Kein Geiz ist so geil wie der schottische. Keine Witze sind schöner als schottische Witze über schottischen Geiz. Ein neues Prachtstück handelt vom Sparen beim Bücherkauf

Man sollte, so eine vorwitzige Warnung, nur den eigenen Statistiken trauen. Noch viel mehr Witz scheint vonnöten, wenn der Zeitgeist aus Statistiken Lehren und Empfehlungen ableitet, vor allem, weil der Zeitgeist in Gestalt des ums soziale Wohl besorgten Klabautermanns sich heute so oft im Maßanzug des Bankers und Managementberaters präsentiert – ein globales Phänomen und insofern auch in Deutschland nicht ganz unbekannt. Darum bin ich heilfroh, dass folgende Geschichte bei uns völlig unvorstellbar wäre. Es ist eine britische Geschichte, genauer gesagt: eine schottische. Man könnte sie als moderne Variante der wundervollen alten Witze über schottischen Geiz verstehen . (Die Schotten haben uns Deutschen ja viel voraus: Sie haben angeblich schon immer verstanden, dass Geiz geil ist.). Diese Geschichte muss ich einfach erzählen, weil schottische Witze über schottischen Geiz eh unglaublich witzig sind – und dieser neue, aus dem Geist des heutigen Zeitgeists, ist unwiderstehlich.

Schottische Witze über Geiz haben, klar, einen sehr ernsten Hintergrund: Armut (oft auch die Armut der Reichen). Für unsere Geschichte gibt es sogar eine Statistik der Royal Bank of Scotland. Die Studenten – so hat sie durch Erhebungen an 21 britischen Universitäten festgestellt – verfügen insgesamt über ein Jahresbudget von 8 Milliarden Pfund Sterling. Das aber ist kläglich: Denn allein die Mieten kosten 2,5 Milliarden, Strom etc 350 Millionen, Telefonieren 360 Millionen, Kleidung 580 Millionen, Wäsche/Reinigung 130 Millionen, Verkehrsmittel 350 Millionen, Fotokopien und Bibliotheksausleihen 130 Millionen, Lebensmittel 670 Millionen, Ausgehen 540 Millionen, CDs und DVDs 340 Millionen, Zigaretten 480 Millionen und Alkoholika 950 Millionen Pfund. Da kommen die armen Studenten schlecht über die Runden.

Die Royal Bank of Scotland weiß Rat, wie die Studenten es trotzdem schaffen können; mit einem Konto und den großzügigen Dienstleistungen der Royal Bank of Scotland, claro, und anderem mehr. Vor allem jedoch müssen sie die richtigen Prioritäten setzen lernen. Und nun kommt ein echt schottischer Witz („Geiz ist geil“): Sie sollen doch beim Kauf von Büchern sparen, für die sie ohnehin die Riesensumme von insgesamt 330 Millionen Pfund jährlich ausgeben: nur die unbedingt notwendigen Werke kaufen, statt neuen besser Modernes Antiquariat bzw. gebrauchte Exemplare. Außerdem sind Bibliotheksausleihen billiger…. Seit wann sind denn eigene Bücher für Studenten lebenswichtig?

Nun ist es so, dass, wenn einer einen Witz erzählt, andere gleich bessere Witze erzählen zu müssen meinen. Wie witzelte folglich jemand – ich weiß nicht, ob es ein Schotte oder eine Schottin war: Wenn die Studenten schon nicht auf geistig Hochprozentiges verzichten wollen, sollten sie statt bei Büchern bei Bier, Wein und Spirituosen sparen, wo immerhin – siehe obige Statistik – fast die dreifache Summe zur Debatte steht. Die Empfehlung: Sie könnten doch daheim ihr eigenes Bier brauen und ihren Schnaps im Badezimmer selber brennen.

Worauf, als Krönung des schottischen Banker-Witzes, eine witzige Konsequenz nicht vergessen werden sollte: Würden sie mit solchem Brauen und Brennen Geld sparen, käme noch eine weitere Sparquote hinzu: zum Lesen bliebe ihnen bei solcher Heimwirtschaft ja weniger Zeit, ergo brauchten sie auch weniger Bücher Da haben die Herren Banker doch glatt die eigentliche Pointe vergessen..

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

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