„Leipzig liest“ mit mehr Spielstätten, neuen Partnern und umfangreicheren Programm

Seit 14 Jahren ist die Leipziger Buchmesse mit ihrem Lesefest „Leipzig liest“, dem größten Literaturfest Europas, untrennbar verbunden.

Seither ist es ein Gemeinschaftsprojekt der Leipziger Messe, der Stadt Leipzig, des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, des Mitteldeutschen Rundfunks, des CLUB Bertelsmann, des Kuratoriums Haus des Buches e. V. und der an der Messe beteiligten Verlage.

Anspruchsvolles und Unterhaltsames

Erneut stehen über 1.200 Veranstaltungen mit über 1.000 Mitwirkenden im Programm. „Neben bekannten Autoren wie Christoph Hein, Thomas Brussig, Amos Oz, Robert Gernhardt, Hellmuth Karasek, Walter Kempowski, Joachim Fest, Adolf Muschg, Breyten Breytenbach und Jorge Semprun stellen zahlreiche Schauspieler, Sänger und Politiker auf der Messe ihre Bücher vor“, sagt Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. So zeigen unter anderem Manfred Krug, Eberhard Esche, Oskar Lafontaine, Klaus von Dohnanyi, Hermann van Veen, Wolfgang Niedecken, Katharina Thalbach und Charles Aznavour dem Publikum eine andere Seite ihres Könnens.

„Leipzig liest Schiller“: Von „Schiller unplugged“ bis zum Stadtrundgang

2005 jährt sich Schillers Todestag zum 200sten Mal. Grund für die Leipziger Buchmesse mit Unterstützung der Verlage Hanser, Suhrkamp, Reclam, Aufbau-Verlag und des Deutschen Taschenbuchverlags (dtv) dem großen deutschen Klassiker eine eigene Reihe zu widmen. Zahlreiche Neuerscheinungen, Theateraufführungen und Diskussionsrunden bieten allen Gästen und Interessierten die Gelegenheit, sich mit dem Autor und seinem Werk auseinander zu setzen. Schon vor Messebeginn, am 16. März, liest Rüdiger Safranski aus seiner Schiller-Biografie. Safranski nimmt am 18. März auch an einer Diskussionsrunde zum Thema „Schiller heute – Revolutionär und Genie“ in der Glashalle teil. Einen andern Blick auf Schiller wirft Dieter Kühn: Am Messesamstag stellt er sein Buch „Schillers Schreibtisch in Buchenwald“ vor.

Am 17. und 18. März widmet sich das Programm ganz dem jungen Publikum. Jüngere Schiller-Freunde können unter anderem öffentliche Proben des Schauspiels Leipzig zu seinem Stück „Schiller unplugged“ miterleben. Abgerundet wird „Leipzig liest Schiller“ mit einem Stadtrundgang unter dem Motto „Gestatten, Schiller. Der Dichter zeigt sein Leipzig“, bei dem die Gäste auf eine Reise durch das Leipzig des 18. Jahrhunderts mitgenommen werden.

Hörbuchnächte mit neuem Veranstaltungsort

Vor fünf Jahren führte die Leipziger Buchmesse den Themenschwerpunkt „Hörbuch“ ein. Mittlerweile ist sie mit über 120 Ausstellern der wichtigste Branchen-Treffpunkt für die nationalen Hörbuchverlage. Nach erfolgreicher Premiere im vergangenen Jahr eroberten sich die Hörbuchnächte einen festen Platz im Programm. Neben dem Szenecafé Spizz gibt es mit der Alten Handelsbörse einen neuen Veranstaltungsort. Unterstützt wird diese Reihe vom Mitteldeutschen Rundfunk und dem Nachrichtenmagazin Focus. Zu den Lesenden zählen Christian Brückner, Ulrich Plenzdorf, Katharina Thalbach, Jan Josef Liefers und Peter Lohmeyer.

40 Jahre deutsch- israelische Beziehungen

Dem vierzigjährigen Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen widmet sich die traditionsreiche Reihe „Jüdische Lebenswelten“, vor 14 Jahren vom CLUB Bertelsmann initiiert und seitdem veranstaltet. Die vier Messetage widerspiegeln ein lebendiges und vielfältiges Bild der Literatur beider Länder. Dabei werden Politiker und renommierte Autoren ebenso zu Wort kommen wie junge Literaten aus Israel. Den Höhepunkt der Veranstaltungsreihe bildet ein Festakt im Bundesverwaltungsgericht, zu dem unter anderem Außenminister Joschka Fischer und der israelische Botschafter Shimon Stein kommen.

