Der Messe-Mayer Kolumne vom Dienstag

Liebe Freunde,

für mich hat die Buchmesse bereits am Dienstag begonnen. Nun ja, diese Messe beginnt ja ohnehin mehrmals, bevor sie beginnt:

Montags für alle, die aufbauen müssen.
Dienstag früh für alle Journalisten.
Dienstag nachmittag für den Ehrengast Türkei.

Und Mittwoch früh für uns alle.

So traf ich zur großen Eröffnungspressekonferenz morgens um 11.00 Uhr auf dem Messegelände ein. Im Forum hatte ich bereits die erste Entscheidung des Tages zu treffen – entweder sofort ein guter Sitzplatz oder erst mal einen Gratiskaffee. Daher saß ich ganz hinten, außen, hinter den Kamerateams.

Man bot mir ein Übersetzungsgerät fürs Ohr an. Das hätte ich letztes Jahr bei Wolf Biermann brauchen können. Für dieses mal lehnte ich aber ab, denn ich wollte Dr. Honnefelder gerne mal im Original hören.

Dolmetschersaunen

Die drei Redner und Chefpresseoffizier Thomas Minkus trafen mit massiver, zehnminütiger Verspätung ein. Und das, wo ich einmal im Leben pünktlich bin. Den Pulk Fotografen wehrte Dr. Honnefelder mit einem mahnenden „Jetzt fangen wir aber an“ ab, während Minkus sich für die klassischere Begrüßungsformel „Guten Morgen“ entschied.

Drei Eröffner

Messedirektor Jürgen Boos, Paolo Coelho und Prof. Dr. Gottfried Honnefelder nahmen Platz, und es kehrte Ruhe ein. Vielleicht kehrte aber auch deshalb Ruhe ein, weil Thomas Minkus einen so energisch angucken kann.

Als Coelho so dasaß und alle gespannt waren, was er wohl sagen würde, musste ich an den Vorfall mit Reich-Ranicki beim Deutschen Fernsehpreis denken und stellte mir vor, wie lustig es wäre, wenn Paolo Coelho nun einfach aufstehen würde und – aber genug davon.

Für heute.

Jürgen Boos erklärt, was ein Messedirektor das ganze Jahr so macht, nämlich netzwerken. Das heißt nicht, dass er dauernd verreist, sondern sich zum Beispiel in China, Neu Delhi, Nepal und der Türkei aufhält. Und anderswo, aber so viel konnte ich so schnell nicht mitschreiben.

Weil das E-Book im Mittelpunkt dieser Messe steht, betont Honnefelder extra, dass das E-Book nicht im Mittelpunkt dieser Messe stehe.
Das Buchmesse-Jubiläum allerdings wundert mich: Von 1949 bis heute sind es nur 59 Jahre Buchmesse und dennoch feiern wir 60 Jahre Buchmesse. Honnefelder sagt aber, das macht nix.

Honnefelder verkündet auch ein Umssatzplus, aber er sagt, er verkündet es nur vorsichtig, weil sich da noch viel ändern kann bis Jahresende. Ich frage mich, ob es überhaupt irgendmöglich ist, in einem Raum mit 400 Journalisten etwas vorsichtig zu verkünden.

vorsichtiges Publikum

Nach Honnefelder kommt Paolo Coelho dran. Coelho stammt aus dem brasilianischen Teil der Türkei und hält eine flammende Rede übers Internet und seine Möglichkeiten. Ich war nie ein Fan von Coelho, aber ich erkenne einen Internet-Nerd, wenn ich einen sehe. Dank Gutenberg gibt es Bücher, sagt er. Ich dachte, wir hätten hier 2005 geklärt, dass unser damaliges Gastland Korea den Buchdruck erfunden hatte.

Coelho verliert sich noch ein wenig in Internet-Anekdoten, denen ich aber gerne lausche. Als er dann erzählt, wie er auf die Seite Youporn.com gestoßen sei und ihre Infrastruktur lobt, lenkt Honnefelder das Gespräch souverän zum Thema Buch zurück. Das fand ich schade, aber ich beginne, Sympathie für Coelho zu entwickeln.

