„Brücke Berlin“ Preis für Szczepan Twardoch und Olaf Kühl / Initiativpreis für den Theaterverlag Henschel Schauspiel

Der polnischer Autor Szczepan Twardoch und sein Übersetzer Olaf Kühl erhalten den mit 20.000 Euro dotierten „Brücke Berlin“-Preis der BHF-Bank-Stiftung. Die Auszeichnung geht jeweils zur Hälfte an Autor und Übersetzer.

Szczepan Twardoch und Olaf Kühl werden ausgezeichnet für den Roman Drach, der dieses Jahr in deutscher Übersetzung im Rowohlt Berlin Verlag erschienen ist.

Aus der Jurybegründung: „Szczepan Twardoch, 1979 in Pilchowice geboren, lässt sich mit seinem fünften Buch auf ein kühnes Experiment ein: Er bringt die Erde selbst zum Sprechen, die schlesische Erde, die schon so viele Umwälzungen erfahren hat. Diese Erzählerin ist so allwissend wie gleichmütig, die Geschichte, die sich Sediment um Sediment in ihr abgelagert hat, ist für sie stets gegenwärtig, was diesem Roman eine atemberaubende Unmittelbarkeit verleiht. Hier wird mit großer sprachlicher Kraft ein ganzes Jahrhundert voller Konflikte und Gewalt porträtiert, werden alte Fragen nach Identität, nationaler Zugehörigkeit und sozialer Gerechtigkeit auf unerhörte Weise verhandelt. Die Prosa ist karg, aber sinnlich, in ihr klingt eine Fülle von Stimmen an, die im Lauf der Zeit aus dieser schlesischen Erde hervorgekommen und wieder in sie eingegangen sind.

Dem Übersetzer Olaf Kühl ist das Bravourstück geglückt, die unterschiedlichen Sprachschichten so flüssig ins Deutsche zu übertragen, dass sie auch in der Übersetzung natürlich und lebendig wirken. Die Entscheidung, Wendungen im oberschlesischen Dialekt durch niederschlesische Ausdrücke wiederzugeben, rettet den Reichtum des Originals und gewährt deutschen Lesern zugleich einen mühelosen Zugang. Lakonie, Rhythmus und Bildkraft dieses außergewöhnlichen Werks werden ebenso bewahrt wie seine beträchtliche Wucht.“

Außerdem wird der mit 5.000 Euro dotierte Brücke Berlin Initiativpreis vergeben. Er geht an den Theaterverlag Henschel Schauspiel für seine „nachhaltigen und herausragenden Bemühungen um die Entdeckung und Übersetzung bedeutender Theaterwerke aus dem mittel- und osteuropäischen Raum, beispielsweise aus Russland, Weißrussland oder Rumänien.

Die Preisverleihung findet am 28. September um 19 Uhr im Deutschen Theater Berlin statt.

Der Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis wird in diesem Jahr zum achten Mal vergebenen. Er lenkt den Blick auf die gegenwärtige Literatur der Länder Mittel- und Osteuropas, deren Stimmen den Prozess der europäischen Einigung mitgestalten. Darüber hinaus würdigt er die künstlerische Leistung unter besonderer Würdigung der literarischen Übersetzer.
Der Brücke Berlin Initiativpreis würdigt den wesentlichen Beitrag von Institutionen oder Einzelpersonen, die mit ihrer Arbeit der mittel- und osteuropäischen Literatur im deutschsprachigen Raum ein Podium geben.

Die Brücke Berlin Preise werden von der BHF-Bank-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut, dem Literarischen Colloquium Berlin und dem Deutschen Theater Berlin in zweijähriger Folge vergeben. Schirmherr ist Péter Esterházy, in der Jury wirkten Jürgen Jakob Becker, Sabine Berking, Wilhelm Burmester, Ulrich Khuon, Patricia Klobusiczky, Klaus-Dieter Lehmann und Peter Michalzik mit.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.