Langenscheidt: „Gammelfleischparty“ ist Jugendwort des Jahres

Der Verlag hat die Initiative „Jugendwort des Jahres“ ins Leben gerufen, nun wurde erstmals gewählt – und „Gammelfleischparty“ als bildhafte Übersetzung der Ü-30-Partys fand den eindeutigen Zuspruch einer neunköpfigen Jury.

Der Begriff platzierte sich klar vor „Bildschirmbräune“ für die Blässe eines Computerfreaks (2. Platz), „unterhopft sein“ für den Tatbestand noch nicht betrunken genug zu sein und Lust auf Bier zu haben (3. Platz), der jugendsprachlichen Übersetzung des USB-Sticks als „Datenzäpfchen“ (4. Platz) und der verbalen Verbildlichung eines Nordic-Walkers als „Stockente“ (5. Platz).

Das deutliche Votum der heterogen zusammengesetzten Jury für „Gammelfleischparty“ wurde unter anderem so begründet: Der Begriff „Gammelfleischparty“ sei schon durch seinen Ekelfaktor ein Stolperstein und somit ein Aufmerksamkeitsmagnet. Der übersetzte Gegenstand, eine Party nur für Menschen über 30 Jahre, habe es verdient, dass sich über ihn lustig gemacht wird, besonders da die Ausgrenzung von Jugendlichen von Ü-30-Partys den Spott der Jugendlichen geradezu provoziere.

Ziel und Idee des Wettbewerbs ist es, die Kreativität der oftmals schnelllebigen Jugendsprache zu präsentieren und jährlich neu zu dokumentieren [mehr…]. Dabei bietet Langenscheidt die Plattform und Öffentlichkeit, auf der sich Jugendliche austauschen können, greift jedoch nicht korrigierend, sondern nur organisierend ein.

Das Prozedere: Aus der Vielzahl der von Jugendlichen eingesandten Begriffe wurden 200 neu in den aktuellen Band von Hä?? Jugendsprache unplugged aufgenommen. Insgesamt enthält das Buch 500 Ausdrücke der Jugendsprache. Aus den Neuaufnahmen entstand eine Shortlist von 30 Ausdrücken. Diese wurde im Internet unter www.jugendwort.de zur Abstimmung gestellt. In diesem Jahr folgten 25.000 Interessierte dem Aufruf zur Stimmabgabe. Die daraus entstandene Top-15-Liste wurde der Jury vorgelegt. Um verschiedenste Blickwinkel der Sprachbeobachtung und -verwendung in die Diskussion einfließen zu lassen, war die Jury gewollt aus verschiedenen Altersstufen zusammengesetzt.

Neben der Heterogenität wurde bei der Wahl der Jurymitglieder Wert auf deren Kompetenz im Bereich Sprache beziehungsweise Sprachbeobachtung und -bewertung gelegt. Die diesjährigen Jurymitglieder waren Eva Betz, 32, Redakteurin in der Redaktion Wörterbücher des Langenscheidt Verlags; Julia Karnahl, 29, Chefredakteurin der Jugendzeitschrift „Spiesser; Hannes Petzold, 18, Schüler und freier Mitarbeiter bei „Spiesser“; Anna Pfitzer, 18, Schülerin; Sami und Selda, 13 und 16 Jahre, Schüler der Initiative „Lichtblick Hasenbergl“; Jana Scheerer, 30, Schriftstellerin; Julia Vogel, 21, Auszubildende zur Medienkauffrau beim Langenscheidt Verlag und Hendrik Werner, 42, Journalist.

Für die Ausgabe 2010 von Hä?? Jugendsprache unplugged 2009 können noch bis zum 28. Februar 2009 auf www.jugendwort.de neue Jugendbegriffe abgegeben werden.

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