Die Rechte-Kolumne Rainer Dresen: Alles wird Knut?

Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ will der Berliner Zoo rechtliche Schritte gegen das vor kurzem im Heyne Verlag erschienene Buch „Kleiner Knut ganz groß“ von Tom Kummer prüfen.

Tom Kummer ist bekannt geworden als Autor teilweise erfundener Interviews mit Hollywoodgrößen. Knut, die Älteren unter den Lesern werden sich erinnern, war einmal ein süßer kleiner Eisbär, der die Welt verzauberte, seitdem aber sehr schnell wächst und in vermutlich nicht so ferner Zukunft einmal so aussehen wird wie zahlreiche andere Eisbären auch, die in den Zoos dieser Welt schwitzend und melancholisch vom Nordpol träumen.

Um die Zeit festzuhalten, in der Knut noch klein war und von einer großen Zukunft träumte, erschien vor kurzem das Buch „Kleiner Knut ganz groß – Der berühmteste Eisbär der Welt im Gespräch mit Tom Kummer“. Der Leser erfährt darin vieles, was er so nicht geahnt hätte, so etwa Knuts Vorstellung von seinen Eltern, seine Meinung über die Menschen an sich und was Knut von der Liebe hält. Tom Kummer gibt den kongenialen Gesprächspartner und redet mit Knut über den Papst, zitiert Hunter S. Thompson und teilt mit, welche Rolle der Berliner Boulettenbrater Gerd Knospe in seinem Leben spielte.

Der Zoo Berlin hat sich mittlerweile Markenrechte am Namen „Knut“ eintragen lassen und vereinbarte nun auch mit einem US-Verlag und den Schwestern Isabella (acht Jahre) und Juliana Hatkoff (zwölf Jahre) sowie deren Vater Craig eine Exklusivkooperation über eine weltweite Buchveröffentlichung zum Thema „Knut“.

Die Familie Hatkoff scheint zu wissen, wovon sie schreibt: Vater Craig und seine damals sechsjährige Tochter Isabella schafften immerhin schon einmal mit einer sicher sehr niedlichen Tiergeschichte über eine süße Schildkröte und ein nettes Nilpferd ohne Eltern („Owen & Mzee“) einen Nummer 1 Erfolg in den USA.
Vor kurzem kündigte der Zoodirektor in diesem Zusammenhang an, er werde rechtliche Schritte gegen den Kummer-Titel „Kleiner Knut ganz groß“ prüfen. Denn weder Kummer noch der Verlag wären an den Zoo herangetreten, „obgleich man sich da hätte bestimmt einigen können“, wie der „Tagesspiegel“ zu berichten weiß.

Es bleibt abzuwarten, was die Prüfung des Zoodirektors ergibt, denn anders als beispielsweise Produzenten von Plüsch-Eisbären, Speiseeis, von bedruckter Bettwäsche oder von Kaffeetassen das tun würden, verwenden Verlag und Autor im Kummer-Fall den Begriff „Knut“ lediglich journalistisch-beschreibend, sich mit dem Phänomen „Knut“ auseinandersetzend und nicht rein markenmäßig.

Derartige journalistische, oftmals auch sehr kritische Befassungen mit Rechtsmarken sind aber nicht nur verlagsüblich und weit verbreitet (z.B. „Das Daimler-Desaster“ oder „Schwarzbuch VW“), sondern vor allem auch rechtlich erlaubt. Sie müssen auch künftig zulässig bleiben, schon um der Gefahr zu begegnen, dass man ansonsten immer im Vorfeld derartiger Buchveröffentlichungen Genehmigungen der Markeninhaber einzuholen hätte, die aber oft nur im Falle der kritiklosen und/oder kostenpflichtigen Berichterstattung zu erhalten wären.

Rainer Dresen arbeitet als Rechtsanwalt und Verlagsjustitiar in München auf dem Gebiet des Urheber- und Medienrechts. Mail: Dresen-Kolumne@freenet.de Die vorherige Kolumne lesen Sie hier: [mehr…]

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