Ist das Hörbuch ein Hoffnungsträger des Buchhandels ? Oder gehen wir da einem Hype auf den Leim?

Kein Zweifel: Das Hörbuch ist eine wunderbare Sache. Keine Frage auch: Der Hörbuchmarkt wächst. Laut Branchenmonitor des Börsenvereins im Juli gegenüber dem Vorjahrsmonat wiederum um 12 Prozent.

Kein Zweifel: Das Hörbuch ist eine wunderbare Sache. Keine Frage auch: Der Hörbuchmarkt wächst. Laut Branchenmonitor des Börsenvereins im Juli gegenüber dem Vorjahrsmonat t wiederum um 12 Prozent.

Wenn der Gesamtumsatz eines neuen Handelssegments noch sehr klein ist – er beläuft sich zur Zeit schätzungsweise auf jährlich 40 Millionen Euro, im Vergleich: für gedruckte Bücher beträgt er rund 9 Milliarden Euro – ergeben sich jedoch prozentuale Steigerungen leicht. Wie lang wird dass so weitergehen? Als wie groß ist der potentielle Markt des Hörbuchs überhaupt einzuschätzen?

Im übrigen: Bildet er für den Buchhandel tatsächlich einen so großen Hoffnungsträger, wie immer behauptet wird? Wie sieht es mit dem Hörbuchabsatz im Sortiment eigentlich aus? Dazu würde ich von Sortimentern selbst gern mehr erfahren. Die gelegentlichen Stimmen, die ich dazu bisher gehört habe, geben da eher Anlass zur Skepsis. Und Volker Hasenclever berichtet nach einer Reise zu etlichen Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen:

„Die Hoffnungen, die in diese Warengruppe gesetzt werden, scheinen betriebswirtschaftlich auf Flugsand gebaut. Der Lagerumschlag liegt vielfach deutlich unter dem der anderen Bereiche, und die Kapitalbindung ist gerade in kleineren Betrieben sehr hoch. Eine schnelle Zwischeninventur macht häufig deutlich, dass sich hier ein Angebotsbereich verselbständigt’ hat. Oft bewegen sich die Preise der Hörbücher im Hardcoverbereich. Gerade bei einem knappen Einkaufsbudget sollte genau geprüft werden, ob die unterschiedlichen Angebotssegmente dem Umsatz angemessen sind und.entsprechend bewertet werden. Bei den Hörbüchern, die wenig Angebotsfläche beanspruchen, wird schnell übersehen, welches Geld in diesem Lager steckt.“

Die Hoffnungen, die vom Sortiment aufs Hörbuch gesetzt wurden, könnten allerdings auch in anderer Hinsicht relativiert werden müssen: Das in den USA führende Downloadportal für Hörbücher, Audible, startet nämlich in Kürze einen deutschen Zweig, als Joint Venture mit der Verlagsgruppe Random House und der Holtzbrinck Networks AG [mehr…], also, mit einem von vornherein großen Programmangebot von Hörbüchern zum legalen Downloaden im Computer.

Die deutschen Partner betonen, es sei ein komplementärer Vertriebskanal. Und in seinem lesenswerten Bericht in der neuesten Ausgabe des BUCHMARKT schreibt Klaus Berthold, „die Download-Initiative“ bedeute nach Meinung von Experten keine Gefahr für den Hörbuch-Umsatz des Buchhandels – was gegenwärtig angesichts der Kundenprofile von Hörbuchkäufern noch zutreffen mag. Doch die als CDs verkauften Hörbücher sind zumeist teuer (in der Regel etwa wie Hardcover, oft weit darüber hinaus); sowohl wegen der geringen Auflagen als auch wegen der mit diesem bisherigen Vertriebsweg verbundenen Handelsspanne. Und so ist abzusehen, dass durch einen Ausbau des Direktvertriebs von Audio-Dateien über das Internet, wie er von der Musikindustrie inzwischen vorangetrieben wird, der stationäre Buchhandel auf dem Weg zu den Kunden hier immer weniger von Bedeutung sein wird.

„Anders als bei Büchern“, meint Volker Hasenclever, „werden für das Verbreiten digitaler Medien immer weniger Ladengeschäfte notwendig sein. Das ergibt sich einfach aus der unterschiedlichen physikalischen Struktur dieser beiden Produktgruppen. Anstatt auf Artikel zu setzen, für deren Verbreitung sie tendenziell überflüssig sind, sollten die Buchhandlungen lieber ihr Profil dort ausbauen und herausstellen, wo sie von den Kunden gebraucht werden – auch wenn die Lieferanten sie umwerben, weil die neuen Vertriebswege vorläufig noch nicht ausreichen. Ein langsamer, aber stetiger Verlust von Wettbewerbsfähigkeit erzeugt beim Kunden keineswegs Vertrauen.“ .

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

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