Paul Köhler inmitten von Fans und Journalisten

Im Anschluss an die Reden sind vier Fragen gestattet, also eine je 100 Reporter. Ein Kollege vom italienischen Radio fragt, woher Coelhos Erfolg kommt.

Was soll denn das für eine Frage sein? Wo soll Erfolg schon herkommen? Coelho antwortet sinn- und völlig wahrheitsgemäß, dass sein Erfolg vom Verkauf seiner Bücher komme. Er schmückt es natürlich etwas mehr aus, aber das war die Essenz seiner Antwort.

Als nächstes fragt so ein Heini, woher Coelho seine Ideen habe. Das ist bestimmt die schlimmste Frage der Welt für jeden Autoren. Sagenhaft, wie Coelho versucht, die Antwort „sie fallen mir ein“ irgendwie freundlich und poetisch auszuschmücken. Sehr diplomatisch weist Coelho Meister Eckhart als Quelle seiner Inspirationen aus.

Die dritte Frage habe ich vergessen, und als viertes traut sich endlich auch mal eine türkische Journalistin, eine Frage zur türkischen Literatur zu stellen. Ach richtig, über das Gastland wurde bis jetzt noch gar nicht gesprochen. Dafür haben wir aber auch noch am Nachmittag Zeit.

Ich aber nicht, denn ich lasse ich mir von Michaela Strater unser neues, eigenes Pressebüro zeigen.

mal sehen, was Paolo Coelho so empfiehlt

Es ist viel toller als im Pressezentrum, aber es ist ausgestattet mit einem leeren Kühlschrank und keiner Kaffeemaschine.
Ich spähe in die anderen Pressebüros.
Alle haben Kaffeemaschinen. Einer hat sogar eine Mikrowelle.
Ich nicht. Hier werde ich keine Sekunde lang bleiben.

Ich suche Trost im Flanieren und finde ihn – wie fast immer, wenn ich Trost suche – bei Eichborn. Dort sieht Aufbaustress so aus, dass man erschöpft in den Seilen hängt, weil das Gröbste erledigt ist, man bietet mir artig Gebäck und Getränk an.

Aktive Nichtrauchermesse

Uta Niederstrasser sei allerdings nur zum rauchen & motzen hergekommen, und nicht etwa zum arbeiten. Stimmt, dachte ich, „sie sieht auch gar nicht erschöpft aus, wie sie hier so sitzt und raucht und motzt.“

Frau Ebeling raucht passiv mit. Während auch ich mir eine anzünde, muss ich die beiden Damen auf die rauchfreie Buchmesse hinweisen. Dann weisen sie mich darauf hin, dass die erst am Mittwoch anfange.

Apropos Anfang:

Bevor der Altbieranstich beim BuchMarkt ohne mich losgeht, mache ich mich auf den Weg. Ich komme zwar pünktlich, aber es dauert trotzdem lange, bis ich mein Bier kriege, weil ja erst die Gäste dran sind.

Als da wären:

Gerd Wehling von „Buchhändler heute“, hier neben meinem Chef, Christian von Zittwitz.

Zwei Herausgeber, kein Gedanke

Nicola Bardola und ich wetteifern, wessen Name sich schöner falsch schreiben und sprechen lasse, seiner oder meiner. Natürlich schneide ich da schlecht ab, mein Name klingt auch falsch geschrieben immer gleich, während Bardola und Steffen Haselbach von Knaur Ratgeber da eher Grund zum prahlen haben.

Nikolaus Bardolino und Stephan Hasenberg

Ein Drama der ganz anderen Art sehe ich hier bei den Kinderbuchverlagen Terzio und Baumhaus: Ralph Möllers hat seine eigenen, bedruckten Legosteine mitgebracht und will auch grunsätzlich mit Bodo Horn teilen, aber Bodo will seinen Bierbecher nicht loslassen.

