Der Messe-Mayer Samstag: Besuch von der Venus und Lübbe-Chill

Liebe Freunde,

mein Tag fing ganz furchtbar an, denn meine Kamera versagte den Dienst. Dabei kam sie mir zuvor, denn eigentlich fühlte ich mich auch schon nicht so recht. Ich hätte gestern nicht an dem Lübbe-Eisblock lecken sollen. Aber so habe ich mich schon mal zur Messe geschleppt, doch die Kamera ist virtuell im Bett geblieben.
Meine kleine Glosse ist ohne Abbildungen undenkbar. Ich habe für eine Sekunde daran gedacht, die Bilder einfach selbst zu zeichnen:

Ich glaube, das wäre gar nicht so schlecht

Aber das kann ich ja dann in Leipzig machen, hoho. Diese Messe bringe ich noch ordentlich zu Ende. Meine Suche nach einer Ersatzkamera war abenteuerlich, aber beim Börsenverein war man bereit, mir eine auszuleihen. Birgit Koch, im Bild ganz links, rettete meinen Tag, rettete mich und rettete für den Samstag auch diesen Text.

Aber so gehört sich das eben für die Musketiere des Königs!

Danke, Birgit Koch! You made my day.

Trilogie – Tre Torri

Denn mein Tag ging ja gleich stockend und strauchelnd weiter: Ich verpasste durch all die vorangegangene Unbill meinen Termin bei Tre Torri! Als ich hinkam, waren Ralf Frenzel & Uwe Marsen schon weg. Deshalb hat sich Christine Schlötterer um mich gekümmert. Das heißt, sie hat mir so lange Essen und Trinken gebracht, bis ich angefangen habe, mir Notizen zu machen.

Hier haben wir eine hausgemachte Wurstplatte…

Oooh!

…eine Portion Edelrumgemisch,

Aaah!

…und ein Kürbis-Karottenrahmsüppchen mit in Kürbiskernöl gebackenen Schwarzbrotcroûtons

Sluurp!

…in Gesellschaft einer reizenden Dame statt Frenzel & Marsen…

Wir kommen schon ohne die Chefs klar.

…ja, was will ich denn mehr? Frau Schlötterer scheint meiner Abfütterung befugt zu sein, und sie hält mir Frenzels persönliches Herbsthighlight hin: Das Schlachtfest. Dann muss ich wohl jetzt, wo ich satt bin und wieder um einen Fetzen Journalistenseele ärmer, das Meine tun und Frenzels Steckenpferd abbilden:

Da haben Frenzel und ich ja wieder etwas gemeinsam: Wir entstammen beide der Generation Hausschlachtung!

Dabei würde ich viel lieber das hier abbilden:

The Walking Dead?

Ich habe aber keine Ahnung, was das sein soll. Ich werde es mal verfolgen und schauen, ob es mich zu Amelie Fried führt!

Amelie Fried

Amelie Fried hat bei Heyne ihr neuestes Buch herausgebracht: „Eine windige Affäre“, und ich durfte ein paar Minuten mit ihr plaudern.

