Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Mai 2021

Uwe Kalkowski

Seit fast genau acht Jahren bin ich in der Welt der Literaturblogs unterwegs und nach wie vor begeistert von der Vielfalt der dort veröffentlichten Texte. Es sind vollkommen unterschiedliche Schreibstile, Herangehensweisen, Lesevorlieben und Bloggestaltungen, die aber eines eint: Die Leidenschaft für Bücher und Literatur. In meinem monatlichen Netzrückblick kann ich nur an der Oberfläche dieser Vielfalt kratzen; vor allem soll diese Kolumne eine Einladung sein, sich selbst hineinzubegeben in diese abwechslungsreiche und quicklebendige virtuelle Welt. Es lohnt sich sehr.

Beginnen möchte ich diesmal mit etwas Hoffnung in Pandemiezeiten. Im Blog Fräulein Julia schreibt Julia Schmitz über kommende Literatur-Events in Berlin. Live und in Farbe. Und zwar in diesem Sommer.

Wer diese Kolumne schon länger verfolgt, weiß, wie sehr ich die Rubrik »Essen aus Büchern« im Blog schiefgelesen mag – dabei werden Gerichte aus Romanhandlungen als Rezepte zum Nachkochen aufbereitet. Zum fünfjährigen Jubiläum dieser Rubrik schreibt Bloggerin Marion Rave über die Bedeutung der Schilderung kulinarischer Vorlieben in Büchern, die immer auch gesellschaftliche Gepflogenheiten widerspiegeln. Mit schönen Beispielen aus der Literatur.

Sandra Falke stellt in ihrem Blog Literarische Abenteuer den Roman »Das Land der Anderen« von Leïla Slimani vor. Es ist ein Buch, das ich bislang nur am Rand  wahrgenommen hatte, was sich aber nach dieser ausführlichen und spannenden Rezension umgehend geändert hat.

Ein weiteres Buch, das ohne das Stöbern in den Literaturblogs meines Vertrauens an mir vorbeigegangen wäre, ist »Nennt mich Esteban« von Lejla Kalamujić. Im Blog Bücherkaffee bespricht es Alexandra Stiller kurz und eindrücklich – und hat mich sehr neugierig auf diesen Roman gemacht.

Um beim Blog Bücherkaffe zu bleiben: Ein Projekt, das ich dort sehr schätze, ist die wichtige Rubrik »Bücher gegen das Vergessen« von Jürgen Fottner. Hier stellte er im Mai das Buch »Mengele. Biographie eines Massenmörders« von David G. Marwell vor. Die Rubrik korrespondiert mit dem Leseprojekt »Das Unerzählbare« auf meinem eigenen Blog, das ich ergänzend hier ebenfalls verlinke.

Es müssen aber nicht immer Neuerscheinungen sein. Ganz und gar nicht, ich bin ohnehin eher ein Backlistleser. Daher finde ich den Beitrag im Blog buchpost hochinteressant, in dem es um einen 1999 erschienenen Band aus der Anderen Bibliothekgeht: »Geheime Welten: Deutsche Tagebücher aus den Jahren 1939-1947«, herausgegeben von Heinrich Breloer. Bei meinen nächsten Besuchen in der Buchhandlung Bittner – in der es ein ganzes Regal auch mit antiquarischen Ausgaben der Anderen Bibliothek gibt – werde ich danach Ausschau halten.

Blogger Marc Richter ist seit vielen Jahren großer Fan der Musik von Techno-DJ und Naturschützer Dominik Eulberg. Als dieser nun sein erstes Buch über die Natur vor unserer Haustür veröffentlichte (Transparenzhinweis: Es erscheint bei meinem Arbeitgeber), war das für Marc Richter ein willkommener Anlass, ihn für seinen Blog Lesen macht glücklich zu interviewen und über die Entstehung von »Mikroorgasmen überall« auszufragen.

»Die Schlange im Wolfspelz« von Michael Maar beschreibt, was Literatur zu »großer Literatur« macht; so verspricht es zumindest die Verlagsankündigung. Der Titel ist für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Bettina Schnerr, die mit Bleisatz zu den Blogs gehört, die den Preis begleiten, würdigt das Werk in ihrem Beitrag, zählt aber auch deutliche Kritikpunkte auf. Im Blog Buch-Haltung gibt es eine weitere Besprechung, die begeisterter ausfällt. Beide zusammen ergeben ein schönes Gesamtbild und sorgen dafür, das ich dieses Buch nun auf jeden Fall lesen möchte.

»Hegels Welt« von Jürgen Kaube ist ein weiterer für den Deutschen Sachbuchpreis nominierter Titel. Und Poesierausch ein weiterer den Preis begleitender Literaturblog. Blogger Stefan Diezmann hat sich intensiv mit dem Werk beschäftigt und stellt es ausführlich vor.

Birgit Böllinger rezensiert die Graphic Novel über das Leben und Werk von Rose Ausländer und macht damit sehr neugierig auf diese Annäherung an die Dichterin. Im Blog Leselebenszeichen geht es um Sophie Scholl und die Biographie von Robert M. Zoske. Und im Blog Feiner reiner Buchstoff wird ein Buch besprochen, von dem sich der Rezensent wünscht, er hätte es nur bis zur Hälfte gelesen.

Um Ausstellungskataloge geht es selten in Literaturblogs. Umso interessanter fand ich den Beitrag von Sören Heim, der in seinem Blog den Begleitband zur Ausstellung »Spätgotik: Aufbruch in die Neuzeit« vorstellt. Thematisch diametral entgegengesetzt beschäftigt sich der Blog Klappentexterin und Herr Klappentexter mit dem opulenten Bildband »Cars (New York City, 1974 – 1976)« aus dem Steidl Verlag, der eine Stadt zeigt, die wir aus Filmen wie »Taxi Driver« kennen.

Literaturblogger trifft Buchhandlung: Die ersten beiden Mai-Wochen war das Schaufenster der kleinen und feinen Buchhandlung Olitzky in Köln-Klettenberg mit Buchtipps aus meinem Blog Kaffeehaussitzer bestückt. Eine feine Aktion, die mich sehr geehrt und gefreut hat. Die Titelliste dazu gibt es in einem kurzen Blogbeitrag.

In der Hoffnung, dass sich in den nächsten vier Wochen das Pandemiegeschehen deutlich entspannen wird, schließe ich mit dem schon fast traditionellen Gruß: Passen Sie auf sich auf.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag in Köln. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

Kommentare (1)
  1. Lieber Uwe,
    vielen Dank für die Erwähnung meiner Rezension zu David G. Marwells Buch »Mengele. Biographie eines Massenmörders«. Ich werde mir jetzt auch Dein Leseprojekt „Das Unerzählbare“ anschauen – denn wie Du sagst, die Beschäftigung mit solchen Büchern ist wichtig.
    Viele Grüße Jürgen

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