Die Rechte-Kolumne Halleluja! Post vom Papst für die Titanic

Ja ist denen von der Titanic denn nichts heilig, nicht mal der Heilige Stuhl? Diese Frage drängte sich manch einem katholisch sozialisierten Betrachter beim Anblick des aktuellen Titanic-Covers auf. Die Titelseite zeigte, bevor sie (ausgelieferte Exemplare ausgenommen) verboten wurde, Papst Benedikt im unschuldig weißen Kirchengewand, in berufstypischer Pose mit segnenden Händen, aber mit ungewohntem gelben Fleck im Schrittbereich.

Zusammen mit der Schlagzeile „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden“ spielte das Cover Titanic-gewohnt drastisch auf die Spitzelaffäre im Vatikan an, bei der über Wochen eine im übertragenen Sinne undichte Stelle gesucht und schließlich mit dem päpstlichen Kammerdiener auch gefunden wurde. Noch drastischer und ebenso verboten übrigens war, auch dies soll noch kurz vermeldet werden, eine weitere Fotomontage auf der Rückseite der Titanic, die ebendiese des Papstes und ebenfalls befleckt zeigte.

Der liebe Gott sieht bekanntlich alles und auch dem Heiligen Stuhl bleibt nur wenig verborgen. Die dortigen Satirebeauftragten wurden des Titanic-Covers ansichtig, witterten eine päpstliche Persönlichkeitsrechtsverletzung und riefen. Zwar nicht, wie früher vielleicht, nach der Inquisition, aber doch nach dem Advokaten.

Dabei dürfte sich die Frage gestellt haben: Wen beauftragt man damit, den Papst zu vertreten? Einen der handelsüblichen, selbstredend hochqualifizierten Promianwälte? Nein, so könnten die klerikalen Überlegungen gewesen sein, immerhin ist der Mandant ja der Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden und damit weder C-, B- noch A-Promi, sondern eine Klasse für sich. Vielleicht hatte die kirchliche Rechtsabteilung ja die juristischen Sensationsfälle der letzten Monate verfolgt und daraus die Schlussfolgerung gezogen: Nehmen wir doch am besten den Anwalt des gewesenen Bundespräsidenten Wulff. Wer es wie dieser geschafft hat, den ehemals höchsten Mann im Staate seriös, würdig und – bis ganz zum Schluss – sehr erfolgreich in der von BILD losgetretenen Affäre zu vertreten, der würde auch mit den Bengels von der Titanic kurzen Prozess machen und erfolgreich für jemand streiten, der sich nennen darf: Bischof von Rom, Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Obersten Priester der Weltkirche, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt und Diener der Diener Gottes.

Gedacht, getan. Rasch und unter Zwischenschaltung eines leibhaftigen Erzbischofs zivilprozessual eher ungewöhnlich mandatiert, meldete sich der juristische Vertreter des Papstes bei der Satirezeitschrift. Post vom Papst bekommt auch die Titanic nicht jeden Tag, die Falschmeldung der FAS über ein angeblich Titanic-fingiertes Grass-Gedicht noch im Hinterkopf, glaubte man deshalb dort vielleicht zuerst an einen weiteren Streich von Volker Weidermann. Aber auch als den Redakteuren versichert wurde, dass der Heilige Stuhl nicht zu scherzen beliebe, reagierte man bei der Titanic reflexartig humoristisch auf die Anwaltsabmahnung und erklärte, man fühle sich vom Papst missverstanden.

Das Cover zeige den Papst doch nur dabei, wie er nach der Aufklärung der Spitzelaffäre feiere und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschütte. Es sei allgemein bekannt, dass der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks ‚Fanta‘ sei. Deshalb sehe man keine Veranlassung, eine Unterlassungserklärung abzugeben, sondern hoffe auf ein persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater, „um das Missverständnis auszuräumen“.

Während die Titanic noch witzelte und wartete, hatte der Anwalt schon ernst gemacht und der Titanic durch offenbar schon zuvor eingeholte Einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg das Cover kurzerhand verbieten lassen. Der Chefredakteur der Titanic nahm dies zur Kenntnis und teilte mit, vom Urteil des Hamburger Gerichts enttäuscht zu sein. Das Magazin sei entschlossen gegen das Urteil den Instanzenweg zu gehen, „notfalls bis zum Jüngsten Gericht“. Wenn das mal nicht in die Hose geht.

r:8,s:0,i:100, Hier ist mehr zu sehen.

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