Thema Windkraft: Ist das ein Trend, den sie aufgreifen?
Nein, ich richte mich nicht nach Trends. Ich habe für meine Heldin eine große Herausforderung gesucht. Erstens hat sie einen Männerberuf – Bauingenieurin – und dann kam ich auf die Idee mit den Windkraftanlagen in Litauen. Ich habe das Buch vor zwei Jahren konzipiert und geschrieben; die Aktualität des Themas Windkraft war damals noch gar nicht so abzusehen. Es war eher ein Zufall, dass die Realität mich da eingeholt hat.
Die Heldin in Ihrem Buch hat viele Baustellen zu bewältigen. Windpark bauen, Baltikum erschließen, Korruption, Kinder, Ehe wacklig, und dann noch eine Mordgeschichte. Wie schlagen sie die Brücke zwischen Achterbahnfahrt und „Kenn-ich-Situationen“?
Ich habe in diesem Buch natürlich eine Menge eigener Erfahrungen mit diesem Spagat zwischen Familie und Beruf verarbeitet. Das Thema Windkraft habe ich ausführlich recherchiert. Ich bin mit dem Entwickler eines solchen Projektes durch Litauen gereist und habe eine Menge spannender Sachen erlebt. Meine Bücher sind immer eine Mischung aus selbst Erlebtem, Beobachteten und Ausgedachtem. Und es geht – neben der Unterhaltung – immer auch darum, ein interessantes Thema gut lesbar zu erzählen.
Thema Recherche – hat sie Windkraft auch persönlich interessiert?
Ich finde die Frage nach alternativen Energien schon lange wichtig und interessant, aber es war mehr oder weniger Zufall, dass ich bei dem Thema gelandet bin. Aber je mehr ich mich vertieft habe, desto spannender fand ich es.
Jede Figur ist ja ihre eigene Welt, und die müssen sie ja für jedes Buch neu recherchieren.
In einem Buch war meine Heldin eine Blockflötenbauerin. In einem anderen Buch suchte die Heldin nach Spuren ihrer Herkunft in Ägypten, dort habe ich über die koptischen Christen recherchiert. Die Recherche für meine Bücher führt mich an ganz unterschiedliche Orte, und was ich da sehe und erlebe, fließt dann in die Geschichte ein.
Was war an diesem Buch das Schwierigste, und was war das Leichteste?
Das Schwierige war, dieses technische Thema Windkraft so zu transportieren, dass es spannend ist, das war schon viel Arbeit. Das Einfache war der Familienteil, da hab ich das Meiste in der einen oder anderen Weise schon erlebt, da konnte ich aus dem Vollen schöpfen.
Was ist eigentlich ein Frauenroman?
Ich hab keine Ahnung, erklären Sie mir’s. Ich fand den Ausdruck immer schon blöd. Ich sage auch nicht, dass ich Frauenromane schreibe. Das ist ein Vermarktungsetikett. Ich schreibe Unterhaltungsromane.
Sie sind Autorin und Moderatorin. Sehen sie sich als Mediendienstleisterin?
Guter Ausdruck, aber ich betrachte schon seit vielen Jahren das Schreiben als meinen Hauptberuf. Beim Schreiben kann ich immer noch mehr für mich entdecken. Beim Fernsehen habe ich das Gefühl, ich habe eigentlich alles schon gemacht, was ich gut kann und was mir Spaß macht.
Ein gutes Schlusswort.

Hat viel Wind in den Segeln: Amelie Fried

Halle 3.1

In Halle 3.1 befinden sich die Gourmet-Gallery, der Musikbereich und die Engelsgasse. Die Engelsgasse gibt es aber gar nicht wirklich. Ich nenne den Gang G immer nur so, weil er mir ein wenig unheimlich ist. Aber das soll so sein, dort ist es sehr spirituell.

Die Gourmet-Gallery versucht sich seit ein paar Jahren zu mausern. Vielleicht schafft sie es bald! Mit Leuten wie Maren Ongsiek, Account Managerin der Frankfurter Buchmesse, ganz bestimmt. Die schaut immer mal, ob ich das richtige Messeschlüsselband umhängen habe oder gibt mir Notfallhustenbonbons. Hier auf dem Bild sehen wir sie zusammen mit Herrn Müller von der Eintagsküche, jener mobilen Hochglanzmietkombüse, die das Herz der GG bildet.

Bald ist Sonntag, oder was sagen diese Gesichter sonst?

Danke für die Hustenbonbons. Kein Spitzenkoch hätte das aufwiegen können.

An die Gourmet-Gallery schließt sich der Musikbereich an, und wie immer gibt es dort eine kleine, flotte Jazz-Combo. Live-Musik auf der Messe tut fast so gut wie frische Luft; beides geht rasch ins Blut und hilft. Weckt Zuversicht und Klarheit.
Immer, wenn ich auf der Buchmesse Live-Musik höre, denke ich, dass ein Foto der Musik alle Gefühle transportiert, die auch die Musik bei mir erzeugt.

Aber leider irre ich mich. Bitte denken Sie sich in jazzende Stimmung.

Und tatsächlich bin ich nur wenige Minuten der swingenden Musik ausgesetzt, und schon zieht mich diese Ukulele magisch an. Ich habe mir schon immer eine Ukulele gewünscht. Aber nie gekauft, weil, ich kann ja gar nicht spielen. Ts. Spinnerei.

Hängen extra noch Baströckchen und Blumenkette dazu,
damit mein Habenwillreflex nicht mehr zu unterdrücken ist.

Aber nun hängt sie doch nun mal da…
…und so günstig…

…ich überlegs mir. Habe zum Glück kein Bargeld bei mir. War so von der verdammten Ukulele fasziniert, dass ich gar nicht geschaut habe, welcher Verlag das war. Bosworth? Jedenfalls eiskalt, diese Brüder.

