Der Messe-Mayer Tag Fünf: Bad Hair Day und Urheberrechte

Liebe Freunde,

wenn Sie das lesen, hat der letzte Messetag für Sie bereits begonnen. Während ich das schreibe, habe ich ihn noch vor mir. Am gestrigen Samstag habe ich fünf hochinteressante Menschen getroffen, ein Stück Geburtstagstorte gegessen und auf der Heimfahrt schlafend meinen Heimatbahnhof verpasst. Wenn mich mein Handy nicht geweckt hätte, wäre ich wahrscheinlich bis nach Jena gefahren.

Aber fangen wir doch ganz von vorne an.

Mein erstes Interview hatte ich mit Reinhold Messner. Man möchte auf den ersten Blick meinen, dass wir beide so rein gar nichts gemeinsam haben. Und auch auf den zweiten, dritten und vierten Blick. Aber der Bergsteiger und ich sind beide oft genug in Situationen extremen Schlafmangels.

Auch nicht schlechter frisiert als ein Yeti

Messner erzählt nämlich, dass man in extrem hohen Regionen nicht mehr schlafen kann, weil wegen des Sauerstoffmangels Hechelatmung einsetzt, und dabei kann ja kein Mensch schlafen.

Ich frage nach, wie er sein Wasser trinkt, still oder sparkling, und natürlich ist Messner der knallharte Sprudeltyp. Ich zögere kurz, aber dann nehme ich es mit ihm auf und trinke ebenfalls mit Kohlensäure. Diese Runde endet schon mal unentschieden.

Messner kennt Messen und lässt sich deshalb von Menschenmengen nicht schrecken.

Auf sein Buch komme ich gar nicht zu sprechen, dann merkt er vielleicht nicht, dass ich es nicht gelesen habe.

Wenn ein Mensch schon überall war (und vor allen Dingen weit jenseits der Erreichbarkeit aller anderen Menschen), was bedeutet ihm dann Heimat? Für jemanden, der sich den ganzen Planeten erspazieren kann, ist Heimat eine rein emotionale Kategorie, selbst wenn es sich gerade um ein K2-Basislager handelt.

Dass Messner durch Cartoons und beispielsweise Helge Schneiders berühmte Reinhold-Helge-Nummer zu einem Teil der Popkultur geworden ist, begrüßt er sogar. Manchmal sei der Humor näher dran an der Wahrheit. Wenn sich also zwei Yetis fragen, ob’s „den Messner wirklich gibt?“, dann sind die beiden nicht allein:

Das fragen sich nämlich viele.

Am Wochenende strömen auch immer wieder die CosPlayer herbei. Mittlerweile muss ich bei den meisten überhaupt nicht mehr so völlig entgeistert hingaffen. Aber wenn ich ein gelungenes Kostüm sehe, dann will ich es nach wie vor festhalten.

Hervorragend besetzt

Bleiben wir auf kindlichem Niveau: Ich habe nun ein Interview mit der Maus. Also mit der Sendung mit der Maus. Also mit Armin Maiwald, der sie vor 40 Jahren erfunden hat. Wir haben ihm auch eine der frühesten Kindersendungen mit BlueScreenFetisch zuzuordnen – Robby, Tobby und das Fliewatüüt.

Allerdings sieht Maiwald sich weder als Promi noch als Lehrer. Er wurde nämlich mal als „Lehrer der Nation“ bezeichnet. Isser aber nicht. Er ist Journalist, der Fragen beantwortet, und er ist ganz froh, dass er in Ruhe sein Bier trinken kann. Die Nische ist ihm letztlich lieber als das Podest.

Über Bildungsfernsehen sind wir uns einig: „Willi will’s wissen“ ist ein würdiger Nachfolger, und die Inflation der Sendungen, die so tun als seien sie Wissenschaftssendungen, die sind furchtbar.

Bei CBJ erscheint Maiwalds Reihe „Frag doch mal die Maus“.

Klingt komisch, is aber so.

Da, schauen Sie nur, wie verloren und deplatziert der Grüffelo auf einer Rolltreppe wirkt. Der gehört doch in einen Wald, damit er wieder richtig gruselig wirkt!

