Vorlesestudie 2013: In Familien wird immer noch zu wenig vorgelesen

Heute stellten DIE ZEIT, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn AG in Berlin die Vorlesestudie 2013 vor. Im Mittelpunkt der repräsentativen Studie standen die Fragen, wie häufig Eltern ihren Kindern vorlesen und wie Geschlecht, Herkunft sowie Bildungshintergrund das Vorleseverhalten beeinflussen, so Simone C. Ehmig (Foto), Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen.

In 30 Prozent der Familien mit Kindern im Vorlesealter werde zu wenig vorgelesen, sagte sie. Dies gelte nach wie vor besonders für Haushalte aus bildungsfernen Schichten. Ebenso läsen Väter ihren Kindern deutlich seltener vor als Mütter: Während 29 Prozent der Mütter ihren Kindern täglich vorlesen, machen dies nur neun Prozent der Väter. „Das Vorlesen muss nach wie vor gefördert werden“, bilanzierte Simone C. Ehmig. „Dass die Maßnahmen zur Förderung des Vorlesens greifen, zeigt der Vergleich der aktuellen Zahlen mit den Ergebnissen von 2007. Hier sehen wir eine positive Entwicklung.“

In Familien mit Kindern im Vorschulalter lesen laut Studie heute sechs Prozent mehr Eltern vor als 2007. Vor allem bildungsferne Familien konnten durch Förderungsmaßnahmen erreicht werden. Die Zahl der regelmäßig vorlesenden Eltern stieg hier überdurchschnittlich um 14 Prozentpunkte von 67 Prozent auf 81 Prozent an. Insgesamt lesen auch mehr Väter ihren Kindern vor als noch vor sechs Jahren.

Rüdiger Grube, Rainer Esser, Jörg F. Maas (v.l.)

Die Vorlesestudie 2013 zeigt außerdem, dass sich zwar 83 Prozent der Eltern für ihre Kinder eine gute Bildung wünschen, aber nur drei Viertel Lesekompetenz und nur die Hälfte Lesefreude als wichtige Erziehungsziele ansehen. Vielen Eltern sei der Zusammenhang zwischen Vorlesen und Bildung nicht bewusst, betonte Bahnchef Rüdiger Grube. „Lesefreude und Lesemotivation muss als zentrale Voraussetzung für gute Lesefähigkeit und damit auch als Schlüssel für Bildung stärker in das Bewusstsein der Eltern gerückt werden“, sagte er. Ohne Lesekompetenz gebe es keinen Zugang zur Bildung. Seit dem vergangenen Jahr sei gerade in bildungsfernen Milieus der Anteil der Haushalte mit Kindern im Vorlesealter, die einen Tablet-PC besitzen, stark gestiegen. „Hier liegt eine große Chance, gerade diese Zielgruppe mit passenden Angeboten wie zum Beispiel Vorlese-Apps zu erreichen und zum Vorlesen zu motivieren“, betonte ZEIT-Geschäftsführer Rainer Esser.

Die Vorstellung der Studie bildet zugleich den Auftakt zum zehnten Bundesweiten Vorlesetag, der am 15. November bereits zum zehnten Mal stattfindet. Laut Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, haben sich bereits mehr als 50.000 Vorleserinnen und Vorleser angemeldet und so einen neuen Teilnahmerekord aufgestellt. „Der Bundesweite Vorlesetag erreicht die Menschen an jedem Ort und wirkt so in alle Zielgruppen hinein. Jeder und jede kann mitmachen und so ganz einfach für das Vorlesen werben und begeistern“, sagte er. „Durch solche breitenwirksame Aktionen öffnen wir neue Einfallstore für das Vorlesen.“

Gleichzeitig wurden heute DIE ZEIT, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn AG für den Bundesweiten Vorlesetag mit dem Preis Ideen für die Bildungsrepublik ausgezeichnet. Ariane Derks, Geschäftsführerin der Initiative Deutschland – Land der Ideen, begründete die Ehrung: „Lesen ist eine elementare Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungsbiographie. Der Bundesweite Vorlesetag setzt als größtes Vorlesefest Deutschlands nun schon seit zehn Jahren ein Zeichen für eine lebendige Lesekultur. Unser Dank gilt den vielen ehrenamtlichen Vorlesern, denen es gelingt, bei den Kindern und Jugendlichen die Freude an Literatur zu wecken und die Lesekompetenz zu fördern.“

Die Ergebnisse der Vorlesestudie 2013 finden Sie unter http://www.stiftunglesen.de/institut-fuer-lese-und-medienforschung/forschungsprojekte/vorlesestudie#article_700

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