Wie Sie ja alle wissen, haben wir auf dieser Messe Besuch von der Venus. Die Dame Omnec Onec ist nämlich für ein Menschenleben lang bei uns zwischengelandet und versucht seitdem, das erdstoffliche Konzept der Vergänglichkeit zu meistern, zu transzendieren und irgendwann auch wieder zu den Akten zu legen – also gar nicht anders als wir alle.

Omnec Onec hatte keine große Werbetrommel gerührt. Der spirituelle Verlag Das Gute Buch ließ lediglich ein ein paar Plakate aufhängen, aber der venusische, abgeklärte Blick und die ätherische Frisur taten das Ihre: Die Frau von der Venus war im Gespräch.

Und der Weichzeichner nicht zu vergessen.

Und ich weiß, was Sie jetzt von mir erwarten. Dass ich mich nun lustig mache und joviale Kommentare erdichte und die Venustante unter Skurrilitäten mitlaufen lasse. Aber ich denke nicht, dass ich das möchte.

Ich habe mich mit einer sehr höflichen, lieben und erkrankten Frau unterhalten, die die Folgen eines Schlaganfalls gelassen und mit viel Würde wegsteckt. (Das geht also auch, Gaby Köster!) Ob sie von der Venus kommt oder nicht, ist mir als Agnostiker herzlich egal. Solange sie nicht aus Bielefeld kommt. Ich darf der alten Dame ein paar Fragen stellen.

Wie erholen Sie sich von Ihrem Schlaganfall?
Allmählich. Das hier ist meine erste Tour, seit ich mich wieder erhole.
Gibt es auch auf den anderen Planeten spirituelles Leben?
Aber ja: Auf Jupiter, Mars und Saturn ebenfalls.
Welche Fragen bekommen Sie von Kindern gestellt?
Ob ich fliegen kann. Das kann ich nicht, aber ich kann erzählen, wie es im inneren eines Raumschiffes aussieht.
Sie sind in den 50ern in Colorado gelandet? Sie wissen ja, dass das einen Schnittpunkt zur Populärkultur bildet.
Ja, das habe ich beobachten können. Die Menschen versuchen, das Große des Universums in verdauliche Happen zu zerlegen.
Machen sich die Menschen lustig über Sie?
Nicht mehr. Früher schon, doch. Aber ich erzähle einfach, was ich erzählen möchte, und versuche nicht, irgendetwas zu beweisen.
Haben Sie es leicht auf der Erde?
Es ist nicht immer leicht, aber mit Bewusstsein und Achtsamkeit begehe ich jeden Tag.

Und das ist gut, so wie es ist.

Schöner neuer Stand

Auch Ullstein hatte sich für 2011 einen neuen Stand gegönnt. Holztäfelwand, Klinker-Elemente – alles ein wenig Wohnzimmer-like. Wo das nur herkommt?

Muss an der Gegend liegen.

…denn der benachbarte Stand von Kein & Aber wurde im Vorjahr ja auch wohnzimmrig. Aber immerhin hat Ullstein sein Haussymbol blickführend an den Standrand postiert und setzt damit einen Punkt.

Sie dürfen die Bücher aber auch
ordentlich und hübsch einsortieren.

Ullstein fragt, ob mir ein Marketingkonzept für die Eule einfiele, weil sie so viel nachgefragt werde. Vielleicht ein Abschreckungspreisgefälle? Eulenregal regulär für 350,- Euro anbieten, nur für Anabelisten gibt es einen VK von 12,90 € abzüglich Rabatt? Wäre das was?

Kintopp

Sagte man das früher? Das ist ein Ausdruck, das ich nur aus MickyMaus-Comics kannte. So wie „Gautera“, „Taler“ und „mit Verlaub“. Was hier im Screening-Saal im Open Space (der Audi-Rochen) gezeigt wurde, ist aber ganz und gar nicht MickyMaus. Sondern im Gegenteil der Pilot der vielbejubelten TV-Serie „The Walking Dead“, die auf der vielbejubelten Comicserie bei Cross Cult basiert.

Klar: Bei Rupert Everett kommt keiner, aber bei den Zombies platzt der Saal.

Man ahnt schon, dass dieser Polizist sich gleich umdreht und etwas Grauenhaftes sehen wird.
Mit Verlaub.

…und das wird nicht Micky Maus sein.