„Leipzig liest“ mit insgesamt 200 Spielstätten

Das Unverwechselbare an „Leipzig liest“ sind die zahlreichen – oft sehr ungewöhnlichen – Leseorte. Mit über 200 Partnern, die in den vier Märztagen in das Lesefest einbezogen sind, hat sich die Anzahl der Spielstätten gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht (2004: 160). Krimifreunde können traditionell am Abend das Landgericht aufsuchen oder sich in der SchnitzelFabrik bei einem Thriller über die internationale Fleischmafia gruseln. Im Tresorraum der Deutschen Bank bekommen Interessierte Einblicke in die Arbeit von „Geldmachern“.

Auswärtiges Amt ist neuer Partner für die internationalen Projekte

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt in diesem Jahr sind die Literaturen der mittel- und osteuropäischen Länder. Neuer Partner für die Auslandsaktivitäten der Leipziger Buchmesse ist seit diesem Jahr das Auswärtige Amt. So gibt es unter anderem erstmals eine Veranstaltungsreihe, bei der prominente Autoren Nachwuchsautoren vorstellen. In diesem Jahr kommen die Autoren aus Polen, Lettland, der Ukraine und Albanien.

Das „Autorenspecial 2005“ widmet sich unter dem Titel „10 Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton“ der gegenwärtigen Situation auf dem Balkan – zehn Jahre nach dem Bürgerkrieg. Sechs Autoren aus Serbien, den Niederlanden, Kroatien, Bosnien und Großbritannien stellen in Essays ihre Sichtweisen auf das diffizile Thema vor.

Die internationale Reihe „Kleine Sprachen – große Literaturen“, 2003 von fünf Berliner Kulturinstituten ins Leben gerufen, wurde ebenfalls ausgebaut. Die zwölf teilnehmenden Länder Finnland, Griechenland, Kroatien, Litauen, Malta, Polen, Rumänien, Schweden, Slowakei, Tschechien, Ungarn und Zypern präsentieren im „Forum kleine Sprachen“ einen Querschnitt ihrer zeitgenössischen Literatur.
Erstmals gibt es zur Messe auch ein nordisches Forum. Hier werden unter anderem aus Island Einar Karason, aus Norwegen Jostein Gaarder und aus Schweden Per Olov Enquist ihre Neuerscheinungen vorstellen.

Debütanten in Leipzig

Leipzig ist traditionell ein Ort, an dem junge Autoren und Debütanten Kontakte zu Lesern und Verlagen knüpfen können. Partner dieser Lesungen sind neben den auf der Messe ausstellenden Verlagen erneut das Literarische Colloquium Berlin, das Deutsche Literaturinstitut Leipzig und die Leipziger Universitätsbibliothek Albertina. „Autoren, die auf dem Gebiet der Belletristik debütierten und die man sich unbedingt merken sollte, sind unter anderem Silke Scheuermann, Dea Loher, Bernd Lichtenberg und Sünje Lewejohann“, sagt Birgit Peter, Geschäftsführerin des Kuratoriums Haus des Buches und literarische Beraterin von „Leipzig liest“.
bücher.macher: „Gründerzeit – Independents im Aufwind?“

Schlägt in Zeiten der Konzerne plötzlich wieder die Stunde der unabhängigen Verleger? Ob Belletristik, Sachbücher oder neue Kulturzeitschriften – trotz lahmender Konjunktur und vielstimmigem Krisenlamento in der Buchbranche geht eine regelrechte Gründungswelle durchs Land. Das Bedürfnis, endlich die Bücher und Zeitschriften zu machen, die man schon immer machen wollte, und der Charme, dies auf eigene Rechnung und eigenes Risiko zu tun, scheinen größer denn je. Unter dem Titel „Gründerzeit – Independents im Aufwind?“ diskutiert Moderator Denis Scheck mit Neueinsteigern und längst etablierten Akteuren des Literaturbetriebs über Krisen- und Gründerzeiten, Selbstausbeutung und den Zauber der Selbstständigkeit, über Konzepte, Chancen und Visionen der Macher von heute. Gäste des bücher.macher-Podiums sind die Verleger Heinrich von Berenberg (Berenberg Verlag), Daniela Seel (kookbooks), Michael Zöllner (Tropen Verlag) und Klaus Wagenbach (Verlag Klaus Wagenbach) sowie die Literaturagentin Karin Graf (Literatur- und Medienagentur Graf & Graf). (Donnerstag, 17. März, 14.00 Uhr, CCL, Mehrzweckfläche 4). Nähere Informationen sind unter www.buecher-macher.de zu finden.

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