für Kinder, über Inhalte, Altersempfehlungen und vieles mehr. Parallel dazu gestaltete sie ein Kinderbuch-Schaufenster in der Buchhandlung. Eine feine Sache, mit viel Liebe umgesetzt.

Um gleich beim genannten Blog AstroLibrium zu bleiben: Sehr gut gefallen hat mir die Besprechung des Romans »W.« von Steve Sem-Sandberg, in dem der Autor die Lebensgeschichte Johann Christian Woyzecks nacherzählt. Es ist ein Roman, den ich gerade mit zunehmender Begeisterung lese.

Im Blog Buch-Haltung bespricht Marius Müller den grandiosen Roman »Die himmlische Tafel« von Donald Ray Pollock, übersetzt von Peter Torberg (den ich Anfang des Jahres zu seiner Neuübersetzung von »Fahrenheit 451«interviewen durfte.) »Die himmlische Tafel« ist nichts für Zartbesaitete, aber eine wahre Backlistperle aus dem Liebeskind-Verlag.

Mehr Backlist? Aber immer, ich bin sowieso ein Leser, der nicht immer nur den Blick auf Neuerscheinungen richtet, eher im Gegenteil. Im Blog literaturundfeuilleton wird »Der gelbe Bleistift« von Christian Kracht vorgestellt. Auf notizhefte schreibt Norman Weiß über den autobiographischen Band »Zwischenbilanz – eine Jugend in Berlin« von Günter de Bruyn. Und im Blog Lector in fabula geht es um den Klassiker »Verzweiflung« von Vladimir Nabokov.

Im Blog »Der Umblätterer« werden unter der Überschrift »Tausendseiter« seit 2014 Bücher gesammelt, die mindestens 900 Seiten umfassen – so ist dort eine grandiose Auflistung zusammengekommen.

Sophie Weigand bespricht in ihrem Blog Literature matters das Buch »Nicht ohne meine Kippa« von Levi Israel Ufferfilge; ein wichtiges Werk und ein sehr lesenswerter Blogbeitrag.

Und zum Schluß gibt es noch Poetisches. Auf The Daily Frown berichtet Fabian Thomas über das Berliner poesiefestival, insbesondere schreibt er über die »Berliner Rede zur Poesie« von Johannes Jansen.

Mit einem Blick auf meinen eigenen Blog Kaffeehaussitzer, in dem es im Juni nicht nur um Literatur geht, dafür aber um eine Situation, in der ich vor fast dreißig Jahren im richtigen Moment an der richtigen Stelle war, beende ich den Netzrückblick Juni 2021.

Passen Sie auf sich auf.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag in Köln. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick«auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

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