„Rechts stehen, links gehen!“ – das könnte hier noch zum Problem werden…

Und apropos gruselig:

Auch wenn Du, lieber spanischer Fachverlag, es für eine gute Idee hältst, auch wenn sich die Idee noch gut anhört, wenn man von ihr spricht, möchte ich allen Ausstellern eines raten:

Nehmen Sie keine Schaufensterpuppen, um ihren Stand lebendig zu gestalten. Man kann sie biegen und drehen wie man will, aber sie wird immer aussehen wie Rigor Mortis.

Oh – mein – Gott.

Nicht, dass noch jemand die Polizei ruft! Die hat gerade genug zu tun auf so einer Messe voller CosPlayer, die allesamt Erinnerungsfotos haben wollen:

„Sooo… und jetzt noch mal alle im Profil…“

Bei Collection Rolf Heyne habe ich Gelegenheit, ein wenig mit Helmut Sorge zu plaudern. Sorge war Korrspondent für den Spiegel und führte über 150 der legendären Spiegelgespräche.

In seinem Buch „Ab nach Amerika!“ berichtet er über 28 Deutsche, die es als Auswanderer in Amerika geschafft haben – meistenteils Promis, aber eben nicht nur.
Nein, halt, da muss man schon „Celebrities“ sagen.

Amerika als Auswandererland habe nicht direkt ausgedient, aber Amerika als ewiges Modell sei heute einfach nicht mehr akzeptabel. Ungeachtet dessen handelt das Buch nicht nur von Menschen und Orten, sondern auch von Arbeit und Disziplin.

Und ganz indirekt, so finde ich, handelt es – so man es auch zwischen den Zeilen zu lesen weiß – auch vom Beruf des Journalisten.

(Also Kaffeetrinken bei schummriger Beleuchtung)

Sorge merkt an, wie elegant ich in meinem schwarzen Anzug aussehe. Läuft selber herum wie Tom Wolfe, aber andere auf ihre Eleganz hinweisen. Da hätte er mal lieber auf Johann Lafers Biographie hingewiesen, das hat sich Pressechef Alexander Stauch nämlich von mir gewünscht.

In Halle 3.0 lief mir Richard von Weizsäcker über den Weg! Für mein Foto hielt er extra seinen Tross an und posierte, als meine Kamera versagte. Dann zog er eben weiter.

Und genervt zog er weiter

Nur damit Sie wissen, wieso Sie trotz meiner blumig erzählten Vorgeschichte nur ein trubelverdecktes Marschfoto vom Bundespräsidenten kriegen statt eines Glamourshots.

Apropos Glamour:

Der war im Leben von Benjamin Nover ja völlig abhanden gekommen. Nover ist geradezu beispielhaft schnell erst in der Depression, dann in der Arbeitslosigkeit, dann in der Isolation, dann in der Gosse gelandet und hat sich aus allen vier mit seinen eigenen Händen wieder hinausgezogen.

Aber so weit musste es erst mal kommen, bis er eines Tages den Anschluss an eine alte Rollenspielfigur Lobodot herstellte und nach und nach eine ganze Lobodot-Welt entstehen ließ.

Über private Connections kann er auch erstmals seit langem wieder zusammen mit seiner Frau Nicole eine winzige Wohnung beziehen.

…oder gleich im Messestand übernachten.

Nover ist froh und dankbar, fraglos, aber ihm entgeht nicht, in welchem Maß sich die Öffentlichkeit erst für sein Leben interessiert, seit es rührend ist.

Sein Buch „Die Lobodots“ ist voller herrlicher Kalauer, ergreifend unbedarft und konsequent naiv, und das meine ich alles als Lob. Verlegt ist dieses mutige und inspirierende Objekt beim Projekte-Verlag.

Im Comic-Zentrum spricht Hella von Sinnen über die Ducks und über Portogebühren.

Und die muss es wissen.

