Claudia Piñeiro erhielt LiBeraturpreis

Ingeborg Kaestner (l.), Claudia Piñeiro

Der 23. LiBeraturpreis wurde heute Nachmittag in der Christuskirche in Frankfurt an die argentinische Autorin Claudia Piñeiro für ihren Roman Elena weiß Bescheid, 2009 im Unionsverlag, Zürich, in Deutsch erschienen, feierlich übergeben.

Ingeborg Kaestner, Vorsitzende des Vereins LiBeraturpreis, wies in ihrer Begrüßung auf die vorangegangenen Romane von Claudia Piñeiro hin. In deutscher Sprache erschien 2003 ihr Debüt Ganz die Deine, 2005 Die Donnerstagswitwen, beide Bücher ebenfalls im Unionsverlag, dessen Leiter Lucien Leitess zur Preisverleihung gekommen war.
Mit Elena weiß Bescheid ist der Autorin ein Kunstwerk gelungen, das nach der Lektüre viele Fragen aufwirft.

Das Grußwort der Stadt Frankfurt überbrachte Stadträtin Dr. Ursula Fechter, für die Frankfurter Buchmesse sprach Nina Klein.

Die Laudatio für Claudia Piñeiro schrieb Dr. Geoffrey Davis, der krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnte. Seine Rede hielt stattdessen Bettina Höfling-Semnar, Mitglied der Jury des LiBeraturpreises.
In Elena weiß Bescheid geht es um eine diffizile Mutter-Tochter-Beziehung, die gleich zu Beginn des Buches tragisch endet. Warum ist das passiert? Mutter Elena macht sich auf die Suche nach Antworten.
Claudia Piñeiro musste für ihren Roman eine Sprache finden, die der Parkinson-Erkrankung Elenas gerecht wird. Die Autorin schildert dieses Krankheitsbild schonungslos und realistisch, stellt die Charaktere überzeugend dar. Gesellschaftlich relevante Fragen werden im Roman aufgeworfen. „Ich empfehle ihnen dieses mutige Buch“, heißt es am Ende der Laudatio.

In ihrer Rede nach der Übergabe der Urkunde bedankte sich Claudia Piñeiro bei ihrem deutschen Übersetzer Peter Kultzen, bei ihren Verlagen in Argentinien, der Schweiz und in den Niederlanden.
Auf den Preis eingehend, der von Leserinnen und Lesern seit 1987 und ausschließlich an Schriftstellerinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben wird und auf ihre oft nicht einfache Situation aufmerksam machen möchte, sagte die Autorin: „Ich bin stolz, eine Frau und eine Schriftstellerin zu sein und aus einem Entwicklungsland zu kommen.“ Elena weiß Bescheid bezeichnete sie als ihr weiblichstes Buch, das viele Fragen aufwirft, die Frauen beschäftigen, wie Religiosität, das Verhältnis zum eigenen Körper, Vergewaltigung in der Ehe, Abtreibung, Familie, Pflichten, Verpflichtungen und eigene Ohnmacht. „Der Roman ist wie eine feste Kamera, die auf den kranken Menschen gerichtet ist. Der Leser kann nicht wegschauen“, erläuterte Claudia Piñeiro. Sie selbst hat Erfahrungen mit Parkinson sammeln müssen, ihre Mutter war von dieser Krankheit betroffen. Leider konnte die Mutter das Buch nicht mehr lesen – aber es ist ihr gewidmet.

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung vom Buenos Aires Tango Duo, den Büchertisch besorgte die Buchhandlung Ypsilon.

JF

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