Bericht über eine Lesung der besonderen Art Arno Strobel liest unter Corona-Bedingungen in Wittlich

Eine vom Kulturamt der Stadt Wittlich zusammen mit Stadtmarketing und der Altstadt Buchhandlung Wittlich organisierte Lesung mit dem Krimiautor Arno Strobel war eine Lesung der besonderen Art: Hier der Bericht aus dem Corona-Alltag der Buchhandlung:

Die Lieserterrassen am Rande der Altstadt von Wittlich – 100 aufmerksame Zuhörer lauschen den Worten von Arno Strobel

Die 100 Eintrittskarten waren nach dem ersten Pressehinweis in drei Tage verkauft. Leider konnten wegen der einzuhaltenden Abstandsgebote nicht mehr Sitzplätze angeboten werden – auf den Lieserterrassen wäre auch die doppelte Menge an Zuhörern untergekommen. Wir, die Veranstalter, der Autor und die Zuhörer waren mit dieser besonderen Art der Lesung aber zufrieden:  Auch wenn die bei Lesungen gewohnte Atmosphäre wegen der fehlenden Nähe nicht so richtig aufkommen konnte, war die Lesung am Lieserufer etwas Besonderes, Unvergessliches.

Hierzu trug aber auch die passende örtliche Situation in Wittlich bei. Die Lieserterrassen, ein beliebter Treffpunkt am Rande der Altstadt, eignete ich perfekt für solche eine coronabedingte besondere Lesung. Es war schon eine eigenartige Situation, als  Arno Strobel am 27. Juni 2020 in Wittlich seinen neuesten Thriller „Offline“ vorstellte. Kein Mensch außer den Zuhörern bekam von der Lesung ein Wort  mit – die gesamte Lesung wurde nur über Kopfhörer übertragen.

Am Veranstaltungsgelände entlanggehende Spaziergänger fragten sich, wieso auf den Lieserterrassen 100 Menschen saßen, still in ihre Kopfhörer lauschten und auf die andere Seite der Lieser schauten. Dort stand in rund 30 Meter Entfernung der Autor unter einem Sonnensegel an einem Stehtisch und redete unhörbar in sein Headset. „Ich freue mich darauf, wieder vor Ort eine Lesung zu halten“, begrüßte Strobel die Zuhörer. Es sei seine erste Veranstaltung seit Corona, bei der das Publikum körperlich präsent sei. Strobel fühlte sich wie ein Rockstar, als bei der technischen Kontrolle die Zuhörer ihm auf Kommando zu jubelten. So etwas gibt es bei einer Lesung in der Buchhandlung oder in geschlossenen Räumen natürlich nicht. 

Arno Strobel beim signieren seiner Bücher – hinter einer Plexiglasscheibe als Spritzschutz

Die Besonderheit der Lesung wurde dem Zuhörer erst bewusst, wenn er seinen Kopfhörer abnahm. Plötzlich herrschte eine absolute Stille, die eben noch deutlich und klar hörbare Stimme von Arno Strobel war weg. Es war keines seiner Worte mehr hörbar. So mussten es auch die Füßgänger empfunden haben, die über die Altstadtbrücke schlenderten oder auf der Stadtseite oberhalb der Lieser spazieren gingen. 

So eine Lesung unter freiem Himmel hatte schon etwas Besonderes. Während man den Worten des Autors lauschte und erfuhrt, wie er zu der Idee seines Trillers „Offline“ kam, konnte man den Lauf der Lieser beobachten, einem kleinem Fluss, der an der Stadt vorbei fließt. Dort tummelten sich Forellen, die ab und zu auf der Jagd nach Insekten aus dem Wasser auftauchten. Eine Entenfamilie mit sieben kleinen Küken wurde von der Mutter zusammengehalten und zog langsam vorbei. Eine Stockente strich lautlos in geringer Höhe über die Wasserfläche. Aber dann erforderte wieder der Thriller seine volle Aufmerksamkeit, wo schon im Prolog die Könnerschaft von Arno Strobel für psychologische Grausamkeiten aufleuchtete. 

Ulrich Jacoby

 

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