Leider höre ich das nicht, weil ich woanders zuhöre, nämlich ein Stockwerk drüber meinem Kollegen Ekkehard Faude. Geneigte BuchMarkt-Leser kennen ihn als Urheber seiner eigenen großen Kolumne, die immer den BuchMarkt eröffnet. Aber auf dieser Messe ist er als Verlag präsent, nämlich als der Verlag mit der Libelle.

Wir könnten beide mal ein Foto-Update brauchen

Im Rahmen der Buchmesse zeichnet BuchMarkt auch immer die Buchhandlung des Jahres aus, und ich konnte heute mit der Gewinnerin sprechen:

Christel Graumann hat als Gründerin der Kochbuchhandlung Siedepunkt auch ein Café, einen Mittagstisch, die offene Küche, eine Kochschule und – man hat sonst nichts zu tun – einen Cateringservice.

Frau Graumann hat 18 Behörden durchlaufen, um ihre Wünsche nach Nutzungsänderung durchzusetzen. Inklusive des Grünflächenamtes, weil zwei Bäumchen vor der Türe aus dem Boden wachsen. Seit Jahren.

Ich schlage Frau Graumann vor, auch aus völlig unkulinarischen Büchern Textstellen herauszusuchen, die vom Essen handeln und diese zur Werbung heranzuziehen, aber ich berechne Frau Graumann nichts für diese exklusive Idee.

Ein Stockwerk über der Gourmet Gallery

Apropos Berechnung: Da ich wusste, dass der GABAL-Verlag am Nachmittag seinen 20. Geburtstag mit einer schönen Torte zu verfeiern gedachte, fand ich mich zufällig am Stand ein, als sie angeschnitten wurde.

Zufällig.

Zucker & Créme: Mehr erwarte ich doch auch gar nicht von einem guten Kuchen

Nun ist es nicht meine Art, ein Foto zu verwenden, wenn jemand gerade die Augen geschlossen hat. Aber auf diesem Foto kommt Kerstin Paulukats wahrer Character für eine Milisekunde zum Vorschein, so dass Ursula Rosengart ruhig mal ein ums andere Auge zukneifen kann.

Twilight V

Das Problemthema dieser Messe heißt Urheberrechte, und das problematische Thema dieser Messe heißt Menschenrechte.

Zum Thema Menschenrechte sind mir heute drei Dinge aufgefallen:

1. Auf der Agora zwischen den Hallen Drei und Vier darf eine tibetanische Gruppe den ganzen Tag Tänze vorführen! So. Da kann sich die chinesische Regierung schon mal warm anziehen.

War trotzdem schön, der Gesang und der Tanz

2. Ziemlich viele Perser sind mit Protesten auf Schild und Shirt überall da präsent, wo auch Fernsehkameras sind. Ich war jetzt auf Perser gar nicht eingestellt, aber andererseits muss man ja kein Tibeter sein, um staatliche Repressalien anzuprangern.

3. Oftmals reicht schon eine einzige gute Idee, wie die Fußmatte am Titanic-Stand.

Copyright und Urheberrecht sind nicht ganz so schwerwiegend, hinterlassen aber viel Verwirrung, die ich zunächst mal schrittweise aufarbeiten will.

Beim Werbemotiv des Aktionsbündnisses fairer Verlage wollte ich nur mal wissen, ob die Firma Lucky Strike hiervon weiß.

Und im Falles des Börsenvereins ist die Pirateriepostkarte zwar sehr hübsch gemacht…

…aber habt Ihr denn auch Saul Bass oder seine Nachkommen gefragt? Denn auf der ganzen Karte findet sich kein Verweis.

Noch Hommage oder schon Parodie?
Frankie ist traurig. Das reicht doch schon mal als Beweis.

Nun, das wird sich sicherlich beides noch erhellen. Zumindest werde ich Sie, liebe Leser, umgehend informieren, sobald man mich informiert.

Berühmte chinesische Autoren, Teil Fünf:
Bruce Lee

Ich wünsche Ihnen einen guten letzten Tag und eine entspannte Heimreise.

Ihr Matthias Mayer

herrmayer@hotmail.com
www.herrmayer.com

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