Ludger Wicher: Warum die HGV die SFG zurückgekauft hat

Eben wurde bekannt, dass die HGV Hanseatische Gesellschaft für Verlagsservice die SFG von Elsevier zurückgekauft hat [mehr…]. Das ist Anlass für Fragen an HGV-Geschäftsführer Ludger Wicher:

Das hat wohl nicht nur uns überrascht: Der Auslieferungsmarkt schien gesättigt

Ludger Wicher: Es herrscht in diesem Markt schon ein gewisser Verdrängungswettbewerb, das ist nicht zu leugnen. Im Bereich des physischen Geschäfts wird dieser bei stagnierenden Volumina auch eher intensiver werden und zu Konsolidierung führen. Im Bereich der Fachverlage arbeiten allerdings viele Häuser mit eigenen Auslieferungen und

Ludger Wicher

Serviceabteilungen. Hier sehen wir Potenzial für künftige Auslagerungen. Da sich das Geschäft aber zunehmend digitalisieren wird, ist dabei nicht nur logistische Kompetenz, sondern auch sehr hohe technische Kompetenz bei der Gestaltung und Unterstützung digitaler Workflows gefragt. Da sieht sich die hgv mit ihrer digitalen Verlagsauslieferung, die seit der Frankfurter Buchmesse 2009 produktiv ist, und ihrer breiten und tiefen IT-Kenntnis in einer sehr guten Ausgangsposition. In Kombination mit dem Fachverlags-Know-how der SFG möchten wir unsere Position als innovativer und qualitativ hochwertiger Dienstleister festigen.

Warum hat Ihr Haus den Bereich damals eigentlich verkauft?

Mit dem Verkauf des Verlags Urban & Fischer im Jahr 2002 von Holtzbrinck an Elsevier wurde seinerzeit auch die SFG als zugehörige Servicegesellschaft mit veräußert. Damals war die hgv noch ein reiner IT-Dienstleister, so daß sich daraus keine logische Verbindung ergab. Das Servicegeschäft im Kundenservice und Debitorenmanagment wurde erst 2003 mit den Holtzbrinck-Verlagen Rowohlt und S. Fischer gestartet und hat sich dann sehr zügig und positiv weiterentwickelt. Allerdings mit dem Fokus im Publikumsverlagsbereich. Heute ist die hgv bei Buchhändlern und Verlagen als zuverlässiger Partner bekannt und respektiert. Da liegt es nahe, nun auch im Fachverlagssegment aktiv zu werden.

Was heißt das jetzt für den Buchhandel?

Das heißt zunächst einmal Konitnuität bei Ansprechpartnern und Abwicklung. Perspektivisch wollen wir die Prozesse im Sinne des Buchhandels und der Verlage weiter optimieren und mit möglichst vielen Fachverlagen eine genauso wirksame Bündelung erreichen, wie wir das heute bei den Publikumsverlagen schon tun.

Und für die HGV – das ist doch ein ziemlicher Umsatzsprung – wie geht das organisatorisch?

Das ist richtig, für die HGV ist das ein deutlicher Wachstumsschritt. Da wir eine gut funktionierende Organisation übernehmen, werden wir das gut bewältigen können.

Der Standort Kusterdingen bleibt erhalten, aber bleiben auch alle Mitabeiter?

Ja, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der heutigen SFG verfügen über ein hervorragendes Know-how und haben in der Vergangenheit immer einen sehr guten Job gemacht. Diese Kompetenz wollen wir nutzen und weiterentwickeln und den Geschäftsbereich ausbauen.

Ihre Botschaft jetzt?

Die Veränderungen in der Verlagsbranche durch die fortschreitende Digitalisierung werden auch gravierende Auswirkungen auf die Verlagsauslieferungen haben. Die hgv hat sich hier konsequent platziert und kann Verlage bei der Erschließung digitaler Märkte effektiv unterstützen.
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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