München: Die ersten 100 Tage der Buchhandlung LOST WEEKEND

Am 5. November, also gestern vor drei Monaten, eröffnete die etwas andere Buchhandlung mitten im quirligen Münchener Uni-Viertel (BuchMarkt berichtete im Heft 12/2014). Das Konzept: alle Reclam-Hefte, das Felix-Meiner-Programm, eine Auswahl aktueller Titel mit den Schwerpunkt gesellschaftlich-philosophische Debatte – und ein veganer Coffeeshop.

Für Gründer Michi Kern, Gestalter Björn Weltbrandt Wallbaum und die Sortimenterin Irene Held ist es „bisher super gelaufen“. Ein gewisser Rückgang der Besucherfrequenz in den letzten beiden Wochen sei „wohl auf die Semesterferien zurückzuführen“. Ihr Motto also jetzt: „Don´t cry – work!“.

Inhaber und Gründer Michi Kern, Sortimenterin Irene Held

Es sind inzwischen zwei weitere Buchregale dazugekommen, doch von der ausschließlichen Frontalpräsentation wird nicht abgegangen. Die Zusammenarbeit mit Umbreit sei effektiv und serviceorientiert, genauso mit Reclam, wo direkt bezogen wird. Für Irene Held, die bisher immer in Vollsortimenten gearbeitet hat, ist es eine neue und befriedigende Erfahrung, dass das Angebot mit Reclam plus gezielte Titel-Auswahl plus Bestellservice „reicht“. Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ liegt an der Kasse, und gleich daneben die darin zitierten Werke von Joris-Karl Huysmans, die „natürlich“ bei Reclam lieferbar sind.

Das Motto: „Don’t cry – work“

Gibt es Lob, gibt es Kritik? Lob kommt aus vielen Ecken, vom Vermieter Uni-Verwaltung, die endlich wieder pulsierendes Leben in dem lange Zeit leerstehenden, zur Schellingstraße hin raumhoch verglasten Eckraum sieht; von vielen Lehrenden der Uni, der Hochschule für Philosophie und der Hochschule für Politik, die von der Auswahl im »Reportage-Portal« besonders begeistert sind; von Buchhändler-Kollegen; und am Wichtigsten: durch die Frequenz der Kunden. Die Tische sind voll besetzt, mancher Laptop im Einsatz, manches Buch aufgeschlagen, und Irene Held hat gut zu tun.

Der Jahresplan für Veranstaltungen ist in Arbeit, die Bandbreite geht von ungewöhnlichem Schmuck (current obsession) über die Analyse von Rassismus in Kinderbüchern bis zu einer öffentlichen Session des Rottendorf-Symposiums zur Praxis der Menschenrechte der Hochschule für Philosophie. Man kann LOST WEEKEND sehen, wie man will: ein Coffeeshop, dessen Umsatz zu einem Drittel mit Büchern gemacht wird; ein Reclam-Barsortiment für Endkunden; ein gut sortiertes Lektüreangebot zu den Themen der Zeit.

Ulrich Störiko-Blume

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