Veranstaltungen „Andere Bücher braucht das Land“ – Bücher, Bilder, Bazar im Münchner Literaturhaus

„Andere Bücher braucht das Land“

Neunundzwanzig unabhängige Verlage präsentierten am ersten Adventswochenende im Münchner Literaturhaus ihre Programme http://www.literaturhaus-muenchen.de/bazar/09/verlage.htm. In vorweihnachtlicher Buchmessen-Atmosphäre wurden vor Ort Novitäten und Backlisttitel verkauft.

Das Motto Andere Bücher braucht das Land lockte viele Neugierige an den Salvatorplatz. Schon am Freitag Abend wurde der neu geschaffene Preis für einen bayerischen Kleinverlag durch den Staatsminister Wolfgang Heubisch und den Vorsitzenden des Landesverbandes Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels Wolf Dieter Eggert an den mixtvision Verlag verliehen.

Gastgeber Reinhard G. Wittmann freute sich über den „frischen Wind“ bezüglich der Literaturförderung in der Landeshauptstadt und über das grüne Licht auch von politischer Seite für das große Münchner Literaturfestival im November 2010. Wolf Dieter Eggert betonte die erstaunliche mediale Resonanz, die der mit 5000 Euro dotierte Preis für bayerische Kleinverlage schon in seinem ersten Jahr erzielt und der Staatsminister beglückwünschte den Gewinner und stellte dessen bislang erfolgreichsten Titel, das KeinBuch vor. In der Tat ein „anderes Buch für das Land“: Es hilft Schwellenängste abzubauen auch bei Kindern und Jugendlichen, die Bücher längst als uncool abgeschrieben haben. Bei „KeinBuch“ ist ein respektloser Umgang nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Der Untertitel lautet: „86 Dinge, die du schon immer mit einem Buch tun wolltest, aber nie durftest.“ Engagierte Buchhändlerinnen und Buchhändler haben bei Klassenführungen die Erfahrung gemacht, dass „KeinBuch“ den Höhepunkt der Buchvorstellungen bildet. Neugierig lesen Viert- oder Fünftklässler die Anleitungen in „KeinBuch“: Lies das Buch im Regen. Schreibe mit der linken Hand. Male ein Daumenkino in die Ecken. Male hier mit Zahnbürste und Zahncreme. Binde das Buch über Nacht an einen Baum. Schreibe deinen sehnlichsten Wunsch auf und wirf ihn in einen Fluss.

Malen, knicken, schmieren, kleben, löchern, brennen, reißen, waschen – das treibt bibliophilen Erwachsenen den Schweiß auf die Stirn. Denn „KeinBuch“ ist ein subversives Buch und kann zu einem einzigartigen Kunstwerk werden. Die Kinder und Jugendlichen, die „KeinBuch“ derart behandelt haben, können Bilder und Videos ihrer Werke auf die Webseite www.keinbuch.com hochladen und sich dort mit anderen Kindern austauschen.

Crossmedial verknüpfte Bücher waren auch ein Thema bei der Podiumsdiskussion „Strategien unabhängiger Verlage“ mit Andreas Heidtmann (Foto) (poetenladen), Monika Bilstein (Foto) (Peter Hammer Verlag, Manfred Metzner (Foto) (Verlag das Wunderhorn, Vorsitzender der Kurt-Wolff-Stiftung) und Sebastian Zembol (Foto) (mixtivision Verlag), in der über die Vor- und Nachteile der Unabhängigkeit innerhalb des Buchmarktes diskutiert wurde. Die Chancen für Nischenliteraturen im Internet, die Auswirkungen der „Content for free“-Mentalität junger User, die Schwierigkeiten mit guter Literatur Geld zu verdienen und im stationären Handel präsent zu sein, die Modelle der Literaturförderung in Österreich und Frankreich bis hin zu gps-gesteuerten Inhalten und Smartphone-Applikationen auch für Kleinverlage wurden auf anregende Art thematisiert. Einen Schwerpunkt der Gespräche bildete die Trägheit mancher Buchhändler, im Barsortiment nicht gelistete Titel kleiner Verlage für den Kunden trotzdem zu bestellen. „Manche Sortimenter kennen das VLB nicht mehr“, sagte Moderator Manfred Metzner, der in seiner Vorschau vorsorglich folgendes schreibt: „Alle Bücher unseres Programmes sind lieferbar – auch wenn Ihnen der Handel anderes mitteilt. In diesem Fall wenden Sie sich bitte direkt an uns oder unsere Auslieferungen.“

Bereits zum dritten Mal fand dieser Markt der unabhängigen Verlage und der besonderen Bücher im Münchner Literaturhaus statt. Hinzu kamen Bilder von 18 (Comic-)Künstlern zum freien Verkauf, weitere Diskussionsrunden, Signierstunden, ein Workshop und eine „Münchner Runde“ mit Marianne Hofmann (lichtung Verlag), die ihre Augenblickstexte vorlas. Mit Friedrich Ani und Anton G. Leitner, die die siebzehnte Ausgabe von DAS GEDICHT: 99 Gedichte mit Mut zum Übermut vorstellten und dem Wahl-Münchner Zé do Rock der mit jede sekunde stirbt ein nichtraucher ein Sprachspiel „üba vorurteile un andre teile“ (A1 Verlag) trieb. nb

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.