Veranstaltungen 7. Goethe-Festwoche in Frankfurt eröffnet

Gestern Abend wurde im Freien Deutschen Hochstift/Goethe-Museum Frankfurt die 7. Goethe-Festwoche unter dem Motto Goethe & die Musik eröffnet. Die Hommage an den Dichter findet seit 2007 biennal statt.

Der Eröffnungsabend stand unter dem Titel „… das himmlische Reich der Musik im Sinn“ und begann mit einer Podiumsdiskussion, an der die Literatur- und Musikwissenschaftlerin Friederike Wißmann, der Dirigent, Musikwissenschaftler und -schriftsteller Peter Gülke und der Komponist Gordon Kampe teilnahmen. Kuratorin Julia Cloot, zugleich stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, moderierte.

Vorab begrüßte Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, die Gäste: „Es ist ein Vorurteil, dass Goethe unmusikalisch war. Er war eben nicht nur ein Augen-, sondern auch ein Ohrenmensch. Das wird in den rund 40 Veranstaltungen vom 6. bis zum 16. September deutlich.“ Bereits in seiner Kindheit hatte Goethe viel mit Musik zu tun; sein Vater, der das Haus Zu den drei Leiern im Großen Hirschgraben ausbaute, sorgte dafür.

Die 7. Goethe-Festwoche findet erstmals nicht nur in Frankfurt, sondern auch in der Region statt. Zu verdanken ist das der Unterstützung durch den Kulturfonds.

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig verwies darauf, dass es rund 700 Liedvertonungen von Goethe-Texten gäbe. Damit gehöre er zu den am meisten vertonten Dichtern.

Julia Cloot leitete die Diskussion mit der Frage ein, welches Werk Goethes die Experten am meisten beeindruckt habe. Peter Gülke nannte den von Franz Schubert vertonten Suleika-Text und merkte an: „Marianne von Willemers Zeilen waren besser als die von Goethe.“

Friederike Wißmann war von der von Friedrich Mendelssohn vertonten Walpurgisnacht begeistert, Gordon Kampe von der Egmont-Ouvertüre und Julia Cloot vom Erlkönig von Franz Schubert. „Es-Dur ist für mich die Faust-Tonart. Das muss wohl an Mahler liegen“, ergänzte Cloot.

Goethe und die Liedästhetik des 18. Jahrhunderts war das nächste Diskussionsfeld. „Musik hatte für ihn nicht den gleichen Rang wie Dichtung“, sagte Wißmann. „Die Debatte um strophig oder nichtstrophig ist ein bisschen dämlich. Die Mignon-Vertonung hat Goethe zu Tränen gerührt. Als er aber die Noten sah, meinte er: ‚Das ist ja durchkomponiert.’

Der Weimarer Hofgesang ‚Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn’ auf Goethes Kommando wird schon schrecklich gewesen sein“, äußerte der Experte und fügte auf die Frage nach der Begegnung berühmter Dichter und Musiker hinzu: „Genies sind nicht dazu geboren, einander zu verstehen.“

Anschließend ging Julia Cloot auf Goethes Tonlehre-Fragment ein. „Er hat sich viele Jahre mit Tonlehre befasst. Vielleicht sollte man sich das Fragment heute nochmals aus einem anderen Blickwinkel anschauen“, riet Wißmann. „Die Tonlehre ist ja an die Farbenlehre angelehnt. Goethe verwickelte sich jedoch bei der Tonlehre in Widersprüche“, sagte Gülke. Für Goethe stand zweifellos stets die Dichtung an erster Stelle, aber es gibt einen Widerstreit zwischen Goethes Empfänglichkeit und seiner Reflexion. Im Übrigen sei früher oft während der Konzerte geweint worden, das kommt einem heute lächerlich vor.

Wißmann erklärte: „Goethe und Beethoven begegneten sich nicht auf Augenhöhe, Beethoven verstand sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Philosoph. Goethe beurteilte ihn unterschiedlich.“ Die Wissenschaftlerin erinnerte auch daran, dass es damals eine unglaubliche Singe- und Lesekultur gegeben habe.

„Weimar ist nach Wien die Stadt, in der viele Singspiele aufgeführt wurden. Dass Goethe nach Mozarts Entführung aus dem Serail seine Arbeiten zu Scherz, List und Rache nicht mehr so zielstrebig weiter verfolgte, hatte auch mit Respekt vor Mozart zu tun“, erklärte Gülke.

Gordon Kampe sagte zum Abschluss der Gesprächsrunde: „Als ich den Auftrag erhielt, ein Stück für die Goethe-Festwoche zu komponieren, war ich überrascht und erfreut zugleich. Zeitgenössische Musikfestivals warten nicht gerade auf einen Goethe-Liederzyklus. Mich hat das Gedicht Zahme Xenien inspiriert, so ist die Komposition lichtverzwickt entstanden.“

Das Ensemble Modern spielte anschließend zunächst den 1., 2. und 6. Satz aus Ludwig van Beethovens Septett in Es-Dur, dann unter der Stabführung von Mariano Chiacchiarini Gordon Kampes lichtverzwickt in einer Uraufführung.

Details zum Programm sind unter goethe-festwoche nachlesbar.

JF

 

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