Also, das hätte ich mir schon gerne angesehen, aber leider muss ich mich auftragsgebunden gruseln. Also zum Beispiel Franz Münte fotografieren, wie er Politik in seiner ehrlichsten Form betreibt:

Wähler-Abgreif-Tourismus

Kann man eigentlich auch politischer Agnostiker sein? Oder ist man dann automatisch FDP-Mitglied?

Aspirin

…klingt schon so – Sie müssen schon gar nicht mehr raten – nach Collection Rolf Heyne. Deren Stand ist gerade an einem angeschlagenen Tag mein lebensrettender Flüssigkeits-Außenposten. Halle 3.0, ebenerdig, viel trinken.

Dass Herr Stauch ein guter Pressemann ist, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Ich habe ihn diese Woche öfters erwähnt als meine Mutter. Und tatsächlich hat er eine bemerkenswerte Fähigkeit mit ihr gemeinsam, die über Öffentlichkeitsarbeit hinausgeht: Er hegt mich mit Geheimrezepten.

Zweimal Aspirin Vitamin C Plus Plutonium, kommt sofort. (schauder.)

Lübbe-Chilling

Das Lübbe-Chilling ist auch so eine Nutzlosigkeit, die ich niemals missen möchte. Klassischerweise sitzen dann diejenigen zusammen, die am Samstag bereits abreisen, und Peter Hetzel gehört hier IMMER dazu.

…und missbraucht meinen Kolumnenplatz für seine Hausaufgaben.

Aber für Rebecca Gablé, die nächste in unserer lustigen Runde, mache ich das natürlich gerne. Hier ist eine gute Gelegenheit, das Autogramm einzufordern, das meine Mutter sich von Hetzel wünscht. Ich habe es so sehr eingefordert, dass Rebecca Gablé gleich mit unterschrieben hat.

Frau Gablé hat aber durchaus die Wahl. Hetzel nicht.

Dritter in unserer Runde war dann Bernd Stelter. Die Messe ist schon so weit vorangeschritten, dass ich ruhig so tun kann, als seien seine legendären Messe-Sneaker von literarischer Erheblichkeit.

Lauf, Herr Stelter, lauf!

Person Nummer Vier war die reizende Adrienne Hinze. Die Lübbianerin hat einem Fantasy-Buch („Zeitenzauber“) eine Erfrischungstuch-Campagne auf den Leib geschneidert und kann uns nun alle erfrischen.

Das hätte man im Mittelalter mal erfinden sollen.

Im Gravitationsfeld des Lübbe-Chillens kommt es dann noch zu leichtem Kiesel. Den hatte ich die ganze Messe über noch nicht gesehen.

Geht aber rasch wieder vorüber.

Und dann dürfen natürlich auch diese beiden nicht fehlen. Ich treffe Regine Bruns und Michaela Hennehaar. Frau Hennebaus wird zu Lübbe kommen (irgendwie sind dann doch alle wieder vereint), bzw. fast alle, denn die liebe Frau Bruns hat sich mit einem Pressebüro selbstständig gemacht. Ich gratuliere und hoffe, Sie schicken mir noch den Link Ihrer Homepage.

Regine Bruns und Michaela Henneschopf

So, das war der vorletzte Tag.

Auf dem Rausweg treffe ich die rechte und die rechtere Hand von Peter Hetzel, nämlich sein Kamerateam. Die Jungs sind phantastisch, aber das müssen sie ja sein, denn Hetzel verlangt immer wieder Unglaubliches. Zum Beispiel motorgeräuschlose Außenaufnahmen mitten im Messeshuttle-Overkill.

Wir hatten viel Spaß, auch wenn Hetzel das stets zu verhindern sucht.

Ich wünsche Ihnen einen guten letzten Tag. Halten Sie durch, falls es arg wird; und falls sie noch immer so lässig und erfrischt sind wie am ersten Tag der Messe, dann kommen Sie sicher von der Venus.

Gute Heimreise allen! Mein letzter Text folgt Montag, im Windschatten gerade nachlassenden Messeschmerzes. Aber: Erst noch den Sonntag einpacken.

Danke nochmals an den Börsenverein, Birgit Koch und Manfred Queißer, den Verfasser von „Quo Vadis, Buchhandel?“ und hilfreichen Herunterlader meiner Leihknipsfotos.

Herzlichst,

Ihr Matthias Mayer

herrmayer@hotmail.com
www.herrmayer.com

Edda-Sammelbild 5 von 6:
Die alle Lande umfassende Midgardschlange (Flammkuchenversion)
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