Auszeichnungen Auszeichnungen für die Gestalter der schönsten deutschen Bücher

Gestern Abend wurden im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt die Schönsten deutschen Bücher in fünf Kategorien vorgestellt und ihre Gestalter ausgezeichnet.

Zu Beginn der Festveranstaltung begrüßte Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, die zahlreichen Gäste im Foyer des Hauses: „Wir haben ein Luxusproblem, die Stühle reichen nicht für alle Besucher.“ Die nahmen es gelassen, wer keinen Sitzplatz hatte, blieb eben stehen.

Hesse dankte dem Vorstand der Stiftung Buchkunst – anwesend waren der Vorsitzende Joachim Unseld, Wulf D. von Lucius und Bernd Heidenreich – und verwies auf den 1994 gegründeten Freundeskreis der Stiftung Buchkunst, dessen Vorstandsvorsitzender Helge Slupianek ebenfalls gekommen war. Außerdem bedankte sich die Geschäftsführerin bei allen Sponsoren, bei den Jurymitgliedern Helga Schörnig, Regine Grammlich, Jan Kermes, Patrick Marc Sommer, Lisa Zech, Lars Birken-Bertsch, Anja Wolfsfeld, Michaela Philipzen, Alexandra Kardinar, Carsten Schwab, Katrin Schacke, Thomas Narr, Max Mönnich und René Kohl. Aus 866 Einsendungen kürten sie die schönsten Bücher. Eine weitere Jury – Markus Dockhorn, Gesine Grotrian, Joachim Unseld, Birthe Steinbeck und Jutta Schmitt – ermittelte daraus das schönste Buch 2017.

„Beim Wettbewerb Schönste deutsche Bücher geht es um den Aufstand der guten Form“, stellte Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst, fest und forderte dazu auf, morgen die nächstgelegene Buchhandlung aufzusuchen und die „Schönsten“ zu kaufen. Das war allerdings bereits am Abend möglich – ein kleiner und gut besuchter Verkaufsstand präsentierte die Werke.

„Seit über 50 Jahren zeichnet die 1966 gegründete Stiftung Buchkunst ‚wirkliche Bücher’ aus“, erklärte Joachim Unseld. Was in der griechischen Mythologie das Trojanische Pferd war, könnte heute die Digitalisierung sein. Längst sei der Blick auf Menschen, in den Himmel oder in Bücher dem auf das Smartphone gewichen. Doch konkurriere das gut gemachte Buch mit dem neutral-langweiligen Lesegerät? Das Buch werde bleiben. „Es ist Zeit, sich zu besinnen, ob wir die analoge Welt hergeben wollen“, sagte Unseld und lobte das schöne Buch als passende Äußerung des Inneren.

Gleichwohl bereite ihm die Auswahl des allerschönsten Buches jedes Jahr Zahnschmerzen, diese Wahl sei äußerst schwierig.

Dann vergab Katharina Hesse drei Förderpreise, gekürt von Andrea Schmidt, Jonas Beuchert, Tilman Schlevogt, Tobias Groß, Rolf Jäger und Marina Kampka, an junge Gestalter: Dona Abboud erhielt den Preis für Out of Syria, inside Facebook, Institut für Buchkunst Leipzig; Sarah Käsmayr für Kleine Satelliten, MaroVerlag Augsburg, und Stefan Gunnesch für dazwischen – und irgendwo poesie, Edition Bildschriftlich Leipzig. Die Förderpreise sind mit jeweils 2000 Euro von Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, ausgestattet. Grütters hatte auch die Schirmherrschaft über den gesamten Wettbewerb inne.

Die Auszeichnung von jeweils fünf als vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung beurteilten Büchern in den Kategorien Allgemeine Literatur; Wissenschaftliche Bücher, Schul- und Lehrbücher, Sachbücher; Ratgeber; Kunst- und Fotobücher, Ausstellungskataloge sowie Kinder- und Jugendbücher folgte, Katharina Hesse moderierte kurzweilig und mit Humor. Details zu den 25 Büchern sind unter stiftung-buchkunst nachlesbar.

In einer spitzzüngigen Laudatio begann Oliver Maria Schmitt damit, dass die Titanic-Redaktion in Frankfurt-Bockenheim ihre Büros hat – die Räume waren vorher Sitz der Stiftung Buchkunst. Hohe Regale mit vielen Büchern machten die Entscheidung der Titanic-Redakteure für dieses Domizil leicht: „Man konnte schmökern – welch herrliches Wort“, sagte Schmitt. Als Schmöker wurde früher allgemein ein Buch bezeichnet, aus dem man problemlos auch eine Seite herausreißen konnte, um sich daraus einen Fidibus zum Anzünden der Pfeife zu drehen. Ein Lob des Schmökerns folgte. Schmitt erinnerte sich an seine Kindheit, an den Großen Wilhelm Busch, ein Buch, das die Mutter von Ost nach West gerettet hatte: „Ich weiß noch genau, wie das Buch roch.“ Viel später habe ihm der Großvater Inkunabeln gezeigt, die er von Dachböden „gerettet“ hatte. „Gedruckte Bücher bleiben, wenn alles Digitale längst im großen schwarzen Datenloch verschwunden ist“, meinte der Laudator.

Ein wenig schade sei, dass der Wettbewerb Schönste deutsche Bücher nicht auch eine Kategorie Dünndruck habe, da hätten die Werke von Merkel/Schulz, Der langweiligste Wahlkampf; Donald Trump, Die Verteidigung der Demokratie, Erdogan, Über die Freiheit, und Lothar Matthäus, Was ich noch nie jemandem erzählt hab’ große Chancen.

Das allerschönste Buch wurde am Ende der Veranstaltung prämiert; den von Monika Grütters mit 10.000 Euro ausgestatteten Preis nahm Walther König, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, für A. R. Penck. Rites de passage, entgegen. Gestaltet wurde es von Sophie und Philippe Millot (SpMillot, Paris).

Das von Oliver Kaepplin, Danièle Cohn, Ulf Jensen und anderen erarbeitete Buch, herausgegeben von der Fondation Maegt, wird von der Jury so beurteilt: „Der Katalog zur Ausstellung von A. R. Penck ist wie eine Ausstellung selbst konzipiert.“ Hervorgehoben wird der „ausgiebige Materialwechsel“, die satten „Drucke auf vorwiegend matten, saugenden Papieren. Panoramabilder auf Ausklappseiten … Interviews in reduzierter, subtiler Typografie … Während der Ausstellungsdauer verstarb Ralf Winkler, mit dem Künstlernamen A. R. Penck. Dieser Katalog erinnert in besonderer Weise an sein Leben.“

„Das Buch ist ein außergewöhnliches Projekt“, würdigte Joachim Unseld, „und ein deutsch-französischer Erfolg – damit ist die Buchmesse eröffnet!“

Walther König bedankte sich: „A.R. Penck prägte viele Jahre das Profil unseres Verlages. Eigentlich haben wir versucht, die erste Penck-Monografie zu machen. Von Penck gibt es etwa 100 Zeichenbücher, die Papierauswahl – er benutzte oft alle möglichen Formulare – haben wir nachempfunden.“

Mit einem gemütlichen Beisammensein, Blättern in den schönsten Büchern und interessanten Gesprächen klang der Abend aus.

Der Katalog Die schönsten deutschen Bücher 2017 vermittelt auf über 300 Seiten Einblicke, was gut gestaltete Bücher auszeichnet – und wer dahinter steht.

JF

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