Und LEGO kann nichts dagegen tun

Allerdings hat Bodo Horn auch allen Grund zum Feiern, da wollen wir mal nicht so sein. Er gibt mir zu verstehen, dass er mich immer noch gerne verlegen würde, wenn ich wieder was schreiben will.

Da soll er aber erst mal mein letztes Buch verkaufen.

(Oder hat er das nicht sogar? Gehöre ich jetzt etwa Lübbe?)

Dann entdecke ich Knut Amos in der Menge und grüße ihn laut, obwohl es Uli Deurer vom Antje-Kunstmann-Verlag ist. Dabei habe ich Herrn Deurer einfach nur nicht erkannnt, weil er schon wieder die Haare anders hat.

Nicht Knut Amos, aber wo war der eigentlich?

Wie jedes Jahr gibt es zur Messe-Eröffnung von Wiley-VCH ein neues Gimmick. Als Hartmut Gante an den Stand kam, fiel mir sein Name nicht auf Anhieb ein, aber ich wusste sofort, dass das der mit der Kappe ist.

Anne Jonas, Inke Maren-Bohn und Hartmut Gante

„Inventur überleben“ heißt das neue Messe-Give-Away.

Ebenfalls ein lustiges Trio habe ich hier: Michaela Gräfin von Koenigsmark und Petra Scheschonka von der Seckbacker Buchhändlerschule und Tom Hoymann von aufbau. Auch aufbau hat ja Grund zum Feiern, aber wer benötigt schon einen Grund zum Feiern, wenn er Dozentinnen und Gratisbier hat?

Dozentinnenaufbau

Ich lerne Horst Strack-Zimmermann endlich mal kennen, Verlagsvertreter bei Langenscheidt. Oder ehemaliger. Die einen sagen so, die anderen so. Nicht mal Langenscheidt weiß das.

Hauptverband und Fliegenträger

Er attestiert mir gepflegtes Auftreten, was ich mir von einem Mann mit Fliege immer gerne sagen lasse, und er ist überrascht, dass ich netter sei, als ich im BuchMarkt wirke. Das höre ich nicht zum ersten mal. Diese Kluft muss ich bald mal schließen.

Hier sitzt er neben Dr. Inge Kralupper vom Österreichischen Buchhandelsverband.

Dr. Christian Sprang prahlt damit, dass seine Grabsteininschriftensammlung endlich verlegt wird, und zwar bei Kiepenheuer. Verdammt, und noch eine Idee, die ich rechtzeitig hätte klauen können.

Morbider Spaßesfreund

Unsere kleine Party neigt sich ihrem Höhepunkt zu, als jemand einen Becher Wein auf unser teures Parkett verschüttet. Das sollte schnell jemand aufwischen, aber ich muss ja schon das Foto machen. Aber der Wiley-Verlag ist bereits zur Stelle und improvisiert.

Aufwischen für Dummies

Bodo Horn verabschiedet sich mit den schönen Worten:
„Ich absentiere mich jetzt, bevor ich dummes Zeug rede“

…und ich denke, da ist er genau einen Satz zu spät dran.

Wie immer muss die Redaktion als großzügiger Gastgeber gelobt werden, aber nicht alle sind zufrieden: Während Christoph Links vom Links-Verlag nichts auszusetzen hat, will KiWi-Vertriebsleiter Reinhold Joppich hier endlich mal statt des Altbieres ein Kölsch haben.

Eine Enthaltung, eine Gegenstimme

Herr Joppich muss lernen, bei einer Düsseldorf-affinen Redaktion gewisse Realitäten zu akzeptieren.

Aber wie das türkische Sprichwort sagt:

Nur die Vogelscheuche hat keine Sorgen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Messe-Start.
Falls Sie Pizza an den Stand geliefert wünschen, rufen Sie mich einfach dort an:

…falls nicht, sehen wir uns bei TreTorri.

Mjam.

Ihr

Matthias Mayer

herrmayer@hotmail.com

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